50 Jahre Zahnärztlicher Dienst der Bundeswehr

Ein Blick zurück und nach vorn

Im Jahre 2005 feierte die Bundeswehr ihr 50-jähriges Bestehen, ein Jahr später ihr Sanitätsdienst. Ab dem 10. Juli 2007 kann auch der Zahnärztliche Dienst der Bundeswehr auf das runde Jubiläum zurückschauen. Aus diesem Anlass ein Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft.

Aus heutiger Sicht ist es selbstverständlich: Ein strukturierter Zahnärztlicher Dienst der Streitkräfte der Bundeswehr kümmert sich um die Mundgesundheit und zahnmedizinische Versorgung der Truppen. Derzeit sind das rund 400 Sanitätsoffiziere Zahnarzt, mehr als 1 200 militärische und zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 220 Behandlungseinrichtungen.

Humanmedizin, Veterinärwesen, Wehrpharmazie und Zahnmedizin bilden zusammen das Sanitätswesen der Bundeswehr. Alle vier Approbationen sind in einem einheitlichen Sanitätsoffizierskorps vereint und formal gleichberechtigt. Dies wurde am 10. Juli 1957 in der 162. Sitzung des Ausschusses für Verteidigung beschlossen – das Datum gilt als offizielle „Geburtsstunde“ des Zahnärztlichen Dienstes, nachdem ein Jahr zuvor , am 11. April 1956, über den Status der Militärärzte als Sanitätsoffiziere entschieden wurde. Erstmals in der deutschen Geschichte ist seitdem die Zahnmedizin integraler Bestandteil des Sanitätsdienstes.

Dem ging ein langer Weg voraus. Die ersten Ansätze einer spezifisch militärzahnärztlichen Versorgung entstanden gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Ersten Weltkrieg kamen erstmals Zahnärzte im Status oberer Militärbeamter zum Einsatz, deren Strukturen aber insgesamt uneinheitlich waren. Gleiches galt im Zweiten Weltkrieg, wo die Dienststellung und Dienstgrade in den Teilstreitkräften der Wehrmacht insgesamt kein einheitliches Bild ergaben. So waren zum Beispiel nur in der Luftwaffe Zahnärzte in das Sanitätsoffizierskorps integriert und den Ärzten gleichgestellt. Die Folge: eine insgesamt uneinheitliche Versorgung der Soldaten durch unklare Zuständigkeiten.

Einheitliche neue Strukturen

Mit der neu gegründeten Bundeswehr wurden diese Probleme beseitigt und mit Gründung des einheitlichen Sanitätsoffizierskorps für alle vier Approbationen der Grundstein für moderne Arbeits- und Einsatzstrukturen geschaffen.

Nachdem im Jahre 1957 im Bundesministerium der Verteidigung ein Referat Zahnmedizin gegründet wurde, nahmen ab März 1958 die ersten Zahnstationen ihre Arbeit auf. Der damalige „zahnärztliche Dienst“ – so lautete der inoffizielle Arbeitsbegriff – war in den Teilstreitkräften des Heeres noch nicht einheitlich gegliedert. Heute ist das anders: Die Zahnarztgruppen sind Teileinheiten der Sanitätseinrichtungen des Zentralen Sanitätsdienstes und arbeiten – unabhängig von der truppendienstlichen Unterstellung – unter der fachlichen Aufsicht von derzeit insgesamt vier sogenannten Kommandozahnärzten. Die nächsthöheren fachlichen Ebenen bilden die Abteilung VI imSanitätsamt der Bundeswehr unter der Leitung des Inspizienten Zahnmedizin und des ebenfalls dort angesiedelten Begutachtenden Zahnarztes der Bundeswehr sowie ein zuständiges Referat im Führungsstab des (Inspekteurs des) Sanitätsdienstes im Bundesministerium der Verteidigung.

Gerade in der Anfangszeit litt der Zahnärztliche Dienst unter Personalmangel, was sich erst in der 80er-Jahren änderte. Zur Entspannung des Problems trug vor allem die im Jahre 1969 eingeführte Laufbahn der Sanitätsoffizieranwärter bei, die seit Wintersemester 1973/74 unter Zuteilung eines Studienplatzes erfolgte. Heute ist die Personalsituation ausgeglichen – als Folge der Verkleinerung der Bundeswehr, aber auch der verschlechterten Berufsaussichten für Zahnärzte im zivilen Bereich.

Kraft und Pioniergeist

Wichtige organisatorische Aufgaben waren der Aufbau und die Konsolidierung des zahnärztlichen Dienstes in den neuen Bundesländern nach der deutschen Wiedervereinigung. Es galt, entsprechende Strukturen und Standards aus dem Erbe der Nationalen Volksarmee (NVA) heraus zu schaffen und neu zu organisieren – ein Kraftakt, der viel Pioniergeist erforderte.

