Praxisgründung 2005

Ideeller Wert der Zahnarztpraxen gesunken

Seit 1984 analysiert das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) in Kooperation mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank jährlich das zahnärztliche Investitionsverhalten bei der Niederlassung. Der folgende Beitrag dokumentiert die wichtigsten Ergebnisse für das Jahr 2005.

Die Zahl der Zahnärzte, die ihre Praxis aufgaben, verharrte ebenso wie die Zahl der Existenzgründungen im Jahr 2005 auf dem Vorjahresniveau. Knapp 1 630 Zahnärzte schieden aus dem Berufsleben aus. Gleichzeitig entschieden sich etwa 1 800 Zahnärzte für den Schritt in die Selbständigkeit.

Die Verteilung zahnärztlicher Existenzgründungen auf die Einzelpraxisneugründung, die Einzelpraxisübernahme und die Gemeinschaftspraxis hat sich in den alten Bundesländern im Vergleich zum Vorjahr merklich verschoben.

Der Anteil der Einzelpraxisneugründungen nahm um 10 Prozentpunkte ab, während der Anteil der Einzelpraxisübernahmen um 6 Prozentpunkte und der Anteil der Gemeinschaftspraxen um 4 Prozentpunkte stieg. In den neuen Bundesländern erhöhte sich der Anteil der Gemeinschaftspraxen gegenüber dem Vorjahr deutlich um 13 Prozentpunkte; der Anteil der Einzelpraxisübernahmen sank hingegen um 15 Prozentpunkte (vgl. Abb. 1).

Unterschiede im Verteilungsmuster

In Westdeutschland war die Übernahme einer Einzelpraxis im Jahr 2005 mit einem Anteil von 51 Prozent nach wie vor die dominierende Niederlassungsform. In Ostdeutschland wählten im Jahr 2005 sogar 67 Prozent der Zahnärzte diese Existenzgründungsform als Start in die Freiberuflichkeit. Gemeinschaftspraxen haben in Ostdeutschland mit einer Quote von 21 Prozent trotz ihrer dynamischen Anteilsentwicklung immer noch eine geringere Bedeutung als in Westdeutschland. Damit waren auch 2005 immer noch deutliche Unterschiede im Verteilungsmuster zwischen Ost- und Westdeutschland erkennbar.

Mitte 30 die eigene Existenz

Das Durchschnittsalter der zahnärztlichen Existenzgründer in Westdeutschland betrug zum Zeitpunkt der Niederlassung 36 Jahre, in Ostdeutschland 35 Jahre. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Altersstruktur sind mittlerweile nahezu nivelliert. Die männlichen Existenzgründer waren im Durchschnitt 36,2 Jahre alt und damit lediglich ein halbes Jahr älter als ihre Kolleginnen. Die gewählte Form der zahnärztlichen Niederlassung variiert je nach Alter des Existenzgründers. In den alten Bundesländern zeigte die Gruppe der jungen Zahnärzte (bis 30 Jahre) mit einem Anteilswert von 34 Prozent vergleichsweise die stärkste Präferenz für die Niederlassungsform der Gemeinschaftspraxis; in der Gruppe der über 40-jährigen Zahnärzte lag der Anteil hingegen bei 29 Prozent. Offensichtlich sehen gerade die jüngeren Zahnärzte in der Kooperation eine gute Möglichkeit, um sich vor dem Hintergrund angespannter gesundheitspolitischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen etablieren zu können. Bei den über 40-jährigen zahnärztlichen Existenzgründern wurden demgegenüber die Einzelpraxisübernahme und die Einzelpraxisneugründung vergleichsweise häufiger präferiert.

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland sind geringer geworden, bestanden aber auch im Jahr 2005 weiter (vgl. Abb. 3). Im Gegensatz zu den alten Bundesländern, in denen 59 Prozent der Existenzgründungen durch Männer und 41 Prozent durch Frauen realisiert wurden, war die Geschlechtsverteilung in den neuen Bundesländern nahezu ausgeglichen. Hier erfolgten 51 Prozent der Existenzgründungen durch Männer und 49 Prozent durch Frauen.

