Onkologie

Neuere Krebsmedikamente in Europa unterschiedlich zugänglich

In Europa müssen Krebspatienten sehr unterschiedlich lange warten, bis sie Zugang zu neueren Krebsmedikamenten erhalten. Dies gilt selbst dann, wenn die neuen Medikamente eine zuvor bestehende therapeutische Lücke schließen. Deutschland ist im europäischen Vergleich Mittelmaß.

Prof. Nils Wilking vom Stockholmer Karolinska Institutet stellte Ende Juni dieses Jahres vor der Fachpresse in Köln eine Studie vor, die er zusammen mit Prof. Bengt Jönsson von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Stockholm durchgeführt hatte. In dieser Studie wurde für alle europäischen Länder, die derartige Daten zur Verfügung stellen, die alterskorrigierte Inzidenz von bestimmten Tumorerkrankungen sowie ihre Mortalität mit der Verfügbarkeit der in dieser Indikation zugelassenen Krebsmedikamente verglichen. Als repräsentative Tumorarten wurden das Mammakarzinom, das kolorektale Karzinom und der Lungenkrebs (speziell das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom, NSCLC) sowie als weitere Tumorarten das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), die chronisch-myeloische Leukämie (CML) und die supportive Therapie bei Knochenmetastasen erfasst – sämtlich Tumorarten, bei denen durch die Einführung neuer Medikamente während der letzten 50 Jahre die Mortalität trotz steigender Inzidenz verringert werden konnte. Die einzige Ausnahme bildet hier das Bronchialkarzinom bei Frauen, das wegen der inzwischen höheren Zahl an Raucherinnen eine steigende Mortalität verzeichnet.

Die Studie untersuchte auch, welche Forschungsausgaben in den einzelnen Ländern verfügbar sind, wie lange das nationale Zulassungsverfahren dauert und welche Rolle die finanziellen Erwägungen der Leistungsträger bei der Verfügbarkeit von Innovationen spielen – alles Punkte, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll, auch wenn es bisweilen wundert, wie aktiv „ärmere“ Länder für ihre Patienten sorgen (Beispiel Spanien), wohingegen „reichere“ Länder, wie Norwegen, sehr wenig tun. Einen groben Überblick gibt die Abbildung, die zeigt, dass Deutschland weit hinter Österreich, Schweiz und Spanien nur im Mittelfeld rangiert.

Dr. Till Uwe Keil
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