Die Initiative zur Förderung der Prophylaxe feiert Jubiläum

50 Jahre Verein für Zahnhygiene e.V.

Eine Initiative aus Industrie und Verbänden hatte nur ein einziges Ziel: Die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erheblich zu verbessern, und zwar ohne kommerzielle Ansätze. Das ist perfekt gelungen. Der Verein für Zahnhygiene (VfZ) feiert in diesem Mai seinen 50sten Geburtstag. Anlass genug, über die Geschichte des Vereins zu berichten.

0,7 – so lautet der aktuelle DMFT-Wert für Zwölfjährige, wie aus der gerade abgeschlossenen Vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS IV) hervorgeht. Damit wird das globale Ziel der WHO, nach dem diese Patientengruppe im Jahr 2010 einen DMFT-Wert von maximal 1,0 aufweisen soll, in Deutschland also bereits heute deutlich unterschritten. Ein großer volksgesundheitlicher Erfolg, der nicht zuletzt auf die engagierten Bemühungen von Aufklärungsinitiativen in den letzten Jahrzehnten zurückgeht. Eine Institution, die sich in der Förderung der Prophylaxe von Kindern und Jugendlichen ganz besonders verdient gemacht hat und geradezu als Synonym der zahngesundheitlichen Aufklärung hier zu Lande gilt, feiert jetzt ihr 50-jähriges Bestehen: der Verein für Zahnhygiene e.V. (VFZ)!

Aufklärung als Gründungsgedanke

Ohne sie wäre so manches Kinder- und inzwischen längst auch Erwachsenenlächeln nicht so gesund und schön wie es ist. Denn die allgemeine Verbesserung der häuslichen Oralprophylaxe geht in erheblichem Maße auf die Bemühungen der gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft zurück, die es sich seit jeher zur Aufgabe gemacht hat, die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Zahn- und Mundgesundheit und die Möglichkeiten zu ihrer Erhaltung aufzuklären, Kinder und Jugendliche zum gründlichen Zähneputzen zu motivieren sowie die Notwendigkeit des regelmäßigen Zahnarztbesuches im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Kräftiges Brot stärkt Zähne und Zahnfleisch

Die Geschichte des VFZ, der seinen Sitz 1980 von Frankfurt am Main nach Darmstadt verlegte, liest sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte. Und die begann buchstäblich bei Null: Denn Deutschland hatte Mitte des vorigen Jahrhunderts Aufklärung in Sachen Oralprophylaxe bitter nötig: Karies und entzündliche Erkrankungen von Gingiva und marginalem Parodont waren weit verbreitet – das Wissen um eine effiziente Mundpflege und ihre Wichtigkeit hingegen kaum. So entwickelte der Verein gleich nach seiner Gründung 1957 innerhalb kürzester Zeit ein komplettes Informationsprogramm mit Merkblättern, Plakaten, Dias und Schautafeln für Schüler, Lehrer und Eltern. Darunter befanden sich Broschüren zu Themen wie „Kräftiges Brot stärkt Zähne und Zahnfleisch“ und natürlich „Zweimal täglich Zähneputzen, zweimal jährlich zum Zahnarzt“.

Blendax lieferte die Idee

Die Idee, der ungünstigen Mundhygienesituation in Deutschland mithilfe einer neuen Gemeinschaft entgegenzutreten, stammt von Wilhelm Feldrappe, dem damaligen Direktor der Firma Blendax. Er rief im Jahr zuvor Vertreter von elf Firmen der Zahn- und Mundpflegemittelindustrie zusammen, um eine gemeinsame Strategie zur Förderung der Zahngesundheit zu entwickeln – in Absprache mit der Zahnärzteschaft (damals BDZ) und unter Verzicht auf kommerzielles Konkurrenzdenken und eigennützige Werbung. Das große Vorhaben gelang, und die Aufgabe des neuen Vereins wurde in der Satzung damit beschrieben, „die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Zahngesundheit und die Gefahren, die dem Körper von erkrankten Zähnen drohen, aufzuklären, eine Intensivierung der Zahnund Mundhygiene anzuregen und auf die Notwendigkeit vorsorglicher Zahnbehandlung hinzuweisen“. Bis heute unterstützt der Verein gleichgerichtete Aktivitäten zuständiger Stellen, indem er Aufklärungs-, Lehr- und Lernmaterial entwickelt und Interessierten zur Verfügung stellt.

Zur Schultüte der Zahnpflegebeutel

Besonders im frühen Kindesalter ist auf eine wirkungsvolle Zahngesundheitserziehung zu achten. Deshalb wurde auch der Gruppenprophylaxe von Anfang an ein hoher Stellenwert beigemessen. So erhielten zum Beispiel schon 1958 im Rahmen der erstmalig durchgeführten Woche der Zahngesundheit alle 48 000 hessischen Schulanfänger zur Einschulung als wertvolle Ergänzung zur üblichen Schultüte mit allerlei Naschwerk einen sogenannten Zahnpflegebeutel, der einen Zahnputzbecher, eine kindgerechte Zahnbürste, eine Kinderzahnpasta und eine Putzanleitung enthielt. Die Grundschulen wurden indes mit entsprechenden Lehr- und Lernmitteln versorgt, und die niedergelassenen Zahnärzte konnten kleinere Spielsachen als Ersatz für die noch durchaus gebräuchlichen Belohnungsbonbons (!) anfordern.