Der Zahnärztliche Dienst spielt bei Auslandseinsätzen eine wichtige Rolle. Bei humanitären Einsätzen, zum Beispiel der Erdbebenhilfe in Italien (1980/81), konnten Erfahrungen gesammelt werden. Heute sind zahnärztliche und oralchirurgische Behandlungseinheiten fester Bestandteil der Feldlazarette. Seit den 90er-Jahren geht es verstärkt um UN-Missionen, die die Zahnärztinnen und Zahnärzte der Bundeswehr vor besondere Herausforderungen stellen. Zu nennen sind Einsätze in Kambodscha (1992) und Somalia (1993) sowie die verschiedenen UN-Beteiligungen der Bundeswehr in Bosnien-Herzegovina, im Kosovo, in Afghanistan oder bei diversen Einsätzen auf See. Unterm Strich gesehen waren und sind hier die deutschen Militärzahnärzte stark in die Versorgung auch ausländischer Soldaten eingebunden, was nicht zuletzt positive Rückschlüsse auf die Akzeptanz der gut funktionierenden deutschen Strukturen zulässt.

Kontakt zu zivilen Kollegen

Von großer Bedeutung ist die kollegiale und fachliche Pflege der Beziehungen zu den zivilen Kollegen, zu den zahnärztlichen Standesorganisationen und zur Wissenschaft. Die Zahnärzte der Bundeswehr stellen im Gegensatz zu den Anfängen keine abgekapselte Gruppe mehr dar, sondern sind durch Mitgliedschaft in den Kammern und berufsständischen Organisationen (der Inspizient Zahnmedizin ist zum Beispiel regelmäßiger Gast bei den Vorstandssitzungen der Bundeszahnärztekammer) gut integriert. Überdies erfolgt der Besuch von zivilen Fortbildungsveranstaltungen und der Austausch mit niedergelassenen Kollegen vor Ort. Mit Blick in die Zukunft steht der Zahnärztliche Dienst vor zahlreichen neuen Herausforderungen. So wird die neue Approbationsordnung für Zahnärzte die Zahnmedizin wieder deutlicher als bisher zu einem Teilgebiet der Medizin machen. Ein ganzheitlicher Ansatz in Diagnostik und Therapie sowie Interdisziplinarität sind Denkstrukturen, die auch im Sanitätsdienst der Bundeswehr immer mehr Fuß fassen.

Die Anforderungen an Fort- und Weiterbildung sind in der Zahnmedizin gestiegen. Die Theorie des lebenslangen Lernens greift immer mehr. Für den zahnärztlichen Dienst bedeutet das neben der Nutzung des breit gefächerten Fortbildungsangebots der   eine noch engere Verzahnung mit den Fort- und Weiterbildungsangeboten im zivilen Bereich. Vor allem die zahnärztliche Chirurgie und Traumatologie sind für die  -Zahnärzte wichtige Felder.

Ein Schwerpunkt der täglichen Arbeit besteht darin, die „dental fitness“ der Soldatinnen und Soldaten für den Einsatz herzustellen. Ziel ist es, alle Zeit- und Berufssoldaten wie auch die freiwilligen Wehrdienstleistenden regelmäßig mindestens einmal pro Jahr in den Behandlungseinrichtungen untersuchen zu können, um die Einsatzfähigkeit zu garantieren. Auch gilt es, Risiken für zahnärztliche Erkrankungen im Einsatz, vor allem in Stresssituationen oder bei extremen klimatischen Bedingungen, wissenschaftlich zu untersuchen.

Die nötige Offenheit für Veränderungen, um die Mundgesundheit der Truppenmitglieder im Einsatz und im Heimatstandort weiter zu optimieren, ist dem Zahnärztlichen Dienst ein wichtiges Anliegen und stellt den Motor für künftige Weiterentwicklungen dar.

INFO

Grußworte zum Jubiläum

„Ein umfassender fachlicher und berufspolitischer Austausch ist gewährleistet, der den Blick für gegensetige Problemlagen schärft und der auf der Suche nach gemeinsamen Lösungsansätzen so wichtig ist.“
Dr. Dr. Jürgen Weitkamp,
Präsident der BZÄK

„Denkbar wäre eine wissenschaftlich orientierte Arbeitsgruppe von interessierten Zahnärztinnen und Zahnärzten der Bundeswehr, die durchaus unter dem Dach der DGZMK angesiedelt sein könnte.“

Prof. Dr. Georg Meyer,
Präsident der DGZMK

 


INFO

Auftrag des Sanitätsdienstes

Zentraler Auftrag des Sanitätsdienstes ist es, die Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten zu schützen, zu erhalten und wiederherzustellen. Dieses gilt insbesondere für Auslandseinsätze, in denen gesundheitliche Gefahren drohen, denen Soldaten im Inland nicht ausgesetzt sind. Es gilt die Maxime, den Soldaten im Falle einer Erkrankung, eines Unfalles oder einer Verwundung im Auslandseinsatz eine medizinische Versorgung zuteil werden zu lassen, die im Ergebnis dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht. Dieser Anspruch gilt für das gesamte Spektrum medizinischer Versorgungsleistungen. Der Sanitätsdienst stellt mit seinen Kräften und Mitteln auch die medizinische Versorgung der Soldaten im Inland sicher. Sanitätsdienst der Bundeswehr


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