Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

gut ein Jahr ist es her, dass Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ihre ersten Versuche startete, der großen Koalition in Sachen Gesundheitswesen den eigenen Stempel aufzudrücken. Was CDU und CSU damals angesichts ihrer eigenwilligen Vorgehensweise – meist ohne vorherige Absprache mit den Koalitionspartnern – noch entrüstete, wird inzwischen durch die von Kanzlerin Merkel verordnete Regierungsräson weitestgehend akzeptiert. Zu tief sitzt bei den Regierungsvertretern augenscheinlich die Sorge vor etwaigen Konsequenzen, zu groß ist die Angst, die Koalition könnte einen Rückzieher in dieser Sache nicht überleben. Ulla Schmidts Reformansätze gehen deshalb weiterhin unbeirrt ihren Weg.

Folglich halten auch die Proteste der Heilberufler an, geben Leistungsträger in symbolischen Aktionen ihre Weißkittel ab, will man mit immer wieder anderen Aktionen Nachdenklichkeit und Unterstützung innerhalb der Bevölkerung wecken. Und die Gegenseite unterstellt – so hart werden die Register inzwischen gezogen – schlichte Raffgier. Dabei muss doch inzwischen jeder erkennen, dass diese Proteste alles andere als haltlos sind. Denn trotz Widerstand gegen die aktuellen Gesetzesvorhaben zeigen die Leistungsträger immer wieder ihre konstruktiven Gegenentwürfe auf.

Kritik und einer bedingungslosen Bereitschaft, die Herausforderungen des deutschen Gesundheitswesens anzunehmen, bestimmte auch den deutschen Zahnärztetag in Erfurt. Klare Stellungnahmen gegen die Reformvorhaben und ehrliche, offene Diskussionen um die – manchmal eigenen – Wege der Zahnärzteschaft zeigten alles andere als eine vom Gesetzgeber immer wieder als schlecht funktionierend bekrittelte Selbstverwaltung. Die zahnärztlichen Interessensvertretungen BZÄK, DGZMK und KZBV haben auf ihren jeweiligen Versammlungen und gemeinsam auf der Zentralveranstaltung erneut bewiesen, dass die Entscheidungsgewalt in den eigenen Reihen auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht besser aufgehoben ist als in einem aufgestülpten, staatskontrollierten System.

Denn letztlich war es auch in den zurückliegenden Jahren exakt diese Zahnärzteschaft, die den international hoch anerkannten Status in der Versorgung Deutschlands erreicht hat. Hier funktionierte Fortbildung lange, bevor sie der Gesetzgeber mit zusätzlichem Zwang versah. Hier sind Zahnmedizinischer Versorgungsgrad und Qualität exzellent. Und Prophylaxe, die in anderen Heilberufen keineswegs selbstverständlich zum Programm des Behandlers, sondern eher in Verantwortung des jeweiligen Patienten gesehen wird – ist ein längst nicht mehr wegzudenkender Teil deutscher Zahnmedizin.

Das – und vieles andere mehr – haben die vier Tage, an denen sich Deutschlands zahnärztliche Vertreter in Erfurt trafen, erneut bestätigt.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur