Moderne Methoden der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG)

Das neue Gesicht – Möglichkeiten für ein lebenswertes Leben

Isabelle Dinoire – dieser Name ging um die Welt. Eine sensationelle Erfolgsmeldung um eine tragische Lebensgeschichte. Das MKG-Team um den Franzosen Bernard Devauchelle hatte der 38-jährigen vor einigen Monaten Nase, Mund-, und Kinnpartie einer Toten transplantiert – bislang mit Erfolg. Noch lassen die Abstoßreaktionen auf sich warten. Hat die Patientin das erste Jahr geschafft, seien die Erfolgsprognosen für sie günstig, sagen die Wissenschaftler. Alles allerdings unter lebenslanger Medikamentierung, mit starken Nebenwirkungen.

Dieser Fall ist bislang weltweit einzigartig. Finger, Ohrmuscheln, Herzen, Lungen, Nieren oder auch ganze Unterarme haben schon des öfteren erfolgreich ihren „Träger“ gewechselt. Das Gesicht jedoch ist etwas anderes als nur ein Körperorgan oder ein „Anhängsel“ wie die Ohrmuschel. Das Gesicht ist Ausdruck des Menschen, spiegelt seine Freude oder seinen Kummer wieder, zeigt sein Interesse, ist damit ein Mittel der nonverbalen Kommunikation und gibt dem Menschen seine Individualität.

Medizinethiker haben sich über den Drang zur ästhetischen Veränderung des Gesichtes des öfteren mehr kritisch als positiv geäußert (siehe auch zm 10/06, über den zm-Leserservice erhältlich). Nun ist es aber unbedingt nötig, Patienten, die nach Traumata oder Tumoroperationen „ihr Gesicht verloren“ haben, nicht nur funktionell, sondern auch lebenswert zu rehabilitieren. In Deutschland haben in den letzten Monaten mehrere Veranstaltungen stattgefunden, auf denen unterschiedliche Operationsverfahren und Methoden vorgestellt wurden. Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, ein Fachgebiet, das seinen Ursprung in den therapeutischen Erfordernissen der Kriegsverletzungen des ersten Weltkrieges hatte, ist heute der qualifizierte Fachbereich, der chirurgische Fähigkeiten, plastisch-rekonstruktive Chirurgie sowie chirurgisch-zahnmedizinisches Know-how miteinander vereinigt, um Operationen dieser Art auch in ästhetisch-chirurgischer Weise erfolgreich zu planen und durchzuführen.

Ostheosynthese

So ist es zum Beispiel heute möglich, Knochenfrakturen im Bereich des Gesichtsschädels mit resorbierbaren Ostheosynthesematerialien so zu versorgen, dass dem Patienten eine zweite Operation erspart bleibt und gleichsam einfacher zu verarbeiten ist. Ebenso werden diese Materialien bei Kindern, die unter einer Kranyosynostenose leiden, erfolgreich eingesetzt, wie Professor Dr. Dr. Uwe Eckelt, Dresden, kürzlich der Presse in Dresden vorstellte. Diese neue Methode verzichtet darauf, dass wie herkömmlich, Knochenersatzmaterialien mit Titanschrauben eingebracht werden, sondern der Knochenersatz wird hierbei mittels eines durch Ultraschall eingebrachten Pins fixiert. Der Pin breitet sich in der Trabekelarchitektur des spongiösen Knochens aus und macht damit eine besonders feste Retention möglich. Diese Methode ist bereits tierexperimentell getestet und zeigt neben einer höheren Stabilität auch eine wesentliche Verkürzung der Operationszeit, was dem Gesamtorganismus des Patienten zugute kommt.

Distraktionsosteosynthese

Auch starke, entstellende Dysgnathien, meistens sind sie genetisch bedingt, können heute durch moderne Operationstechniken zu einem neuen ästhetischen Gesicht führen und für den Patienten zu einer erheblichen Verbesserung seiner Lebensqualität und seiner Psyche beitragen. Professor Dr. Dr. Elmar Esser, Osnabrück, zeigte Beispiele der Mittelgesichtsverlängerung durch Distraktionsosteogenese, sowie Unterkieferverbreiterung, die das Ziehen von überzähligen Zähnen überflüssig macht und gleichzeitig das Gesicht in günstigere Proportionen bringt. So hat die Methode der Distraktionsosteogenese bereits vielerseits in die niedergelassene Praxis Einzug gehalten und dient dem Knochenaufbau zur späteren Implantation. Mit diesem im Vergleich zu anderen Verfahren relativ kleinen Eingriff kann bei Erwachsenen sowie auch schon im Kindesalter minder entwickelter Knochen verlängert, fehlpositionierter Knochen verschoben oder geschrumpfter Kieferknochen wieder aufgebaut werden (siehe oben).

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