Elektromagnetische Felder

Total verstrahlt

Handys, schnurlose Telefone, Mikrowellen – Geräte, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Wir benutzen sie jeden Tag. Und jedes Mal geben sie dabei elektro-magnetische Strahlung ab. Eine Gefahr für unsere Gesundheit? Sind wir total verstrahlt?

Egal, ob im Urlaub in Italien oder beim Wandern in den Alpen, mit dem Handy ist man heute überall erreichbar. Eine SMS vom Gipfel an die Lieben zuhause – kein Problem. Ein dichtes Mobilfunknetz macht’s möglich. In Deutschland gibt es laut der Bundesnetzagentur etwa 70 000 Sendemasten.

Zahlen wie diese lassen jedoch bei vielen Bedenken aufkommen. Wie eine Umfrage des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) aus dem Jahr 2005 ergab, fürchtet ein Drittel aller Deutschen, dass von den Basisstationen Gesundheitsrisiken ausgehen. Jeder Zehnte fühlt sich sogar gesundheitlich beeinträchtigt und klagt über Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Analysen des BfS im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF) haben hingegen ergeben: Die Belastung der Bevölkerung durch den Mobilfunk allein liegt generell unter den geltenden Grenzwerten. Auch die von der WHO getragene Interphone-Studie, die die Folgen des Mobiltelefonierens in 13 Ländern untersucht, gibt Entwarnung. Gut zu wissen, denn die Zahl der Handys in Deutschland nimmt ständig zu. Bereits jetzt gibt es in Deutschland mit 82,8 Millionen Anschlüssen – diese Zahl gab der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) Anfang August bekannt – mehr Handys als Einwohner.

Strahlung unvermeidbar

Grundsätzlich gilt: Jedes elektrische Gerät erzeugt elektromagnetische Felder, gibt also Strahlung ab. Wellenlängen von 0 Hertz bis 100 Kilohertz gehören zum niederfrequenten (NF), von 100 Kilohertz bis 300 Gigahertz zum hochfrequenten (HF) Bereich. Alles, was darüber liegt, wird als optische Strahlung bezeichnet und tritt in Form von sichtbarem Infrarot- oder UV-Licht auf. NF-Strahlung entsteht überall dort, wo Strom erzeugt oder transportiert wird.

HF-Strahlung geht vor allem von Handys und schnurlosen, sogenannten DECT-Telefonen aus. Im Gegensatz zur NF-Strahlung lösen HF-Wellen einen thermischen Effekt aus, das heißt sie erwärmen das Gewebe. „Durch die Strahlen geraten die Wassermoleküle im Organismus stärker in Bewegung und stoßen häufiger aneinander. Die entstehende Reibungsenergie wird in Form von Wärme abgegeben“, erklärt Arthur Junkert, Pressesprecher des BfS. Bis zu einem Grad Celsius sei die Erhöhung der Temperatur gesundheitlich unbedenklich, fügt er hinzu. Als Kontrollmaß für die Einwirkung elektromagnetischer Felder auf biologisches Gewebe dient die Spezifische Absorptionsrate (SAR). Der SAR-Wert gibt die Leistung an, mit der ein Mobiltelefon bei maximaler Sendeleistung in den Körper einstrahlt. Gemessen wird er in Watt pro Kilogramm (W/kg). Bei jedem Handykauf sollte man diesen Wert überprüfen. Je niedriger er liegt, desto besser. Generell gelten Geräte als unbedenklich, die mit weniger als 2 W/kg auf den Körper einstrahlen.

Widersprüchliche Studien

Vielen Wissenschaftlern will das Wort „unbedenklich“ im Zusammenhang mit HF-Einwirkung durch Handys, schnurlose Telefone und Haushaltsgeräte allerdings nicht über die Lippen kommen. Sie befürchten, dass neben Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit auch kanzerogene Gefahren bestehen. Die Naila-Mobilfunkstudie ist ein Beispiel (Umwelt-Medizin-Gesellschaft 2004 (4), 326-332). Darin hat eine Gruppe von Ärzten aus der nordbayerischen Stadt Naila Krebsfälle in der Umgebung von Mobilfunkmasten statistisch ausgewertet. Ergebnis: Im Nahbereich einer Basisstation bestand eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für Neuerkrankungen. Kritiker werfen der Forschergruppe aber vor, die Studie sei aufgrund der geringen Fallzahlen – 34 signifikante Fälle wurden ermittelt – nicht repräsentativ. Außerdem lasse sie andere Risikofaktoren, wie das Rauchen, unberücksichtigt und nehme für die einzelnen Patienten keine individuelle Messung der Strahlenexposition vor. Personen im Nahbereich der Basisstation würden als „exponiert“ betrachtet.

