Pressekonferenz zur DMS IV-Studie in Berlin

Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann

Die Mundgesundheit in Deutschland wird immer besser – dennoch besteht gesundheitspolitischer Handlungsbedarf. Mit dieser Kernaussage stellten BZÄK und KZBV die neue vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV) des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) auf einer Pressekonferenz in Berlin vor (siehe dazu auch den Titelbericht in zm 22/2006). Die Journalisten kamen zahlreich und das positive Medienecho zeigte, dass die Botschaften der Zahnärzte in der Öffentlichkeit gut ankamen.

Die Karies ist in Deutschland dank intensiver Prophylaxe und guter zahnärztlicher Versorgung weiter auf dem Rückzug. 12-Jährige haben heute im Schnitt nur 0,7 kariöse, gefüllte oder wegen Karies fehlende Zähne. 1997 lag der Wert noch bei 1,7. Deutschland hat sich damit eine internationale Spitzenposition bei der Mundgesundheit von Kindern erobert. Auch bei Erwachsenen und Senioren sind Zahnverluste deutlich rückläufig. Das sind die Kernergebnisse der Vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS IV), die das Institut der Deutschen Zahnärzte im Auftrag von BZÄK und KZBV durchgeführt hat. Doch die Erfolgsstory der Kariesbekämpfung hat auch eine andere Seite, wie Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Hamburg, vor der Presse erläuterte. Parodontalerkrankungen seien auf dem Vormarsch. Etwa 20 Prozent der Erwachsenen und 40 Prozent der Senioren litten in Deutschland unter einer schweren Parodontitis. Schiffner legte ausführlich weitere Ergebnisse der Studie vor.

IDZ-Leiter Dr. Wolfgang Micheelis, der das DMS IV-Projekt zusammen mit einem zahnmedizinischen Expertenkreis rund um Schiffner geleitet und bearbeitet hat, legte den Journalisten den wissenschaftlichen Aufbau der Studie dar. Es handele sich um eine repräsentative Querschnittsuntersuchung, für die das IDZ zwischen Februar und September 2005 in neunzig Städten und Gemeinden insgesamt 4 631 deutsche Staatsangehörige aus vier Altersgruppen (12-jährige Kinder, 15-jährige Jugendliche, 35- bis 44-jährige Erwachsene und 65- bis 74-jährige Senioren) befragt und zahnmedizinisch untersucht habe. Die DMS IV verstehe sich auch als umfassender Beitrag zu einer soliden Gesundheitsberichterstattung für Deutschland auf dem Gebiet der Zahnmedizin.

Klassenprimus

„Die Deutschen haben sich im internationalen Vergleich in den letzten 20 Jahren vom Schmuddelkind zum Klassenprimus bei der Zahngesundheit entwickelt“, betonte der KZBV-Vorsitzende Dr. Jürgen Fedderwitz. Diese Erfolge seien auf mehrere Gründe zurückzuführen: das wachsende Bewusstsein für den Wert gesunder Zähne, ein gutes Zahnpflegeverhalten, der regelmäßige Kontrollgang zum Zahnarzt, gezielte Aufklärung und eine gute flächendeckende zahnärztliche Versorgung.

Große Herausforderungen entstünden aber im Bereich der Risikogruppenbetreuung, der Alterszahnheilkunde und – ganz entscheidend – bei der Bekämpfung der Parodontitis. Fedderwitz: „Die Zunahme ist – so paradox das zunächst klingen mag – auch eine direkte Konsequenz unserer Erfolgsstory“. Wenn Menschen heute ihre Zähne immer länger behielten, steige mit zunehmendem Alter auch naturgemäß das Parodontitisrisiko. Das sei eine versorgungspolitische Herausforderung. Es brauche neue Versorgungskonzepte, um den Präventionsgedanken auch in diesem Bereich in der Bevölkerung zu fördern. Notwendig seien auch neue Anreizsysteme, um den Patienten zur Mitarbeit zu motivieren.

Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, Präsident der Bundeszahnärztekammer, unterstrich, dass die Zahnärzteschaft mit den Ergebnissen der Studie sehr selbstbewusst in die Auseinandersetzungen mit der Politik gehen könne. Es sei ein schöner Vertrauensbeweis, wenn laut Studienergebnis rund 90 Prozent der Bevölkerung attestiere, mit ihrem Zahnarzt zufrieden zu sein.

Weitkamp unterstrich, dass vom Bereich der Zahnmedizin keine Kostenexplosion im Gesundheitswesen ausgehe. „Das liegt daran, dass unsere Konzepte durchgedacht sind und rechtzeitig vorgelegen haben.“ Es habe ein Umdenken im Berufsstand stattgefunden. Die Zahnärzteschaft habe erkannt, dass auch Therapie unter präventiven Aspekten zu betrachten sei. Die Zahnmedizin selbst besinne sich immer mehr auf ihre medizinische Wurzel. Aspekte wie Wechselwirkungen der Zähne auf den Gesamtorganismus oder die Multimorbidität von Patienten würden in die Behandlung mit einbezogen. Weitkamp: „Das Bild zeigt insgesamt: Die Prävention und die hochqualifizierte Behandlung führen dazu, dass sich die Mundgesundheit der Deutschen in der ganzen Welt sehen lassen kann.“