Fotografie – ein lukratives Sammelgebiet

Von der Momentaufnahme zur etablierten Kunst

Fasziniert von der Ästhetik der Bilder begeistern sich immer mehr Sammler für das noch ziemlich junge Sammelgebiet der Fotografie. Die Grenzen zwischen Foto und Bildender Kunst verschwimmen. Doch die Preise – bis auf Ausnahmen – sind anders als bei der Malerei auch für sehr gute Qualitäten immer noch attraktiv.

„Seit 500 Jahren sammeln die Menschen Zeichnungen, aber erst seit rund 20 Jahren interessieren sie sich für Fotografie“, beschreibt Christian Pixis vom Auktionshaus Schneider-Henn in München die Situation auf dem Markt. Verweigerten die Organisatoren der Art Cologne Ende der siebziger Jahre den Galeristen die Erlaubnis, auch Fotos zeigen zu dürfen, strotzte die Messe im letzten Herbst nur so von teuren Großformaten.

Einst verboten, heute gefragt

Auf dem internationalen Markt und vor allem in den USA erzielen Fotos heute Höchstpreise wie man sie nur aus der Malerei kennt. Im Frühjahr dieses Jahres fiel der Hammer bei Christie’s in New York für das Foto „The Pond – Moonlight“, 1904 von Edward Steichen aufgenommen, bei sensationellen 2,9 Millionen Dollar. Es zeigt eine Baumreihe, durch die das Mondlicht fällt und sich in einem Teich spiegelt. Abgesehen von der Qualität der Aufnahme bestimmt auch die Seltenheit die Höhe des Preises. Bei diesem Bild handelt es sich um einen von weltweit nur drei existierenden Gummi- und Platinabzügen.

Sensationspreise zahlen aber nur die internationalen Sammler in den USA oder anderen Metropolen. In Deutschland hingegen kosten gute und sehr gute Qualitäten sehr viel weniger. Erlebt die Fotografie weltweit einen Boom, zählt die Gemeinde der Sammler hierzulande erstaunlich wenige Mitglieder. Auktionator Pixis erklärt sich das so: „Fotos hängt man sich nicht unbedingt über das Sofa. Denn es handelt sich ja meist eher um Dokumente. Man verstaut sie wie Zeichnungen in Mappen und holt sie aus der Schublade, um sich daran zu erfreuen.“ Doch die jüngere Generation der Sammler präsentiert ihre Schätze gern ihren Gästen, fügen sie sich doch gut in eine eher unkonventionelle Einrichtung ein. Das gilt besonders für die zeitgenössische Kunstfotografie wie sie beispielsweise Andreas Gursky gestaltet. Für ein Bild des Düsseldorfer Künstlers müssen Interessenten schon tief in die Tasche greifen: Auf internationalen Auktionen erzielen seine Werke bis zu 200 000 Dollar; beim Kölner Auktionshaus van Ham war seine erhabene Landschaft „Klausenpass 1984“ für 13 000 Euro zu haben.

Muße ist ein Muss

Sammler und solche, die es werden wollen, benötigen ein gewisses Maß an Kennerschaft, um sich auf dem komplizierten Gebiet zurecht zu finden. Dazu gehört in erster Linie viel Erfahrung und die erwirbt nur, wer bereit ist, Zeit in Museums- und Galeriebesuche zu investieren.

Einen Schnellkursus per Computer gibt es dafür nicht. Um den Aufbau eines Fotos und die Technik, in der es gemacht wurde, zu verstehen, muss man viel lesen. Ohne die Kenntnisse der Geschichte dieses Mediums lässt sich kein Urteil fällen. Manfred Heiting, ein engagierter Sammler der ersten Stunde, nennt fünf Kriterien, nach denen er ein Foto beurteilt:

1. Die emotionale Begeisterung für ein Bild
2. Name des Fotografen und dessen Stellenwert in der Geschichte
3. Technik und Erhaltungszustand
4. Der Ankaufspreis
5. Bei älteren Fotos sollte zusätzlich ein Nachweis für Qualität und Provenienz vorhanden sein.

Die Fotografie umfasst ein riesiges Gebiet. Sie unterscheidet verschiedene Techniken, Sujets und einen Zeitraum von rund 160 Jahren. Einsteigern, die nicht über unbegrenzte Geldreserven verfügen, fällt es leichter, wenn sie sich auf eine Kategorie beschränken. Gerade die Fotografie bietet gute Chancen, hohe Qualität zu vergleichsweise niedrigen Preisen zu bekommen.

Silberjod in einer Camera Obscura

Wer sich für die Anfänge der Fotografie interessiert, den faszinieren Dagurreotypien. Dieses fotografische Verfahren erfand der französische Maler L. Daguerre 1837: Eine lichtempfindliche Silberjodschicht wurde in einer Camera Obscura längere Zeit belichtet und mit Quecksilberdämpfen sichtbar gemacht. Man erhielt ein positives, seitenverkehrtes Bild. Mit dieser für den Fotografen gesundheitsschädlichen Technik ließen sich Prominente und Familien gerne ablichten. Es existieren aber auch sehr gute Stadt- und Landschaftsansichten. Daguerreotypien kosten je nach Erhaltungszustand, Sujets und künstlerischem Anspruch zwischen 300 und mehreren tausend Euro. Im Unterschied zur späteren Technik erlaubten sie keine Abzüge, so dass alle Dagurreotypien Unikate sind.

Bei späteren Fotos achten erfahrene Sammler darauf, dass sie Vintage Prints kaufen. Dabei handelt es sich um die ersten Abzüge, die der Künstler kurz nach der Aufnahme selbst gemacht hat. Je näher der Abzug am Moment der Aufnahme liegt, desto eher ist gewährleistet, dass die künstlerische Absicht des Fotografen verwirklicht ist und entsprechend hoch ist der Preis.