Gegenüber dem Vorjahr fiel der Anteil der weiblichen Existenzgründer in den neuen Bundesländern um 3 Prozentpunkte. In den alten Bundesländern stieg der Anteil der weiblichen Existenzgründer seit dem Jahr 2000 hingegen um insgesamt 10 Prozentpunkte. Mittelfristig ist mit einer Angleichung der Geschlechtsverteilung in den alten und den neuen Bundesländern zu rechnen – bei einem gleichzeitigen Trend hin zu einer „Feminisierung“ des zahnärztlichen Berufsstandes.

Städte bevorzugt

Im Hinblick auf die gewählte Praxislage war in den alten Bundesländern eine Abnahme von Existenzgründungen im ländlichen Umfeld zu erkennen; gegenüber dem Vorjahr sank der Anteilswert von 27 Prozent um 5 Prozentpunkte auf 22 Prozent im Jahr 2005. Demgegenüber konnten die Existenzgründungen in klein- und mittelstädtischen Lagen anteilsmäßig zulegen.

Auch in den neuen Bundesländern nahm der Anteil der Existenzgründungen im ländlichen Raum vergleichsweise am stärksten ab; der Anteil verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozentpunkte auf 36 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Existenzgründungen im kleinstädtischen Umfeld um 6 Prozentpunkte auf 30 Prozent.

Hohe Startkosten

Wie sich diese bemerkenswerten Veränderungen auf die Finanzierungsstrukturen ausgewirkt haben, wird im Folgenden für die alten Bundesländer dargestellt (vgl. Tab. 1 und Tab. 2).

In Westdeutschland ist das Gesamtfinanzierungsvolumen einer Einzelpraxisneugründung im Jahr 2005 erneut gestiegen und lag mit 355 000 Euro etwa 6 Prozent über dem Vorjahreswert (vgl. Abb. 4).

Das Gesamtfinanzierungsvolumen einer Einzelpraxisübernahme stieg zugleich um knapp 4 Prozent auf 264 000 Euro (vgl. Abb. 5). Damit erhöhte sich die Differenz zwischen den beiden Niederlassungsformen hinsichtlich des Gesamtfinanzierungsvolumens um 11 000 Euro auf aktuell 91 000 Euro.

Im Jahr 2005 entfielen 66 Prozent des Finanzierungsvolumens einer Einzelpraxisneugründung auf die medizinisch-technischen Geräte und Einrichtung, 11 Prozent auf die Bau- und Umbaukosten und 23 Prozent auf den Betriebsmittelkredit.

Bei einer Einzelpraxisübernahme wurden im Jahr 2005 durchschnittlich 44 Prozent des Finanzierungsvolumens für den Substanzwert zuzüglich Neuanschaffungen, 29 Prozent für den Goodwill, 4 Prozent für die Bau- und Umbaukosten und 23 Prozent für den Betriebsmittelkredit aufgewendet. Im langfristigen Trend hat sich die Kostenverteilung damit als relativ stabil erwiesen.

Eine nach Alter differenzierte Betrachtung zeigt, dass die jüngeren zahnärztlichen Existenzgründer (bis 30 Jahre) mit einem durchschnittlichen Gesamtfinanzierungsvolumen von 371 000 Euro (2004: 312 000 Euro) für eine Einzelpraxisneugründung am meisten investierten. Mit einem durchschnittlichen Finanzierungsvolumen von 278 000 Euro nahm das finanzielle Engagement der Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen bei einer Einzelpraxisübernahme gegenüber dem Vorjahr um 14 000 Euro beziehungsweise 5 Prozent zu, während die jüngeren Zahnärzte hier im Durchschnitt 259 000 Euro – und somit 15 000 Euro beziehungsweise 5 Prozent weniger als im Vorjahr – aufwendeten.

