Der besondere Fall

Verwechslung mit Folgen

In einer Bonner Zahnarztpraxis klärte sich jetzt eine Verwechslung auf, die sich bereits vor mehreren Jahrzehnten ereignet hatte. Mal wieder ein „besonderer“ Fall.

Seit über 30 Jahren betreue ich einen inzwischen 80-jährigen ehemaligen Bonner Ministerialbeamten, dessen ungewöhnliche Goldkrone immer wieder mein Interesse erregt. Nun erzählte er mir bei seinem letzten Besuch 2005 – er kommt leider immer nur einmal pro Jahr, und dann darf auch nur das Allernotwendigste erledigt werden – die Geschichte dieser, wie eine Patronenhülse aussehenden Goldkrone und über seine Angst vor jedem Zahnarztbesuch, die bis in die frühe Kindheit zurückgehe.

Es war einmal.....

Im Alter von sieben Jahren (also 1932) begleitete der oben genannte Patient seinen Freund namens Allinger zu dessen Hauszahnarzt namens Haube (die Namen waren meinem 80-jährigen Patienten noch so geläufig wie vor 73 Jahren). Nachdem sein Freund, bei dem ein zerstörter linker erster unterer Molar extrahiert werden sollte, eine Leitungsanästhesie erhalten hatte, wurden die beiden Knaben ins Wartezimmer geschickt. Als der Zahnarzt nach einiger Zeit ins Wartezimmer kam, griff er sich meinen Patienten, und ehe sich der ahnungslose Knabe versah, war der völlig gesunde Sechsjahrmolar im Unterkiefer links ohne Betäubung in der Zange jenseits der Mundhöhle. Als dem Zahnarzt Haube der Fehler bewusst wurde, kommentierte er mit dem Ausspruch „Du bist ja gar nicht der Allinger“. Von 1932 distalisierte der völlig gesunde 35 an die Position des gezogenen Sechsjahrmolars und es entstand eine Lücke nach 34.

.... eine Sanierung

1946 wiederum überredete ein Wiener Zahnarzt in der Kriegsgefangenschaft in Italien meinen Patienten, dem er einen „Gefallen“ erweisen wollte, dazu, den völlig gesunden distalisierten 35 zu überkronen und einen mesialen Anhänger zum Lückenschluss anlöten zu lassen. Im Laufe der nächsten 60 Jahre ging der Anhänger verloren, jedoch die Goldkrone präsentiert sich wie 1946. Lediglich wurde von mir im Jahr 1997 ein okklusaler Kunststoffverschluss der dort durchgebissenen Krone angefertigt.

In memoriam Prof. Dr. Ernst Sauerwein, meinem verehrten Lehrer und späteren väterlichen Freund, der am 09.04.2006 90 Jahre alt geworden wäre.

Dr. Fritz Haun
Wilhelmplatz 1, 53111 Bonn

 

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