16. Brandenburgischer Zahnärztetag

Medizin in der Zahnarztpraxis

Brandenburgs Zahnärztetag zeigte wieder einmal: „Human- und Zahnmedizin sind im zahnärztlichen Berufsalltag eine untrennbare Einheit“. Insofern war es nicht der „Blick über den Tellerrand“, sondern ein ganz ordentliches berufliches Selbstverständnis, das mehr als ein Drittel der brandenburgischen Zahnärzte am 17. und 18. November zu diesem Fortbildungsthema nach Cottbus zog.

Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler scheint sich, so zeigte zumindest ihr Grußwort, über die hohe Fortbildungsmotivation der Zahnärzte ihres Landes zu freuen: „Denn wer sich fortbildet und qualifiziert, tut das Beste für seine Patienten.“ Für Brandenburgs Zahnärzteschaft war das nicht Appell, sondern ein eher schon traditioneller „Selbstgänger“.

Was unter wissenschaftlicher Leitung Professor Dr. Reiner Biffars programmatisch umgesetzt wurde, reichte von Vorträgen zu den Risiken durch Tabak und Alkohol über Diabetes, Allergien, bakteriellen und viralen Erkrankungen, rheumatischen, kardiovaskulären und endokrinologischen Erkrankungen bis zu Altersdemenz und altersspezifischen cerebralen Veränderungen. Allen gemeinsam, so stellten die zum großen Teil aus dem medizinischen Bereich eingeladenen Experten heraus, ist der enge Bezug zur Zahnmedizin. Für Brandenburgs Zahnärztekammerpräsident Jürgen Herbert liegt die Bedeutung des allgemeinmedizinisch ausgerichteten Generalthemas auf der Hand. Schließlich sei die Mundhöhle „die Eingangspforte zum Gesamtorganismus“, verdeutlichte der Cottbuser Zahnarzt diese Zusammenhänge im Pressegespräch.

Zur Betreuung von Patienten ist das nicht ohne Belang: Immerhin sei der Zahnarzt – neben dem Hausarzt – die am häufigsten frequentierte Arztgruppe, konstatierte Brandenburgs KZV-Vorsitzender Dr. Gerhard Bundschuh: Der Zahnarzt sei in der Regel „der Hausarzt, der von Kindeszeit an nicht gewechselt wird“. Deshalb komme den „Generalisten für Fragen rund um die Mundgesundheit“ eine wichtige Rolle zu. Diese Funktion werde seitens der Patienten, so Prof. Biffar, immer noch mit Überraschung aufgenommen, zum Beispiel, „wenn der Zahnarzt Erkrankungen und Veränderungen der Schleimhäute diagnostiziert, mikrobiologische Diagnostik betreibt, sich mit Demenz und Alterserkrankungen auseinandersetzt, Empfehlungen zur Ernährung gibt, zum Suchtverhalten Stellung bezieht und allgemeine Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes und vieles mehr in seine Überlegungen zur Diagnostik, Therapie und Prognose mit einbezieht“.

Von Pferden und Kamelen

Dass die im wissenschaftlichen Bereich konstatierte enge Verbindung der Disziplinen zurzeit ein – wenn auch anders geartetes – Pendant im gesundheitspolitischen Sektor hat, stellte der brandenburgische Kammerpräsident in seiner Begrüßung zum Zahnärztetag besonders heraus: „Noch nie hat es die Politik geschafft, Human- und Zahnmedizin und auch andere Beteiligte so zusammenzuschweißen, dass sie gemeinsam agieren“, beschreibt Herbert nicht ohne Ironie die Folgen der von ihm als „rotschwarzer Sozialismus“ gebrandmarkten Reformvorhaben der Bundesregierung. Diese „Kreuzung aus Bürgerversicherung und Kopfpauschale“ sei wie die von „Kamel und Pferd“: Letztlich heraus komme ein „Alien, den niemand gebrauchen kann“. Herbert warnte davor, Zustände zurückzuholen, „die wir in diesem Land schon einmal kennengelernt haben“.

Zuversichtlich zeigten sich Brandenburgs Standesvertreter in Bezug auf die künftig anstehenden Veränderungen durch die gesetzlich vorangetriebene berufsinterne Konkurrenz. Weder das Werben mit Auslandszahnersatz – Herbert: „Das kann doch jeder Zahnarzt“ – noch die Konkurrenz jenseits der deutschen Grenzen wird in Brandenburg gefürchtet. So habe die AOK des Landes ihre ehemals offensiv betriebene Werbung für die Behandlung ihrer Patienten in polnischen Praxen inzwischen eingestellt. Auch die vom Gesetzgeber jetzt ermöglichte Bildung von Praxisketten halten die Brandenburger Standesvertreter zurzeit kaum für zukunftsfähig.

Eine trotz der widrigen politischen Umstände selbstbewusste Haltung, die auch die vielen Teilnehmer im Rahmen ihrer freiwilligen Fortbildung vermittelten.

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