15. Zahnärztetag in Mecklenburg-Vorpommern

Zentralisierung schafft Nachteile

Implantologie als fortschrittliches Generalthema, eine extrem hohe Beteiligung der Fortbildungsteilnehmer, aber immer dunklere Wolken am gesundheitspolitischen Horizont: Der 15. Zahnärztetag Mecklenburg-Vorpommerns (1. bis 3. September) in Warnemünde zeigte, was Zahnmediziner und Patienten können und wollen, falsche Bundespolitik aber wieder in Frage stellt.

„Die politische Tendenz in Berlin zur Zentralisierung im Gesundheitswesen ist aus Sicht unseres Bundeslandes nicht akzeptabel“, stellte BZÄK-Vize- und Mecklenburg-Vorpommerns Zahnärztekammerpräsident Dr. Dietmar Oesterreich fest und warnte vor falschen Schritten in der Reformpolitik der großen Koalition: „Wenn alle Entscheidungsstrukturen zentralisiert werden, ist zu befürchten, dass Landessituationen nicht ausreichend berücksichtigt werden.“ Den Patienten selbst interessiere nicht vorrangig, „wie teuer er ist, sondern was er bekommt“, mahnte Oesterreich mit Blick auf die vorrangig ökonomische Betrachtungsweise der Problematik im Gesundheitswesen.

Exemplarisch zeige sich die Einstellung der Deutschen zum medizinischen Fortschritt im Bereich der Implantologie. „Gut eine halbe Million Implantate“ setzten Deutschlands Zahnärzte inzwischen pro Jahr, erklärte der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Wolfgang Sümnig, Greifswald, auf der auch in diesem Jahr mit über 500 Zahnärzten und über 400 Mitarbeiterinnen voll ausgebuchten Fortbildungsveranstaltung.

Ein Beispiel für Fortschritt

Auf der vorgeschalteten Pressekonferenz verdeutlichten Sümnig und Oesterreich den Beweggrund für das diesjährige Fortbildungsthema: Der Zahnarzt müsse in der Implantologie „ausführlich planen, modernste Methoden der Röntgendiagnostik einsetzen, Fehler vermeiden, Risikofaktoren rechtzeitig beseitigen und eine kontinuierliche und regelgerechte Vor- und Nachsorge“ ermöglichen. Ein Abriss, dem das dreitägige Fortbildungsprogramm mit Vorträgen der Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet gerecht wurde. Fortschritte in Wissenschaft, Forschung und Praxis und die daraus resultierenden therapeutischen Möglichkeiten derartiger Bereiche in der zahnärztlichen Praxis hätten in den letzten Jahren, so DGZMK-Präsident Prof. Dr. Dr. Georg Meyer in seiner Grußansprache, dazu beigetragen, dass sich der Beruf zunehmend interdisziplinär, eigentlich vom „Zahnarzt“ zum „Arzt für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde“ entwickelt habe.

Das Warnemünder Fortbildungsprogramm bot, so Prof. Sümnig in seiner Einführung, ein breit gefächertes Themenspektrum „von der Patientenaufklärung bis zu Recall oder Periimplantitis“.

Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner, Mainz, forderte die Fortbildungsteilnehmer dazu auf, in der Implantologie sehr dezidiert „am Detail“ zu arbeiten: „Wenn es nicht gelingt, die Prognose von 95 Prozent zu verbessern, dann wird es uns immerhin gelingen, die Situation des Patienten im Detail zu verbessern.“ Auch Wagner appellierte an das Selbstbewusstsein der Kollegen, als Zahnärzte vermehrt „Ihren medizinischen Verstand“ zu nutzen.

Hohe Aufmerksamkeit erzielte Prof. Dr. Heiner Weber, Tübingen, mit seinem mutigen und ausnehmend unterhaltsamen Vortragsansatz, Komplikationen und Fehlschläge in der Implantologie anhand eigener Arbeiten zu erläutern.

Doch während wissenschaftlicher Fortschritt und dezidierter Fortbildungswille in der zahnärztlichen Versorgung weiter voranschreiten, setzen die aktuellen Vorhaben in der Gesundheitsreform immer engere Schranken. In einer nüchternen Bestandsaufnahme zeigte Oesterreich im berufspolitischen Teil die gegenwärtig von der großen Koalition in Berlin aufgestellten Pläne mit ihren breit gefächerten Reglementierungen für Deutschlands Zahnärzteschaft auf. Besonderes Augenmerk legten die Veranstalter auf die Auslegung der praktischen Konsequenzen aus den Hygiene- Empfehlungen des RKI. Nach Vorträgen des BZÄK-Referenten und sächsischen ZÄK-Präsidenten Dr. Joachim Lüddecke und dem ZÄK-Referenten Dipl.-Stom. Holger Donath standen die Fachleute spezifischen Fragen des Plenums Rede und Antwort.

Mecklenburg-Vorpommerns Zahnärzte zeigten, dass sie bereit sind, in die Versorgung, Kraft und Know-how für die Versorgung zu investieren. Ein Pendant auf Seiten der Politik wurde, so der Eindruck in Warnemünde, hingegen in Frage gestellt.


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