Editorial

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

seit 1988 ist der 1. Dezember „Welt-Aids-Tag“. Es ist ein Tag, an dem wir aufgerufen werden, Verantwortung „für uns selbst und andere“ zu übernehmen. Absolut selbstverständlich? Man sollte davon ausgehen, dass aufgeklärte Menschen dieser Gesellschaft das so sehen.

Die aktuelle Statistik (Stand 2005) spricht allerdings eine andere Sprache: Seit der Erstbeschreibung von HIV und Aids vor 25 Jahren und den in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten erzielten Erfolgen in der Vorsorge steigen inzwischen auch in Deutschland wieder die Zahlen der Neuinfektionen. Aufklärung tut not. Der Schutz vor AIDS ist Daueraufgabe, weil es Heilung nach wie vor nicht gibt.

In den Ohren klingeln dürfte Vielen noch der 1992 in Florida zu weltweit traurigem Ruhm gelangte Zahnarzt, der in seiner Praxis sechs Patienten infizierte. Dieser Fall – vor allem seine aufgeregte Diskussion in den Medien – zeigte damals dem Berufsstand hautnah, wie schwer Sachargumente gegen eine hysteriegetriebene Medienlawine ankommen.

Wo Angst im Spiel ist – und das ist bei lebensbedrohenden epidemischen Umständen der Fall – hat Sachverstand nur eine Chance, wenn er konsequent, auffällig und allgegenwärtig kommuniziert wird. Hier hat sich die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung mit ihren ungewöhnlichen Kampagnen sicherlich manches Lob verdient.

Verantwortlichkeit in Sachen HIV und AIDS heißt aber nicht nur Schutz vor AIDS, sondern Rückhalt für diejenigen, die erkrankt sind. Logischerweise medizinisch, aber vor allem auch emotional. Ausgrenzung ist – das müssten die zurückliegenden Erfahrungen mit HIV und AIDS gelehrt haben – weder sachlich begründbar, noch wäre es ein sinnvoller Beitrag zum Schutz der Menschen gegen AIDS.

Wichtig ist auch, dass diese Anstrengungen nicht vor der eigenen Haustür aufhören. Diese Verantwortung ist – bei weltweit geschätzten rund 40 Millionen Infizierten – eine globale Aufgabe. Verantwortung heißt nicht nur Schutz für uns und unsere Nächsten, sondern Aufklärung für Ahnungslose und vor allem Hilfe für Erkrankte in anderen Teilen der Welt. Und das nicht nur am Welt-Aids-Tag.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur