Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

neue Wettbewerbsbedingungen für den Zahnarzt in Deutschland und die wachsenden Einflüsse auf das Gesundheitswesen aus Europa stellen Weichen. Veränderung ist angesagt. Der Prozess begann schleichend, zunächst kaum merklich. Doch Entwicklungen wie das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz, GKV-WSG, Evidence Based Medicine und Dentistry, Public Health, die Vielfalt neuer Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Spezialisierungen, Verbraucherschutzaspekte – die Latte lässt sich übrigens noch endlos weiterführen – ziehen ihre Kreise und hinterlassen im Beruf ihre Spuren. Neue Kooperationsformen werden möglich, Zahnmedizin vernetzt sich immer mehr mit der Medizin, eine immer älter werdende Bevölkerung erfordert neue Behandlungsbedarfe und Praxiskonzepte für den Zahnarzt wie auch für sein Team.

Zeit, seine eigene Position als Zahnarzt neu zu überdenken. Was kann ich? Wo will ich als Unternehmer hin? Worauf gründe ich mein Praxiskonzept? Eine Zahnarztpraxis als erfolgreiches Unternehmen zu führen, verlangt Fach- und Sozialkompetenz, Spezialwissen, Kreativität und Mut zur Veränderung. Es gilt, Nischen zu finden und Trends zu erkennen. Dazu gehört eine gehörige Portion Eigenreflexion, um seine Stärken und Schwächen richtig einzuschätzen und sie in einem darauf zugeschnittenen Praxisprofil umzusetzen, wie die Titelgeschichte zeigt.

Das Ganze geht noch einen Schritt weiter: Selbsterkenntnis impliziert auch, seinen persönlichen Platz im Leben zu finden. Wie verstehe ich mich als Heilberufler? Welche Rolle nehme ich im gesellschaftlichen Kontext ein? Wie fasse ich meinen Beruf überhaupt auf? Vor diesem Hintergrund kommt der gerade in jüngster Zeit wieder neu geführten Diskussion in den zahnärztlichen Gremien um die Freiberuflichkeit neue Bedeutung zu. Nicht um vermeintlich vermufft alte Positionen wiederzubeleben, sondern um sich angesichts des Wandels in der Profession als Berufsstand neu zu positionieren.

Qualität, Freiheit, Heilen und Vertrauen – das sind die vier Schlüsselbegriffe, die zum Beispiel die Referenten für Öffentlichkeitsarbeit der Kammern und KZVen auf ihrem Workshop in Berlin (davon mehr im Heft) als Grundwerte definiert haben, um die freiberuflichen Belange des Zahnarztes nach innen wie nach außen zu benennen und zu kommunizieren. Sich privat wie beruflich fest zu verankern, aus inneren Potenzialen zu schöpfen, um sich bisher verborgene Fähigkeiten, Kenntnisse, Erfahrungen und Talente zunutze zu machen. In diesem Sinne kann Freiberuflichkeit als Anker dienen, um sich sowohl in der Rolle als einzelner Zahnarzt wie auch als Berufsstand zu definieren.

Doch in allererster Linie geht es darum, seinen eigenen Standpunkt für sich zu finden und festen Boden unter den Füßen zu fühlen. Im Leben wie im Beruf. Mit seinem eigenen, ganz persönlichen Anker.

Mit freundlichen Grüßen

Gabriele Prchala
Chefin vom Dienst