Wissenschaftlicher Kongress

Feierliche Eröffnung der 130. Jahrestagung der DGZMK in Erfurt

Ganz im Rahmen der Gesundheitspolitik stand in diesem Jahr die Feierstunde der 130. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde, die zusammen mit dem großen Deutschen Zahnärztetag sowie der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) in Erfurt abgehalten wurde.

Ein deutliches Zeichen des Zusammenhalts zwischen Wissenschaft und Standespolitik setzten sowohl der Tagungspräsident Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Dresden, und der DGZMK-Präsident Dr. Georg Meyer, Greifswald, sowie der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp in ihren Festreden.

Professor Meyer hat große Sorge um die Zukunft der Wissenschaftlichkeit der Zahnmedizin in Deutschland. Er skizzierte in seinen Grußworten die ständigen Kürzungen der Gelder für die Hochschulen, die damit verbundenen Degradierungen der Stellen für Hochschullehrer und Wissenschaftler und kritisierte die hohe Studentenzahl, die mit der verschlankten Personaldecke nicht mehr qualitätsbewusst auszubilden sei. „Sechs C4-Professoren der Zahnmedizin haben in letzter Zeit ihre Stellen verlassen, weil sie den Druck der Regierung nicht mehr ertragen konnten und sich in ihren Forschungsaktivitäten behindert sahen“, so Meyer in seiner Rede. Er warnte dringlichst vor „dem Exodus der Wissenschaft“ in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Die 116 Präsentationen anlässlich der Fortbildungsveranstaltungen in Erfurt zeugten zwar von einem hohen wissenschaftlichen Standard. Dieser sei aber, wenn nicht umgehend unterstützende Maßnahmen für die Hochschulen eingeleitet würden, weiterhin nicht mehr zu halten.

Mit großer Zufriedenheit registrierte Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, Präsident der Bundeszahnärztekammer, den nicht nur durch Napoleon bekannt gewordenen Standort dieses großen Zahnärztetags. Die „Hochzeit“, die der Deutsche Zahnärztetag mit der Wissenschaft und der Standespolitik feierte, setze Zeichen und werde, so der Präsident, ihre Folgen in die Praxen des ganzen Landes hineintragen. „Wir schöpfen Kraft aus dieser wunderbaren Verbindung.“

Berufsstand von „innen her“ gesund

Wie sehr die Wissenschaft Einfluss auf den täglichen Praxisalltag und die Ergebnisse der dortigen Behandlungsergebnisse nimmt, zeigte sich in aktuellen Ergebnissen der DMS IV-Studie (siehe auch zm 22/2006), die aktuell von der BZÄK und dem Institut der Deutschen Zahnärzte vorgestellt wurden. „Wir haben uns zum 4. Mal den Spiegel vorgehalten. Die Erfolgsgeschichte dieser Ergebnisse zeigt, dass wir uns selbstbewusst gegenüber der Politik aufstellen können. Weitkamp machte das am Beispiel der Zahnarzt/Patientenbindung fest, die nach den neuesten Untersuchungen über 90 Prozent beträgt. Die Tatsache, dass rund 3 000 Teilnehmer auf rein freiwilliger Basis nach Erfurt gereist sind, ist, so der BZÄK-Präsident, ebenso Beweis dafür, dass der Berufsstand „von innen her gesund ist“. Der Tagungspräsident sowie Präsident der DGP Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Dresden, sowie Dr. Lothar Bergholz, Landespräsident Thüringen, wünschten allen Teilnehmern „spannende berufspolitische und praxisorientierte Streitgespräche“ sowie „informative Besuche in der umfangreichen Dentalausstellung, die nicht nur zum kollegialen Austausch, sondern auch zum Kennenlernen wissenschaftlicher Innovationen für den Praxisalltag dient“.

Der Festredner zum großen Wissenschaftskongress der DGZMK zeichnete sich durch seine jahrzehntelange Mitgestaltung der Politik Deutschlands aus: Professor Dr. Kurt Biedenkopf, ehemaliger Landeschef von Sachsen, reflektierte das Gesundheitswesen und goss hier und da während seiner Ausführungen Öl in das Feuer der derzeitigen Entwicklung der Gesundheitspolitik.

Kosten steigen mit dem Quadrat der verlorenen Zeit

So schlug Prof. Dr. Biedenkopf einen historischen Bogen von Bismarck bis Schmidt und diskutierte das Gesundheitswesen unter dem Aspekt der individuellen sowie der gesellschaftlichen Verantwortung. Er erinnerte in seinem Festvortrag an das Subsidiaritätsprinzip.

Seine Kritik: „Während die Anzahl der Paragrafen steigt und mit ihnen ihre Halbwertzeit, wird auch die Schattenwirtschaft immer größer. Die jetzige Reform wird keinerlei Wirkung haben, weil sie an den starren Strukturen nichts ändert. Und ihre Kosten steigen mit dem Quadrat der Zeit, in der sich nichts ändert.“

Biedenkopf fordert mehr Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme der Bevölkerung. Seine Idee für eine erfolgreiche Reform: „Der Staat muss Regelkreise einrichten, in denen die Bevölkerung gestalterisch mitwirken kann. Dann kann das auch ,ihr’ Staat werden.“

Prof. Meyer (l.) und Generalsekretär Dr.Rudolf Strathmann (r.), haben die Goldene Ehrennadel an BZÄK-Präsident Weitkamp überreicht. | Foto: DGP/Bellmann

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