Überflüssige Versicherungen

Für Hochzeiten und den Todesfall

Die Deutschen lieben ihre Sicherheit und sind bereit, viel Geld dafür auszugeben. Dabei könnten sie einen Teil davon Gewinn bringend anlegen und sich dennoch ausreichend geschützt fühlen. Denn so manche Versicherung erweist sich nach eingehender Prüfung als überflüssig.

Im Durchschnitt 2 960 Euro gab jeder private Haushalt im Jahr 2005 für Versicherungen aus. Das macht pro Person 1 400 Euro. Viel Geld, wenn man gleichzeitig bedenkt, dass viele der Versicherten noch nicht einmal richtig geschützt sind. So verfügen nur 70 Prozent der privaten Haushalte über eine der wichtigsten Policen, die private Haftpflichtversicherung. Fliegt der Ball des Sprösslings in die Fensterscheibe des Nachbarn, ist der Schaden noch überschaubar. Verursacht ein Radfahrer aber einen schweren Unfall mit Personenschaden, muss er ohne Versicherungsschutz vielleicht bis an sein Lebensende zahlen.

Unbegreiflich bleibt auch die Tatsache, dass drei Viertel der Haushalte ohne einen Schutz der Berufs- und Erwerbsfähigkeit auskommen. Diese Versicherung gehört mindestens an die zweite Stelle der wichtigen Policen. Dann kommen Kranken-, Autound – für junge Familien – eine Risikolebensversicherung. Eine Hausratversicherung macht nur dann Sinn, wenn im Laufe der Zeit wertvolle Einrichtungsgegenstände angeschafft worden sind. Alle anderen Versicherungen erweisen sich als bedingt sinnvoll bis total überflüssig.

Krankenhaustagegeld

Zahnärzte benötigen für den Krankheitsfall keine Krankenhaustagegeldversicherung. Für sie ist es notwendig, den Verdienstausfall aufgrund einer Krankheit in jedem Fall abzusichern. Als erstes schließt ein angehender Zahnarzt sinnigerweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Für den Fall, dass er das Bett hüten muss, lohnt sich eine Krankentagegeldversicherung. Die zahlt auch dann, wenn er seine Krankheit zu Hause statt in der Klinik auskurieren kann. Und zwar im schlimmsten Fall bis zum Eintritt der Berufsunfähigkeit.

Insassenunfallversicherung

Mit dieser Police unterstützen die Versicherten in erster Linie den Vertreter und die jeweilige Gesellschaft. Denn eine Insassenunfallversicherung ist einfach überflüssig. Dennoch versuchen die Berater, die Police, die ja nur 60 bis 120 Euro pro Jahr kostet, an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Dabei entbehrt dieser Schutz inzwischen jeder Grundlage. Früher klaffte im Versicherungsschutz eine Lücke. Fand sich bei einem Unfall kein Schuldiger, kam keine Versicherung für den entstandenen Schaden auf. Ein Beispiel dafür ist ein geplatzter Reifen. Erlitt dabei der Beifahrer einen Schaden, konnte er keine Ansprüche gegen die Autohaftpflicht des Fahrers geltend machen. Seit 2002 jedoch gilt das neue Straßenverkehrsgesetz. Seitdem sind alle Insassen eines Pkws abgesichert, auch wenn ein Unfall unverschuldet passiert: Die Autohaftpflichtversicherung des Fahrers muss zahlen.

Glasbruchversicherung

Der Bund der Versicherten ist sich sicher: Eine kaputte Fensterscheibe kann jeder Hausbesitzer selbst bezahlen. Die Kosten für den selten beanspruchten Schutz sind zu hoch. Wer beispielsweise die gut geputzte Scheibe bei Freunden oder Nachbarn übersieht und durch sie durch auf die Terrasse will, benötigt auch keine Glasbruchversicherung. In diesem Fall springt die Privathaftpflichtversicherung ein und übernimmt den Schaden – vorausgesetzt der Schutz für Mietsachschäden ist inbegriffen.

Reparaturkostenversicherung

Gerne appellieren Händler an das Sicherheitsbedürfnis ihrer Kunden, wenn diese gerade den Kauf eines teuren Fernsehers oder einer hochempfindlichen Stereo-Anlage beschlossen haben. Damit das wertvolle Stück auch wirklich geschützt ist, empfehlen sie eine Reparaturkostenversicherung. Die aber ist überflüssig. Denn der Verkäufer muss zwei Jahre lang Gewährleistung bieten. Dazu kommt noch die Hersteller-Garantie. Außerdem wird ein fehlerfreies Gerät von guter Qualität kaum reparaturanfällig sein. Und für ein Billigteil lohnt sich sowieso keine teure Versicherung.