Dennoch: Befunde wie dieser müssten ernst genommen werden, kommentierte das BfS die Studie aus Nordbayern. Um den Mobilfunkbereich auf mögliche Gesundheitsrisiken abzuklopfen, will das BfS sein umfangreiches Forschungsprogramm nach eigenen Angaben fortsetzen und bis spätestens Anfang 2007 noch offene Fragen klären. Weiße Flecken auf der Karte müssten aber nicht mehr erforscht werden, versichert Junkert. „Wir erwarten vielmehr detailliertere Erkenntnisse zu einzelnen Gesundheitsbeschwerden wie Schlafstörungen.“

Risiken verringern

Vorsorge zu betreiben, kann laut den Experten des BfS jedoch nicht schaden. Sie raten Verbrauchern daher, die nieder- und hochfrequenten elektromagnetischen Felder in ihrer Umgebung zu verringern. Ein paar einfache Maßnahmen helfen dabei. Für alle Geräte gilt:

Abstand halten

Die Intensität sowohl niederfrequenter als auch hochfrequenter Strahlung nimmt in der Regel ab, wenn man den Abstand zu ihrer Quelle vergrößert. Es empfiehlt sich zum Beispiel, netzbetriebene Radiowecker nicht direkt neben dem Kopf anzuschließen und Babyfone möglichst weit weg vom Kind aufzustellen.

Unnötige Quellen abschalten

Stichwort Standby-Betrieb: In vielen Fällen bleiben Geräte auch dann eingeschaltet, wenn sie gerade nicht benutzt werden. Dadurch wird nicht nur Strom verschwendet, sondern es entsteht auch unnötige Strahlung.

Die hochfrequenten elektromagnetischen Felder, die beim Telefonieren mit Handys entstehen, sind nach BfS-Angaben sehr viel stärker als die Felder, denen man zum Beispiel durch benachbarte Mobilfunksendeanlagen ausgesetzt ist. Handynutzer haben verschiedene Möglichkeiten, sich zu schützen:

Alternativen nutzen

Strahlung lässt sich verringern, indem man Telefonate mit dem Handy kurz hält. Zwei gute Alternativen zum Mobilfunk sind außerdem die Nutzung des Festnetzes oder die SMS.

Nur bei gutem Empfang

Es empfiehlt sich, bei schlechtem Empfang auf das Handy zu verzichten. Denn die Leistung, mit der das Mobiltelefon sendet, richtet sich danach, wie gut die Verbindung zur nächsten Basisstation ist. Anrufe aus dem Auto vermeidet man besser, denn Autokarosserien verschlechtern die Verbindung und das Handy muss mit einer höheren Leistung senden.

Den Kopf schonen

Beim Kauf eines neuen Handys ist es ratsam, auf einen niedrigen SAR-Wert zu achten, damit der Kopf einer möglichst geringen Strahlung ausgesetzt ist. Der Wert lässt sich weiter verringern, wenn man beim Telefonieren ein Head-Set verwendet und so den Abstand zur Sendeantenne verringert.

Das Herz schützen

Mobilfunkgeräte können die Funktion von Herzschrittmachern beeinflussen. Deshalb sollte zwischen den Antennen der Handys und dem Herzschrittmacher ein Mindestabstand von etwa 20 cm eingehalten werden. Schrittmacherträger können also mit Handys telefonieren, sollten sie jedoch nicht in der Brusttasche aufbewahren. Bei schnurlosen Telefonen ist auch bei geringerem Abstand als 20 cm zwischen Antenne und Herzschrittmacher keine Gefährdung zu erwarten.

Verbindungsaufbau abwarten

Während des Verbindungsaufbaus sendet das Handy mit maximaler Leistung. Tipp: Das Freizeichen nicht mit dem Handy am Ohr abwarten.

DECT-Telefone

Anders als Mobiltelefone senden bei schnurlosen Telefonen Basisstation und Mobilteil immer mit der gleichen Leistung. Ein Daueraufenthalt in unmittelbarer Nähe zur Basisstation lässt sich umgehen, indem man für das Gerät einen Standort abseits von Kinder- und Schlafzimmer oder Schreibtisch sucht.

zm-Info

Links zum Thema

• Allgemeine Infos:

www.bfs.de

www.bundesnetzagentur.de

• Informationszentrum Mobilfunk:

www.izmf.de

• Deutsches Mobilfunk Forschungsprogramm:

www.emf-forschungsprogramm.de

• Interphone-Studie:

www.uni-bielefeld.de

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