Preisverleihung – Apollonia zu Münster

Berliner Obdachlosenpraxis hat den Preis verdient

Anlässlich einer außergewöhnlichen Feierstunde hat die Landeszahnärztekammer Westfalen-Lippe den Apollonia-Preis an die Berliner Zahnärztin Kirsten Falk verliehen. Damit sollte nicht nur ihre, sondern auch die Arbeit des ganzen Teams, das zum größten Teil ehrenamtlich obdachlose Mitbürgerzahnärztlich versorgt und ihnen auch ein Ohr für ihre Probleme bietet und entsprechend ihrer Nöte weiterhilft, geehrt und dafür gedankt werden.

Im Rahmen eines feierlichen Festaktes im Hause des Berliner Versorgungswerks Zahnärzte und am Sitz der Bundeszahnärztekammer wurde mit geladenen Gästen die Übergabe des diesjährigen Apollonia-Preises begangen. Nach den Vorjahrespreisträgern, herausragenden Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens, wie Professor. Dr. Dr. Karl Kardinal Lehmann und Professor Dr. Roman Herzog, hatte der Vorstand der Stiftung „Apollonia zu Münster“ dieses Mal eine Berliner Zahnärztin als preiswürdig erachtet, wie der Stiftungsvorsitzende Dr. Walter Dieckhoff, in seiner Festrede erläuterte. Die Stiftungsstatuten, die unter Gründungsinitiative von Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, heute Präsident der BZÄK, erstellt wurden, sehen für den Preis Personen vor, die sich in entscheidender Vorbildfunktion für die Belange von Hilfsbedürftigen einsetzen.

Kirsten Falk, 39 Jahre alt und Mutter einer heute sechsjährigen Tochter, ist niedergelassene Zahnärztin in Berlin Lichtenberg. Bereits in den Jahren 1998/1999 begann sie, sich für Menschen zu interessieren, die am Rande der Gesellschaft stehen. In ihrem Bezirk traf sie viele davon an, nur kamen sie nicht zu ihr in die Praxis. Also nahm die junge Frau damals Kontakt zu einer Obdachlosenhilfe-Organisation (MUT) auf und bot ihre Hilfe an. Dann ging alles ganz schnell. Mit ihrem bescheidenen Wesen aber starken Durchsetzungswillen überzeugte sie nicht nur die Ämter und ärztlichen Kollegen der MUT, sondern auch die Zahnärztekammer Berlin und ihren Ehemann. Denn was nun kam, lag auf der Hand: Alle Freizeit verbrachte Kirsten Falk damit, eine Zahnarztpraxis einzurichten. Und das ausschließlich aus Spendengeldern und Sachspenden. Unterstützt durch Privatpersonen, die durch Presseveröffentlichungen auf das Projekt aufmerksam wurden, viele Sachspenden von Zahnärzten und Verbrauchsmaterialien sowie Gerätespenden von Dentalfirmen gelang es ihr schließlich, einen Behandlungsstuhl und das nötige Drumherum, wie Röntgengerät und mehr, in Betrieb zu nehmen. Da die Praxis in den Räumen einer Obdachlosen-Suppenküche direkt am Bahnhof Lichtenberg untergebracht ist, war schon mal gewährleistet, dass die Patienten auch kamen. Zuerst zum Essen, dann, wenn sie das wichtigste Bedürfnis gestillt hatten, auch zum Duschen, Kleiderwechsel und schließlich zum Gespräch mit dem Sozialpersonal sowie dem Allgemeinmediziner. Wenn ein zahnärztliches Problem bekannt wurde, trat Falk auf den Plan, und war es nicht ihr „Bohrtag“, dann einer ihrer vielen ehrenamtlich tätigen zahnärztlichen Kollegen und das Praxispersonal. Bis heute kann die Praxis, die inzwischen auch einen Ableger am Ostbahnhof bekommen hat, auf 12 000 Konsultationen zurückblicken und auf viele Patienten, die durch den Einsatz des zahnärztlichen MUT-Teams den Weg zurück in ein normales Leben gefunden haben. Denn ohne Zähne beziehungsweise Zahnersatz ist das heute so gut wie ausgeschlossen.

Zum heutigen zahnärztlichen Team gehören die Preisträgerin, der ehemalige Berliner Kammerpräsident Dr. Christian Bolstorff und ein neuer Kollege, der nach vielen Verhandlungen mit dem Senat mit einem 30-Stunden-Vertrag über einen Sonderfonds finanziert wird. sp

 

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