Fahrradversicherung

Leider schließen nur noch alte Verträge über eine Hausratversicherung ein Fahrrad mit ein. Bei Neuabschlüssen schlägt das Fahrrad mit einer Extraprämie zu Buche. Im Schadensfall zahlt die Versicherung oft maximal ein Prozent der Versicherungssumme. Die Ausgabe dafür lohnt sich nur für unentwegte Radler, die mit ihrem Fahrzeug jeden Tag zur Arbeit fahren und dort keinen geschützten Abstellplatz finden. Daheim im Keller ist die Hausratversicherung auch ohne Extra- Prämie zuständig.

Reisegepäckversicherung

Wer seinen Urlaub im Reisebüro bucht, kennt das Angebot: Das Rundum-Sorglos-Paket für den Urlaub. Darin enthalten ist meist eine Reiserücktrittsversicherung, die je nach Reisekosten durchaus sinnvoll sein kann. Doch die Ausgaben für die Gepäckversicherung kann man sich sparen. Denn die Bedingungen, unter denen die Versicherung für den verschwundenen Koffer zahlt, sind meist sehr kompliziert. Der Urlauber darf ihn praktisch nie aus den Augen lassen, weil sonst Fahrlässigkeit unterstellt wird. Wird das Gepäck aus dem Hotelzimmer gestohlen, zahlt sowieso die Hausratversicherung.

Sterbegeldversicherung

Dabei handelt es sich um eine Variante der Kapitallebensversicherung. Die gesparten Beiträge werden für den Todesfall des Versicherten zurückgelegt. Vorher zieht die Gesellschaft aber die Kosten und die Provision für den Vertreter ab. Sinnvoller ist es, zirka 3 000 bis 5 000 Euro Gewinn bringend in einen Rentenfonds zu investieren. Mit diesem Geld können die Hinterbliebenen die Beerdigung bezahlen.

• Es existieren viele Varianten von Kapitalversicherungen, die auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, sich aber letztlich als zu teuer erweisen. Dazu gehört auch die Ausbildungsversicherung für den Nachwuchs. Eltern oder Großeltern sparen, um die spätere Ausbildung der Kinder besser finanzieren zu können. Doch die bereits oben erwähnten Nebenkosten schmälern die Rendite beträchtlich. Alternativen wie Fonds oder auch der Kauf von Bundespapieren lohnen sich meistens eher.

• Zu den Neuheiten der letzten Jahre auf dem Versicherungsmarkt gehört der Haus- und Wohnungsschutzbrief der Allianz. Mit dem Versprechen „Anruf genügt, wir regeln alles“ locken die Münchner ihre Kunden. Sie leisten Pannenhilfe, wenn man den Schlüssel vergessen hat, die Klospülung nicht funktioniert oder ein Rohr verstopft ist. Kurz: Sie sind zur Stelle, wenn bei plötzlich eintretenden Schäden der sofortige Einsatz von Fachleuten verlangt wird. Denn das ist die Idee: Der Schaden tritt ein, der Kunde ruft die Notfallnummer – Assistance Hotline – bei der Allianz an und die schickt einen Fachmann, der den Schaden beseitigt. Das Fi nanzielle regelt die Versicherung. Der Kunde braucht sich nicht zu kümmern. Bis zu 300 Euro darf die Beseitigung des Schadens im Einzelfall kosten, im Jahr maximal 1 000 Euro. Der Bund der Versicherten rät von dem Schutzbrief ab, weil die Notfälle kein großes finanzielles  Risiko darstellen. Besonders Mieter sollten prüfen, ob sie die Police überhaupt brauchen. Denn sie deckt zum Teil Schäden ab, für die sowieso der Vermieter zuständig ist. Die Barmenia-Versicherung bietet inzwischen ein ähnliches Produkt an. Wer auf seine Bequemlichkeit nicht verzichten will, kann sich für den Schutzbrief vielleicht erwärmen.

• Speziell für den Golfer hält die Hanse-Merkur ein Paket bereit. Neben einer Reiseversicherung enthält es das Versprechen, dass die Gesellschaft ihrem Kunden die Lokalrunde im Clubhaus ersetzt, sollte ihm denn ein Hole- In-One-Schlag gelingen.

