Bei Restschuld

Risikoschutz

Ratenkredite und Bankdarlehen können zu erheblichen Risikofaktoren für Zahnärzte werden. Dies gilt vor allem dann, wenn dem Zahnarzt als Versorger der Familie etwas zustößt und die Kreditverbindlichkeiten vom Ehepartner und gegebenenfalls von den Kindern auch weiterhin verzinst und getilgt beziehungsweise in einer Summe zurückgezahlt werden müssen.

Bei größeren Praxisanschaffungen oder privaten Investitionen trifft ein belastendes Erbe die Angehörigen im Einzelfall hart. Vor der Unterschrift unter einen Kreditvertrag sollten Zahnärzte also sorgfältig prüfen, ob und in welchem Umfang sie eine konkrete Vorsorge treffen wollen und wie sie im Detail aussehen sollte.

In der Regel bietet sich eine so genannte Restschuldrespektive Risikolebensversicherung zur Absicherung an, die beim Ableben des Praxischefs als Kreditnehmer die noch ausstehenden Bankschulden abdeckt und somit für eine je nach Situation erhebliche finanzielle Entlastung der Angehörigen sorgt. Allerdings steckt hier die Tücke oft im Detail: so kann ein Angebot der jeweiligen Bank zur Absicherung ihres Kredites zum Vergleich mit den Offerten anderer Anbieter zwar durchaus hilfreich sein – ob es sich dagegen mit den individuellen Ansprüchen des Zahnarztes deckt und ob es tatsächlich konkurrenzfähig ist, sollte er erst einmal sorgfältig prüfen.

Daran ändert übrigens die Erfahrung nichts, dass je nach Kreditgeber dieser darauf besteht, dass der Kunde eine solche Versicherung abschliesst. Letztlich sollte es Letzterem überlassen bleiben, wie und bei wem er entsprechende Risiken absichert. Zur Ermittlung des erforderlichen Schutzes ist daher zunächst eine Bestandsaufnahme eventuell bereits bestehender Lebensversicherungen – sowohl als Risikolebensversicherung als auch in der Form einer Kapitallebensversicherung – sinnvoll. Die Erfahrung zeigt nämlich immer wieder, dass Praxisinhaber teils zur zusätzlichen Altersabsicherung, teils zur Absicherung bereits laufender Bankkredite schon diverse Versicherungsverträge besitzen.

Runter mit den Raten

Im Rahmen der Bestandsaufnahme ist daher weiter zu prüfen, in welchem Umfang diese Verträge als Sicherheiten überlassen wurden oder ob sie frei zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollte ebenfalls geprüft werden, inwieweit es Sinn macht, diese freien Verträge im Versicherungsfall zur Kredittilgung einzusetzen. Oder ob sie dem ursprünglich vorgesehenen Verwendungszweck vorbehalten bleiben sollen, zum Beispiel weiterhin der finanziellen Altersabsicherung. Die Gesamtbeurteilung dieser Situation bleibt naturgemäß einer individuellen Einschätzung des Zahnarztes vorbehalten. Im Ergebnis ist vor allem wichtig, dass ein vertretbarer Ausgleich zwischen dem bisherigen Verwendungszweck der Versicherungen und der Absicherung zukünftiger Kredite erfolgt.

Entscheidet sich der Zahnarzt zum Abschluss einer neuen Versicherung, gilt es, ein möglichst günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis zu erzielen.

• Meist reicht dazu der Abschluss einer üblichen Risikolebensversicherung, bei der die Risikoabsicherung eindeutig im Vordergrund steht, die erwähnenswerte Rückkaufswerte dagegen nicht aufgebaut werden. Durch diesen eingeschränkten Versicherungszweck sind die Prämien einer Risikolebensversicherung in der Regel weitaus preiswerter als bei herkömmlichen Kapitallebensversicherungen. Dies kommt dem Zahnarzt selbstverständlich entgegen, da es ihm bei dieser Versicherungsform ja ausschließlich um den erwähnten Risikoaspekt und nicht um einen zusätzlichen Kapitalaufbau geht.

• Zur weiteren Reduzierung der Prämien handelt er optimalerweise einen Vertrag mit fallender Versicherungssumme aus. Denn diese sollte sich nun einmal an der Höhe des Kredites orientieren, die ja durch die kontinuierliche Tilgung schrumpft. So bleibt im Ergebnis stets der jeweilige Restkreditbetrag abgesichert.

• Zwar erwirtschaften Risikolebensversicherungen bedingt durch den Versicherungszweck meist nur geringe Erträge, doch auch diese, unmittelbar mit den Versicherungsprämien verrechnet, führen zu niedrigeren Prämien. Damit besteht für den Zahnarzt eine weitere Möglichkeit, die mit dem Abschluss einer Risikolebensversicherung verbundenen Kosten möglichst gering zu halten.

Bei der Auswahl des geeigneten Versicherungspartners besitzt der Zahnarzt die sprichwörtliche Qual der Wahl: neben Angebote herkömmlicher Versicherungsgesellschaften kann er Offerten von Direktversicherern ebenso einholen wie Offerten seriöser Internetanbieter. Selbstverständlich sollte er auch den Vorschlag der kreditgebenden Bank in solch einen umfangreichen Vergleich mit einbeziehen.

Michael Vetter
Franz-Lehar Straße 18
44319 Dortmund

zm-Tipp

Verhandlungssache

Neben Prüfung und Abschluss einer Risikolebensversicherung sollte der Zahnarzt mit seinem Kreditgeber darüber reden, welche Kosten im Zusammenhang mit den jeweiligen Verbindlichkeiten im Versicherungsfall auf seine Angehörigen zukämen. Hier geht es bei langfristigen Krediten vor allem um die Vorfälligkeitsentschädigung, die Banken als Zinsausgleich bei der vorzeitigen Beendigung eines Kreditvertrages zumindest grundsätzlich zusteht. Allerdings ist diese Gebühr verhandelbar. Vor allem bei einer langjährigen und zuverlässigen Geschäftsverbindung zwischen Zahnarzt und Bank sollte letzerer die bestehenden Verhandlungsspielräume nutzen.