Zweitmeinung: Gespräch mit Verbraucherzentralen in Berlin

Lotsen für den Zahnersatz

Mit Etablierung des Festzuschusssystems im Zahnersatz und dem damit gestiegenen Beratungsbedarf der Patienten haben Zahnärztekammern, KZVen und Verbraucherberater die Aufgabe, die Patientenberatung neu zu koordinieren. In Berlin führten Vertreter aus Zahnärzteschaft und Verbraucherzentralen Gespräche über Ziele und Modellprojekte einer verbesserten Zusammenarbeit.

Für Deutschlands Zahnärzteschaft hatte die Einführungsphase des Festzuschusssystems im Bereich Zahnersatz – neben den bekannten Vorteilen, die die Systematik für Patienten und Praxen schafft – einen zusätzlich interessanten Begleiteffekt: „Heute sind wir Zahnärzte hinsichtlich unserer Beratungsaufgaben weit besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren.“ So die Einschätzung von KZBV-Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Eßer anlässlich des Koordinierungsgespräches im Berliner KZBV-Büro (24. Oktober 2006), an dem neben BZÄK-Vizepräsident Dr. Dietmar Oesterreich und Vorständen mehrerer Länder-KZVen auch Vertreter der Verbraucherzentralen Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen teilnahmen.

Die Erfahrungen dieser Einführungsphase wollen die Fachleute nutzen, bereits erfolgreich praktizierte gemeinschaftliche Beratungsmodelle als Orientierungsbeispiele für andere Teile der Republik anzubieten. Einig zeigten sich Verbraucherberater und Zahnärztevertreter, dass in allen Projekten die medizinische Beratungskompetenz bei den Zahnärzten, die juristische primär bei den Verbraucherzentralen liegen muss.

Auf zahnärztlicher Seite, so Eßer, liege die Zuständigkeit der KZVen im Rechtsrahmen des SGB V, die in den Bereichen privater Art bei den Kammern. BZÄK-Vize Oesterreich verwies auf die in einzelnen Regionen Deutschlands schon umgesetzte Zusammenarbeit zwischen Kammern, KZVen und Verbraucherzentralen in angestammten Patientenberatungsstellen. Mit dem von KZBV und BZÄK gemeinsam verabschiedeten Papier zur „Patientenberatung im zahnärztlichen Bereich“ sei zudem eine gute Plattform für das gemeinsame Vorgehen geschaffen.

Die Patienten wollen sich mehr leisten

Die Verbraucherberater begrüßten, dass mit dem Festzuschusssystem der Patient „ein Stück mehr Kunde“ geworden ist. Dörte Elß von der Verbraucherzentrale Berlin: „Die Informationsbreite durch Medien und Zahnärzte ist größer geworden.“ Die seit Jahren mit der Berliner Zahnärzteschaft kooperierende Verbraucherzentrale registriere ein verändertes Patientenverhalten, zum Beispiel Finanzierungswünsche für kostspieligeren Zahnersatz. „Manche Patienten wollen sich auch Besseres leisten“, stellte Dörte Elß fest.

Als sinnvoll erachten Zahnärzteschaft wie Verbraucherberater, dass die von den Patienten jeweils in Anspruch genommene Erstanlaufstelle sich als Lotse für den weiteren Beratungsverlauf verstehen soll. Eßer: „Hier haben wir alle eine wegweisende Funktion.“ Wenig Rückhalt seitens der zahnärztlichen Vertreter fand der Vorschlag der Verbraucherberater, die gesamte Bandbreite der Beratung an einem Ort zu etablieren. Vielmehr plädierten die Zahnärzte für eine größtmögliche Flexibilität in der Durchführung, wenn auch auf Basis der bisher erfolgreichen Modelle, die von Land zu Land zwar an den Grundsätzen der Kammern und KZVen ausgerichtet, in der Umsetzung allerdings durchaus unterschiedlich sind. Dr. Stefan Etgeton vom Verbraucherzentrale Bundesverband plädierte dafür, eine logistisch vernünftige Navigation im Beratungsprozess zu erarbeiten.

Abschlägig beurteilten die Zahnärzte das Ansinnen der Verbraucherzentralen, im Rahmen des Beratungsprozesses eine umfassende, „wirkliche“ zweite Meinung zu implementieren. Das „Zweitmeinungsmodell“ könne die klassisch zahnmedizinische zweite Meinung nicht ersetzen. Oesterreich: „Eine zweite Diagnostik kann nur unter klinischen Bedingungen durchgeführt werden.“ „Schon aus Gründen des Patientenschutzes kann das gemeinsam angestrebte System nur beraten und Entscheidungshilfe bieten.“

Perspektivisch wurde angeregt, die weitere Optimierung der Zusammenarbeit auch durch einen gemeinsam erstellten Fragebogen für die Patienten zu unterstützen. Das Patienten-Feedback soll zur späteren Verfeinerung der Abläufe eingesetzt werden.