• Für Verliebte bietet Hanse- Merkur eine Hochzeitsversicherung. Das Unternehmen springt dann ein, wenn das geplante Fest ins Wasser fällt. Gravierende Gründe vorausgesetzt: Bis zu 25 000 Euro ersetzt die Versicherung bei Krankheit oder unverschuldeten äußeren Ereignissen. Wer kalte Füße bekommt, muss selber zahlen. Die Police kostet jedenfalls 500 Euro.

• Günstiger noch hält die Niederländische Hullberry Company (www.hullberry.com) ein entsprechendes Angebot bereit: Für 19 Euro können sich Brautleute bei den Holländern tatsächlich gegen den Fall absichern, dass einer von beiden am Altar „Nein“ sagt. Dafür gibt es aber nur maximal 300 Euro. Für ein Gläschen zum Trost reicht es. Um die Risiken für den Versicherer einzugrenzen, gilt das Angebot nur für eine standesamtliche Trauung. Als Nachweis benötigt der/die Gehörnte eine schriftliche Bestätigung des Standesbeamten und das Aufgebot. Bei Hullberry hat man aber auch ein offenes Ohr für spezielle Probleme. In solchen Fällen wird die Police für die Kunden eben maßgeschneidert.

• Denn was die Londoner Lloyds’s für die großen Firmen ist, will Hullberry für Privatleute sein: Ein Versicherer für alle Unwägbarkeiten. Rechenfüchse können sich dort beispielsweise für ebenfalls 19 Euro Prämie im Jahr gegen steigende Benzinpreise absichern. Versichert werden maximal 2 000 Liter Benzin. Hullberry erstattet dem Versicherten gegen Quittungsbeleg die Differenz zwischen dem Sockelbetrag pro Liter und dem drüber liegenden tatsächlich bezahlten Benzinpreis. Ausgeschlossen sind allerdings Lastwagen, Mähdrescher, Dampfwalzen. Und Panzer.

Drei Dinge zählt der Kluge

Vor dem Abschluss einer Versicherung, egal gegen oder für was, sollten die Kunden auf drei Dinge achten: Die Höhe des möglichen Schadens, die Wahrscheinlichkeit seines Eintritts und die Bezahlbarkeit der Prämie – diese Eckpunkte sollten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de

INDEX

Stichwort: Krankentagegeld

Das Krankentagegeld dient zur Absicherung des Verdienstes, wenn der Versicherte durch Krankheit oder Unfall arbeitsunfähig wird.

Bei Selbständigen hat das Krankentagegeld eine herausragende Bedeutung, da sie sonst während der Krankheit über kein Einkommen verfügen oder eine Vertretung nicht bezahlen können. Der Zahnarzt kann entscheiden, ab welchem Zeitpunkt er Krankentagegeld beziehen will. Es steht ihm maximal bis zur Höhe seines Nettoverdienstes zu.

Privat versicherte Arbeitnehmer bekommen im Krankheitsfall in der Regel sechs Wochen lang Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber. Für sie lohnt sich der Abschluss einer Krankentagegeldversicherung erst ab diesem Zeitpunkt.


INFO

Kündigung

Stellt sich heraus, dass die Beiträge für eine Versicherung im Vergleich zu den Angeboten der Konkurrenz zu hoch sind oder eine Police sich als überflüssig erweist, ist die Kündigung fällig. Doch bevor der Kunde sein Einschreiben an die Gesellschaft formuliert, sollte er die Bedingungen studieren. Denn die Kündigungsmodalitäten unterscheiden sich je nach Art der Versicherung. Abgesehen von Kfz- und GKVVersicherungen gilt in der Regel: nach den ersten drei Jahren jährlich unter der Einhaltung einer dreimonatigen Frist. Aber bitte erst, wenn der neue Vertrag unter Dach und Fach ist.

Schadensversicherungen wie Hausrat oder Haftpflicht kann der Versicherte nach jedem abschließend regulierten Schaden kündigen, die Versicherer allerdings ebenso. Die Kündigung sollte sofort erfolgen, wenn der Kunde von der Erledigung des Schadensfalles benachrichtigt wird oder zum Ablauf des Versicherungsjahres.

Genaue Infos über die Modalitäten liefert die Internetseite des Bundes der Versicherten www.bundderversicherten.de.


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