Wissenschaftliches Programm

Parodontologie – multifaktorielles Krankheitsgeschehen

Die DGZMK, die DGP und auch der Arbeitskreis für Gerostomatologie hatten gerufen und alle kamen. Mit einer Rekordbeteiligung von rund 3 000 Zahnärztinnen und Zahnärzten, ihren Praxismitarbeiterinnen sowie Studentinnen und Studenten fand in Erfurt anlässlich des Deutschen Zahnärztetages ein wissenschaftliches Fortbildungsprogramm der Extraklasse statt, wie es die Hauptstadt Thüringens noch nie gesehen hatte.

Nach den erfolgreichen Prophylaxebemühungen der letzten Jahrzehnte hat sich die Karies sehr rar gemacht. Das beweisen auch die aktuellen Daten der DMS IVStudie, die kürzlich vorgestellt wurde (siehe auch zm 22/2006). Der Zahnhalteapparat erhält jedoch zunehmend an Bedeutung. Weit über 100 Beiträge des wissenschaftlichen Programms des Deutschen Zahnärztetages beschäftigten sich mit dem Parodont aus verschiedenen Blickrichtungen.

Die Beiträge waren unterschiedlich gegliedert. In Hands-on-Kursen konnten Zahnärzte am Objekt neue Schnittechniken und Operationsverfahren „ausprobieren“ oder unter genauer Anleitung ihr bisheriges Können weiter perfektionieren. Im Vordergrund aller Vorträge standen die Geweberegeneration sowie die Defektdeckung mittels Membran oder autologem Bindegewebe. Eine Umfrage bei den DGP-Mitgliedern hatte zu einem großen Themenblock geführt, der in Referaten die fachlichen Grundlagen lieferte, in begleitenden Videos genau die Schnitttechniken und Präparations- sowie Nahttechnik während des Operationsverlaufes zeigte. So gaben Dr. Bernd Heinz, Hamburg, sowie Professor Dr. Dr. Søren Jepsen, Bonn, und Prof. Dr. Hannes Wachtel, München, während ihrer Filmpräsentationen immer wieder Tipps und Tricks, wie „nehmen Sie nur 6,0 Nahtmaterial, lassen Sie beim Nähen mindestens drei Millimeter an der Papillenspitze stehen, damit beim Knüpfen nichts einreißt, halten Sie das Skalpell waagerecht zum Kronenrand, um Perforationen bei der Präparation zu vermeiden“ und vieles mehr.

Große Firmen-Symposien unterstützen die Wissensvermittlung rund um die Parodontologie. So stellten Referenten zum Beispiel neueste Untersuchungen von Mundspüllösungen oder antibakteriellen Ingredienzien vor, die unterstützend bei der Therapie von Parodontalerkrankungen wirksam sind und dem Patienten die häusliche Pflege erleichtern helfen.

Ein ganzer Fortbildungsblock hatte den Seniorpatienten im Fokus. Sorgen doch die demografischen Entwicklungen dafür, dass immer mehr betagte Patienten die Praxen besuchen. Die wissenschaftliche Entwicklung hat ihnen auch in hohem Alter noch sehr viel eigenen Zahnbestand beschert, der versorgt werden will. Eine Kernaussage hatten alle Beiträge in Erfurt gemeinsam: Ein Parodontalpatient braucht eine lebenslange Therapie! Und so ist eine parodontalchirurgische Behandlung nur dann von Erfolg, wenn der Patient in einen lebenslangen, individuell gewählten Recall eingebunden wird. Nur seine Mithilfe und damit Eigenverantwortlichkeit kann den Therapieerfolg sichern.

Mundgeruch – das häufige, übelriechende Problem

Immer häufiger konsultieren Patienten ihren Hauszahnarzt mit einem ganz besonderen Problem, dem Mundgeruch. In einem großen Übersichtsseminar, das Dr. Andi Kison, Berlin, leitete, wurden die verschiedenen Ursachen des Foetor ex ore dargelegt. Nur etwa ein Prozent ist rein internistischer Ursache, die meisten Halitosispatienten leiden an Problemen der Nasenhöhlen sowie des Mundrachenraumes. Eine ausreichende Sanierung der Mundhöhle (Karies und Parodont) sowie eine Eliminierung der geruchsbildenden Bakterien, besonders auf der Zunge, sieht Kison als unverzichtbar. Er warnte, dass rund jeder Vierte angeblich unter Mundgeruch leidende Patient keine echte Halitosis, sondern eine Pseudohalitosis oder gar eine Halitophobie habe. Hier könne nur eine interdisziplinäre psychotherapeutische Behandlung helfen.

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