Experten wie der Auktionator Pixis empfehlen, sich ganz auf Vintage Prints zu konzentrieren. Der Markt dafür ist begrenzt. Schon allein aus Kostengründen – Papier und Chemikalien waren teuer – beschränkten sich die meisten Fotografen auf wenige Abzüge. Die Qualität war nicht immer hervorragend. Denn oft fertigten die Fotografen ihre Bilder in großer Eile an, um rasch die Zeitungsredaktionen zu bedienen. Sie verstanden sich damals nicht als Künstler sondern vielmehr als Berichterstatter.

Die Ästhetik der neuen Sachlichkeit

Fotos wurden aber auch zu dokumentarischen Zwecken angefertigt. So fertigte Karl Blossfeldt, der das Fach „Modellieren nach lebenden Pflanzen“ an der Kunstgewerblichen Lehranstalt in Berlin unterrichtete, Detailfotos von Pflanzen an. Heute zählen beispielsweise seine Ansichten eines Winterschachtelhalms oder einer Farnknospe zu den großen Kunstwerken der Neuen Sachlichkeit. Die strenge Ästhetik der Fotos fasziniert. Die Preise für einen frühen Abzug eines Blossfeldt-Fotos liegen heute bei mehreren 100 000 Euro.

Die Strenge im Bildaufbau zeigt sich bei den Fotografen des Bauhauses. Zu ihnen zählen berühmte Namen Albert Renger-Patzsch oder Paul Wolff. Bei Schneider-Henn in München standen im Juni Vintage-Prints der Beiden für 600 beziehungsweise 700 Euro zum Gebot.

Gute Qualitäten zu niedrigen Preisen

Sehr gute Qualitäten zu niedrigen Preisen können sich angehende Sammler sichern, wenn sie sich auf das Gebiet der „fotoform“ spezialisieren. Der wohl berühmteste Vertreter dieser Gruppe von Fotografen ist Peter Keetman. Sein bekanntestes Bild sind die „Spielgelnden Tropfen“ von 1950. Fotos von ihm werden auf Auktionen zu Schätzpreisen von rund 2 000 bis 6 000 Euro und mehr angeboten. Von hoher Qualität sind auch die Fotos seiner Kollegen Kilian Breier, Toni Schneiders oder Otto Steinert.

Das Angebot in Galerien und auf Auktionen ist riesig. Um angesichts dieser Fülle nicht zu verzweifeln, empfehlen Kenner wie Kasper M. Fleischmann, Inhaber der Zürcher Galerie „Zur Stockeregg“, sich auf ein Thema zu konzentrieren. Das können Landschaftsaufnahmen oder Porträts sein, bestimmte Techniken oder – eher für den gut gefüllten Geldbeutel geeignet – Masterprints, also Photografien großer Meister in sehr guter Druckqualität und exemplarisch für deren Gesamtwerk. Beispiele dafür sind die „Aspen“-Bilder des Amerikaners Ansel Adams, Paul Strands „Wire Wheel“ oder das Picasso-Porträt von Irving Penn. Die Preise für Fotos dieser Künstler beginnen je nach Qualität bei zirka 10 000 Dollar.

Für Schutz vor Schaden sorgen

Damit so teure Schätze keinen Schaden nehmen, empfiehlt Galerist Fleischmann, sie vor Umwelteinflüssen möglichst gut zu schützen. Ein absoluter Faux-pas wäre es, etwa die Oberfläche mit den Fingern zu berühren, denn Hände sind fast immer leicht fettig und feucht. Es können Abdrücke entstehen, die sich kaum mehr entfernen lassen. Als Aufbewahrungsort eignen sich Portfolioboxen.

Sammler, die sich ihre Schätze an die Wände hängen wollen, montieren die Fotos in säurefreie Passepartouts. Wer die empfindlichen Zeitdokumente zusätzlich vor Sonnenlicht schützt, sorgt dafür, dass sie eine ebenso lange Sammeltradition erleben wie Zeichnungen.

INFO

Gute Adressen für den Fotokauf

Galerien:
• Kicken, Lindenstr. 161A, 10115 Berlin, www.kicken-gallery.com
• Reckermann, Albertusstr. 16, 50667 Köln, www.galeriereckermann.com
• Zur Stockeregg, Stockerstr. 33, 8022 Zürich/Schweiz, www.stockeregg.ch

Auktionshäuser:
• Dietrich Schnerder-Henn, Galeriestr. 2b, 80539 München, www.schneider-henn.de
• Kunsthaus Lempertz, Neumarkt 3, 50667 Köln, www.lempertz.com
• Van Ham, Schönhauser Str. 10 – 16, 50968 Köln, www.van-ham.com
• Villa Grisebach, Fasanenstr. 25, 10719 Berlin, www.villa-grisebach.de

zm-Index

Stichwort: Print

Later Print: Abzüge, die noch zu Lebzeiten des Fotografen aber lange nach Entstehen des Negativs gemacht werden.
Modern Print: Dieser Abzug ist erst nach dem Tod des Künstlers aber durch eine von ihm autorisierte Person entstanden.
Original: Dabei handelt es sich um Abzüge, die vom Fotografen selbst gemacht und signiert wurden.
Reprint: Das ist ein Abzug vom ursprünglichen Negativ, der aber nicht vom Fotografen stammt.
Vintage Print: Vintage heißt wörtlich: Weinlese, Jahrgang. Diese Abzüge hat der Künstler unmittelbar nach der Entstehung des Fotos selbst gemacht, spätestens zehn Jahre danach. Er hat sie selbst signiert, datiert und gestempelt.

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