Die vergleichsweise geringsten Investitionen tätigte die Gruppe der 41-jährigen und älteren Existenzgründer. Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen in dieser Gruppe lag im Jahr 2005 bei durchschnittlich 348 000 Euro (2004: 329 000 Euro) für eine Einzelpraxisneugründung beziehungsweise 224 000 Euro (2004: 213 000 Euro) für eine Einzelpraxisübernahme. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen bezüglich des jeweiligen Finanzierungsvolumens haben sich im Jahr 2005 leicht rückläufig entwickelt.

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Hinblick auf das Investitionsvolumen sind im Jahr 2005 gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben. In die Neugründung beziehungsweise Übernahme einer zahnärztlichen Einzelpraxis investierten Männer durchschnittlich 392 000 Euro (plus 5 Prozent) beziehungsweise 287 000 Euro (plus 5 Prozent). Die Investitionsvolumina weiblicher Zahnärzte bei der Einzelpraxisneugründung stiegen im gleichen Zeitraum um 6 Prozent auf 301 000 Euro. Auch bei der Einzelpraxisübernahme investierten weibliche Existenzgründer mit 238 000 Euro etwa 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Teure Neugründung

Im Hinblick auf die Praxislage erforderte die Einzelpraxisneugründung in einer Mittelstadt im Jahr 2005 die höchsten finanziellen Anstrengungen für die Zahnärzte. Mit 398 000 Euro lag das Finanzierungsvolumen mit einem Plus von 68 000 Euro beziehungsweise 21 Prozent deutlich über dem Vorjahreswert. Auch im großstädtischen Bereich war gegenüber dem Vorjahr ein merklich höheres Finanzierungsvolumen zu veranschlagen. Hier stieg das Finanzierungsvolumen um 59 000 Euro beziehungsweise 19 Prozent. Einzelpraxisneugründungen im kleinstädtischen Umfeld erforderten wie im Vorjahr unverändert ein Finanzierungsvolumen von durchschnittlich 352 000 Euro, während die Einzelpraxisneugründung im ländlichen Bereich etwa 2 Prozent günstiger als im Vorjahr war.

Bei einer Einzelpraxisübernahme war das höchste Finanzierungsvolumen im großstädtischen Bereich aufzubringen. Hier schlug eine Einzelpraxisübernahme mit 274 000 Euro zu Buche (2004: 246 000 Euro). Im ländlichen Umfeld waren Einzelpraxisübernahmen mit durchschnittlich 244 000 Euro knapp 6 Prozent günstiger als im Vorjahr. Wie bereits im Jahr 2003 zeigte sich auch für das Jahr 2005, dass Existenzgründungen vor allem im ländlichen Bereich vergleichsweise günstig waren, während für Existenzgründungen im großund mittelstädtischen Bereich ein um etwa 10 bis 20 Prozent höheres Finanzierungsvolumen veranschlagt werden musste.

Kredit für die Betriebsmittel

Während der Existenzgründungsphase dient der Betriebsmittelbeziehungsweise Kontokorrentkredit dem niedergelassenen Zahnarzt zur Vorfinanzierung der Anlaufkosten. Der im Rahmen einer Einzelpraxisneugründung nachgefragte Betriebsmittelkredit betrug im Jahr 2005 etwa 82 000 Euro und lag damit um 15 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der im Rahmen einer Praxisübernahme gewährte Betriebsmittelkredit lag im Jahr 2005 mit 62 000 Euro ebenfalls 15 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Gruppe der bis 30-jährigen Zahnärzte fragte im Jahr 2005 deutlich höhere Beträge zur Vorfinanzierung der Anlaufkosten nach als im Vorjahr. Der im Rahmen einer Einzelpraxisneugründung nachgefragte Betriebsmittelkredit stieg in dieser Altersgruppe um 40 Prozent auf 88 000 Euro. Auffallend waren hier die geschlechtsspezifischen Unterschiede. Männer fragten bei einer Einzelpraxisneugründung mit 92 000 Euro einen um 26 000 Euro höheren Betriebsmittelkredit nach als ihre Kolleginnen. Auch bei einer Einzelpraxisübernahme lag der Betriebsmittelkredit der männlichen Existenzgründer mit 66 000 Euro etwa 14 000 Euro über dem entsprechenden Betrag der Frauen.