Dank der Pionierleistungen des VFZ sind „Zahnpflegebeutelaktionen“ heute längst zu einer Standardmaßnahme in der Förderung der zahngesundheitlichen Aufklärung in Deutschland geworden.

Info- und Lehrmaterialien sind überall bekannt

Die Info- und Lehrmaterialien für Kindergärten und Schulen wurden mit dem wachsenden Erfahrungsschatz der Dentalwelt in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt und stehen heute als didaktisch wertvolle Unterrichtshilfen, die dem letzten Stand des zahnheilkundlichen Wissens Rechnung tragen, maßgeschneidert für die kindlichen und jugendlichen Zielgruppen zur Verfügung – allesamt allgemein anerkannte und geschätzte Leitfäden, erstellt mithilfe kompetenter Pädagogen und Zahnmediziner.

Vielfältige Aktionen und ein Tunnelblick

Doch nicht nur die Entwicklung von Infound Lehrmaterialien stand bei der Arbeit des VFZ von Beginn an auf der Maßnahmenliste. So beteiligten sich der Verein und seine Verantwortlichen im Lauf ihrer Geschichte an der Gründung einer ganzen Reihe neuer Landesarbeitsgemeinschaften zur Förderung der Jugendzahnpflege. Er ist auch heute noch stimmberechtigtes Mitglied in den meisten LAGen – und übt weiterhin eine wichtige Funktion in Sachen Beratung und Weitergabe von Ideen sowie bei der Gestaltung und Lieferung von oben beschriebenen Aufklärungs-, Lern- und Lehrmaterialien aus, die auch sehr preisgünstig zur Verfügung gestellt werden. Gänzlich kostenlos für den Besucher ist der Gang durch den „Kariestunnel“ – ein begehbarer abgedunkelter Raum mit Spiegeln, in dem durch ein vorheriges Auftragen einer Tinktur Kariesbeläge eindrucksvoll sichtbar werden. Erfunden wurde dieses gerade für Kinder spannende und pädagogisch wertvolle Objekt vom VFZ im Jahr 1978 – in immer wieder angepasster und modifizierter Form erfreut sich der Tunnel noch heute größter Beliebtheit.

Tag der Zahngesundheit

Schon sieben Jahre zuvor gelang dem Verein etwas, was der Aufklärung zur besseren Mundhygiene bis heute bundesweit großen Vortrieb leistet: die Schaffung des „Tags der Zahngesundheit“, ein Aktionstag zur gezielten Information der Bevölkerung und Medien, der jedes Jahr am 25. September durchgeführt wird. Nach einer jeweiligen zentralen Auftaktveranstaltung in wechselnden Bundesländern mit Spitzenvertretern der Zahnärzteschaft, der Krankenkassen sowie aus Politik, Wissenschaft und Praxis wird bei zahlreichen lokalen Ereignissen über alles Wesentliche rund um die aktuelle Mundhygienesituation informiert. Der „Tag der Zahngesundheit“ und die vielen weiteren Aufklärungs- und Hilfsinstrumente des VFZ, zu denen heute auch moderne Audio- CDs, Film-DVDs, interaktive Spiele und Lernspielzeug und sogar eine eigene Kinderzahnpasta zählen, werden in Zukunft weiter zu einer Verbesserung der Mundhygienesituation in Deutschland beitragen. „Trotz der steigenden Verbesserung der Zahngesundheit in Deutschland gibt es noch viel zu tun“, weiß auch der amtierende Geschäftsführer Dr. Matthias Lehr, der diese Position im Jahr 2000 nach 35- jähriger Amtsführung von VFZ- „Urgestein“ Friedrich Römer übernahm. Denn die Zielsetzung des Vereins für Zahnhygiene e.V. hat sich bei aller Vielfalt der Maßnahmen in den letzten 50 Jahren schließlich nicht geändert: die Mundgesundheit in Deutschland mit allen Kräften zu fördern!

Verein für Zahnhygiene e.V.
Dr. Matthias Lehr
Liebigstraße 25
64293 Darmstadt
info@zahnhygiene.de

Arbeitskreis Zahnmedizinische Information (AZI)

Im Jahr 1969 schlug der VFZ auch die Gründung eines Ausschusses vor, der die zum Teil unterschiedlichen Aussagen in der Zahngesundheitserziehung auf eine Formel bringen sollte – bekannt ist er seit 1989 unter dem Titel „Arbeitskreis Zahnmedizinische Information“. 1979 gründete der Verein zudem die Fachzeitschrift „Kariesprophylaxe“, die 1983 in „Oralprophylaxe“ umbenannt wurde. In der Dentalwelt ebenfalls sehr anerkannt ist die „Tholuck-Medaille“ des VFZ, eine Auszeichnung für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Zahngesundheitserziehung, die seit 1973 bereits 25 Mal an engagierte Förderer der Mundhygiene übergeben wurde. Im Jahr der ersten Verleihung gab der Verein auch erstmals Lernund Unterrichtseinheiten sowie Kurzfilme heraus, aus denen ein zahngesundheitliches Curriculum entstand, das bis heute bundesweit in Gebrauch ist. Bis in die 90er Jahre fanden außerdem noch vom VFZ organisierte und hoch angesehene Fachtagungen statt – seit 1967 unter der Überschrift „Mundhygiene und Zahngesundheit“ bis zur „Kariesprophylaxe aktuell“ (gemeinsam mit der DMKG) im Jahr 1997.

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