Stellungnahme der DGZMK

Die Wurzelkanalspülung

Gemeinsame Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ)

Die Wurzelkanalspulung stellt einen integralen Bestandteil der chemo-mechanischen Wurzelkanalpraparation dar.

Ziele der Wurzelkanalspülung

1. Reduktion der Keime und bakteriellen Toxine im Wurzelkanalsystem

2. Auflosung und Entfernung von Resten des Pulpagewebes

3. Unterstutzung der mechanischen Aufbereitung und Abtransport von Dentinspanen

Anforderungen an Spüllösungen

1. Desinfektionswirkung

2. Biologische Vertraglichkeit

3. Gewebeauflosende Wirkung

4. Einfache Applizierbarkeit

Spüllösungen zur Desinfektion

Die antimikrobielle Wirkung einer Spullosung steigt in Abhangigkeit von der Applikationsmenge, der Applikationsdauer, der Konzentration und der Temperatur. Die Spulwirkung ist nur effektiv, wenn die Aufbereitung ein Vordringen der Spulkanule in apikale Bereiche erlaubt. Daher ist es empfehlenswert, entsprechend weit aufzubereiten und dunne Kanulen (O 300-400 μm) zu verwenden, die ohne Friktion bis etwa 4 bis 5 mm vor den apikalen Aufbereitungsendpunkt eingebracht werden konnen. Ein Verklemmen der Kanule im Wurzelkanal ist zu vermeiden, da es zur Uberpressung der Spullosung in apikale Gewebe und damit zu Gewebedestruktionen und starken Schmerzen kommen kann.

Eine Aktivierung der Spullosung, zum Beispiel durch Ultraschall, ist von Vorteil

[1]. In infizierten Kanalen ist eine ausreichend lange Einwirkung zur Auflosung des Biofilms angeraten [2].

Natriumhypochlorit gilt in einer Konzentration zwischen 0,5 Prozent und 5 Prozent als Spullosung der ersten Wahl. Es weist folgende Eigenschaften auf:

a. sehr gute antimikrobielle Wirkung auf die Mehrzahl der endodontisch relevanten Keime bei geringer Toxizitat,

b. die Fahigkeit, nekrotisches, aber auch vitales Gewebe aufzulosen [3] und

c. die Fahigkeit, Lipopolysaccharide zu neutralisieren [4].

Die gewebeauflosende Wirkung von NaOCl steigt in Abhangigkeit von der Applikationsmenge, der Applikationsdauer, der Konzentration und der Temperatur der Losung [5, 6].

Da die NaOCl-Losung bei hoheren Temperaturen rasch zerfallt, sollte eine Erwarmung erst unmittelbar vor oder wahrend der Anwendung stattfinden [6]. Bei der Lagerung ist darauf zu achten, dass NaOCl dunkel und kuhl aufbewahrt wird.

2. Chlorhexidindigluconat (CHX) Es zeigt in Konzentrationen zwischen 0,2 bis 2 Prozent ebenso wie NaOCl eine sehr gute antimikrobielle Wirkung bei guter Biovertraglichkeit [7].

Es wirkt nicht gewebeauflosend und kann Endotoxine (LPS) nicht neutralisieren. Die Spulung mit CHX ist als Zusatzspulung zu verstehen, ihre Vorteile liegen in ihrer Substantivitat am Dentin [8] sowie in der besonders guten Wirkung gegen grampositive Keime [9] (zum Beispiel Enterokokken) und Fungi, die sich vermehrt in Revisionsfallen finden und gegen NaOCl und/oder Ca(OH)2 resistent sein konnen.

Bei CHX-Spulung vor oder nach NaOCl- Spulung kann es zum Ausfallen von CHXKristallen im Wurzelkanal kommen.

3. Wasserstoffperoxid (H2O2)

H2O2 (3 bis 5 Prozent) verfugt kaum uber eine antimikrobielle Wirkung [10]. Die Wechselspulung von NaOCl mit H2O2 ist nicht sinnvoll, da sowohl die antimikrobielle als auch die gewebeauflosende Wirkung des NaOCl durch gegenseitige Neutralisation (H2O2 + NaOCl -> H2O + NaCl + O2) stark reduziert wird.

4. Phenolhaltige und formaldehydhaltige Substanzen

Aus heutiger Sicht sind Spulungen mit phenol- und formaldehydhaltigen Substanzen nicht indiziert. Sie mussen als unspezifisch toxisch bezeichnet werden [11], das heist, sie sind auch fur gesundes korpereigenes Gewebe toxisch.

Sie konnen periapikale Entzundungen hervorrufen, unter anderem auch wegen ihrer raschen Diffusion in Bereiche jenseits des Wurzelkanals, die auch in einer kurzen Wirkdauer dieser Substanzen resultieren [12,13] (siehe auch Stellungnahme der DGZMK und der ESE) [14,15].

5. Jod-Jod-Kali-Lösung (IKI)

IKI zeigt sehr gute antimikrobielle Eigenschaften bei geringer Toxizitat und ist als Zusatzspulung in Revisionsfallen empfehlenswert [11]. Es darf nicht bei Patienten mit Jod-Allergie verwendet werden.

Spüllösung zur Entfernung der Schmierschicht

Bei der mechanischen Aufbereitung des Wurzelkanals entsteht an den bearbeiteten Kanalabschnitten eine Schmierschicht (Smear layer) aus Dentin, Pulparesten und Bakterien, die die Dentintubuli verblockt.

1. Editinsäure (EDTA)

EDTA verfugt uber masige antimikrobielle Eigenschaften und wird in der Regel in einer Konzentration bis 15 Prozent zur Entfernung der Schmierschicht verwendet. Nach EDTA-Applikation wird ein Nachspulen mit Natriumhypochlorit empfohlen [16].

2. Zitronensäure

Zitronensaure wird ebenfalls zur Entfernung der Schmierschicht verwendet. In hoheren Konzentrationen (bis zu 30 Prozent) wird jedoch nicht nur die Schmierschicht aufgelost, sondern es werden auch Teile des peritubularen Dentins angegriffen.

Spüllösung zur Trocknung des Kanals

Alkohol

Alkohol weist ungenugende antimikrobielle Eigenschaften auf, kann jedoch bei Applikation unmittelbar vor der Wurzelkanalfullung zur Trocknung des Kanals herangezogen werden.

AG Endodontologie und Traumatologie der DGZ
(C. Barthel, M. Georgi, E. Schäfer,
A. Petschelt, S. Flachsenberg, T. Neuber,
C. Kockapan, R. Weiger, M. Hülsmann)

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