Goodwill für die Zukunft

Die im Rahmen einer Praxisneugründung anfallenden Bau- und Umbaukosten sanken im Jahr 2005 um 8 000 Euro auf 40 000 Euro. Bei den Praxisübernahmen betrugen die Ausgaben für bauliche Maßnahmen wie schon im Vorjahr 10 000 Euro. Die Differenz zwischen den beiden Praxisformen hinsichtlich der Bau- und Umbaukosten hat sich von 15 000 Euro im Jahr 1999 auf aktuell 30 000 Euro verdoppelt.

Bei der Praxisübernahme liegt der Kaufpreis im Regelfall deutlich über dem materiellen Wert der bereits in der Praxis vorhandenen Geräte und Ausstattungen (Substanzwert). Die Differenz wird als ideeller Wert oder auch „Goodwill“ bezeichnet. Im Goodwill spiegeln sich die subjektiven Erwartungen des Käufers an die zukünftige Ertragskraft der Zahnarztpraxis wider. In den alten Bundesländern sank das Niveau des Goodwill im Jahr 2005 um 6 000 Euro auf 76 000 Euro und lag damit unter dem Niveau des Jahres 1997.

Der arztgruppenbezogene Vergleich der für eine Einzelpraxisneugründung aufzubringenden Finanzmittel in den Jahren 2004/2005 (vgl. Abb. 6) zeigt, dass das zahnärztliche Investitionsvolumen wie schon im Vorjahr von keiner anderen Arztgruppe übertroffen wird. Mit 3 Prozent blieb der Zuwachs jedoch vergleichsweise moderat. Allerdings repräsentieren die Einzelpraxisneugründungen inzwischen nur noch ein Sechstel der zahnärztlichen Existenzgründungen in den alten Bundesländern, während die „günstigeren“ Praxisformen (Einzelpraxisübernahme, Eintritt in eine Gemeinschaftspraxis) im Zeitablauf an Bedeutung gewonnen haben. Die Investitionsvolumina in den anderen Arztgruppen entwickelten sich unterschiedlich. Die höchsten Steigerungsraten verzeichneten wie schon im Vorjahr die Kinderärzte mit einem Plus von 31 Prozent, während das Finanzierungsvolumen bei den Chirurgen um 28 Prozent zurückging. Subsummiert man die Facharztgruppen unter „Ärzte“, so errechnet sich für diese Gesamtgruppe in 2004/2005 ein Gesamtfinanzierungsvolumen von zirka 124 000 Euro, was einem Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem Zeitraum 2003/2004 entspricht.

Unverkennbar ist, dass die zahnärztliche Berufsausübung eine sehr umfangreiche medizinisch-technische Ausstattung zur modernen Patientenversorgung erforderlich macht, die entsprechend hohe Investitionsvolumina begründet. Dies gilt in gleicher Weise für die zunehmende Prophylaxeorientierung der Zahnärzteschaft, die auf der einen Seite zusätzlichen finanziellen Aufwand mit sich bringt, sich auf der anderen Seite aber auch positiv auf die Berufszufriedenheit auswirkt und durch mutige Investitionsentscheidungen widergespiegelt wird.

Dr. David Klingenberger
Institut der Deutschen Zahnärzte – IDZ
Universitätsstraße 73
50931 Köln

Andrea Schwarte
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Richard-Oskar-Mattern-Straße 6
40547 Düsseldorf

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