DocMorris

Auf Expansionskurs

Berlin, Castrop-Rauxel, Dillingen – die Liste der Partner-Apotheken in Deutschland wächst. Der umstrittene niederländische Medikamenten-Versandhändler DocMorris ist auf Expansionskurs und plant die Errichtung weiterer Vor-Ort-Apotheken.

Anfang März eröffnete die fünfte DocMorris-Apotheke in Deutschland und damit die erste in Berlin. Kurz vorher schloss die niederländische Versandapotheke einen Vertrag mit einem Apotheker in Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen). Zuvor waren Filialen in Dillingen (Saarland), St. Wendel und Flensburg an den Start gegangen. Ziel ist es, die Marke konsequent im Apothekenmarkt zu verankern. Das Unternehmen gibt sich optimistisch: „Unser Ziel sind 500 Vor-Ort-Apotheken von DocMorris in den nächsten drei bis fünf Jahren“, erklärte Unternehmenschef Ralf Däinghaus.

Rechtlich selbständige Einheiten

Anders als die erste deutsche DocMorris-Dependance in Saarbrücken handelt es sich bei den fünf Partner-Apotheken um rechtlich selbständige Einheiten. Die unabhängige Apotheke vor Ort erhalte, so die Auskunft des niederländischen Unternehmens, vertraglich das Recht, die Marke DocMorris zu nutzen und die Bezeichnung zu tragen. Dabei wird ihr ein Gebietsschutz garantiert, das Ladenlokal, das Schaufenster und die Geschäftsausstattung werden im Design mit dem grünen Kreuz angepasst. DocMorris unterstützt die Apotheken bei der Markenumstellung und gibt Vermarktungstipps. Für die Partnerapotheke wird eine Lizenzgebühr fällig. Formal bleibt diese eigenständig und verstößt somit nicht gegen das Fremdbesitzverbot, das die Bildung von Apothekenketten verbietet. Die Lizenznehmer selbst versprechen sich von der neuen Form mehr Kundschaft und Wettbewerbsvorteile. Kritische Stimmen kommen aus der Apothekerschaft. So kritisierte die Apothekerkammer Berlin das Vorgehen von DocMorris. Arzneimittel stellen eine Ware besonderer Art dar und sollten nicht einfach verramscht werden. Die Kammer bezweifelte auch, dass DocMorris in seinem Gesamtsortiment günstiger sei als andere Apotheken. Eine ähnliche Reaktion kam auch seitens der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Solch ein Partnerkonzept ziele nur auf den Preis der Medikamente ab. Außerdem sei zweifelhaft, ob der Partnerapotheker davon wirtschaftlich überhaupt profitiere. Im vergangenen Sommer hatte DocMorris die erste eigene Niederlassung als Deutschlandsitz in Saarbrücken (dort wird ein Versandzentrum aufgebaut) eröffnet und bewusst gegen geltendes Recht verstoßen. Es entstand ein Rechtsstreit mit der Apothekerschaft. Nach vorübergehender Schließung durfte die Filiale wieder öffnen. Der Präzedenzfall beschäftigt derzeit die Gerichte, und Rechtsexperten rechnen mit einem mehrjährigen Verfahren.

DocMorris ist auf Wachstum ausgerichtet. Nach eigenen Angaben verzeichnete der Versandhändler im Jahr 2006 mit dem Medikamentenversand 800000 Kunden, 178 Millionen Euro Umsatz und damit eine Steigerung um 17 Prozent zum Vorjahr. Das in Heerlen (Niederlande) ansässige Unternehmen beschäftigt mittlerweile mehr als 330 Mitarbeiter.

INFO

So funktioniert DocMorris

Kassenpatienten erhalten bei rezeptpflichtigen Medikamenten einen Sofort-Rabatt in Höhe der halben Zuzahlung, Privatpatienten und Zuzahlungsbefreite bekommen einen pauschalen Bonus von drei Euro für jedes rezeptpflichtige Medikament. Rezeptfreie Arzneimittel gibt es laut Auskunft bei DocMorris bis zu 30 Prozent günstiger als in anderen Apotheken. Das Sortiment richte sich vor allem an preisbewusste Patienten mit planbarem Bedarf. Bestellt werden kann per Post, Telefon, Fax oder Internet. DocMorris verfügt über ein Vollsortiment, das dem einer normalen Vor-Ort-Apotheke entspricht. Deutsche Kunden erhalten ausschließlich deutsche Originalpräparate.

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