Fernost sorgt für Verwirrung in puncto Zähneputzen

Zahnpasten aus China aus dem Verkehr gezogen

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion haben die spanischen, italienischen sowie englischen Behörden blitzschnell reagiert, nachdem an mehreren Stellen im jeweiligen Land Zahnpasten mit Diäthylenglycol (DEG) entdeckt worden waren. Die Pasten, die in Spanien auftauchten, enthielten bis zu 8,3 Prozent des für den menschlichen Organismus äußerst toxischen Stoffes, der sonst als Frostschutzmittel Anwendung findet.

Die Behörden zogen in mehreren Teilen Spaniens insgesamt bislang rund 200000 und in Südtirol 20 000 Tuben Zahnpasta ein: Importe aus China, mit für den Europäer kaum lesbarem Aufdruck. Das einzige, was dem nicht des Chinesischen mächtigen Endverbraucher ins Auge stach, war das Logo von Colgate, einer Marke, die für Qualität steht und ihn deshalb wohl zur Tube greifen ließ. Die Verunreinigung fiel auf, weil sich einige Endverbraucher gemeldet hatten und über Reizungen, in einem Fall sogar über eine allergische Reaktion nach dem Zähneputzen klagten. Alle Tuben waren vorwiegend auf Märkten zum Verkauf angeboten worden. Sie trugen die Aufschrift Spearmint und Spearmint Tri Leaf. Als Ursprungsland wurde China angegeben.

Das Zahnputzmittel war appetitlich verpackt, es enthielt aber nicht nur Schleifkörper, Minzgeschmack, Fluoride und Schäumungsmittel, sondern auch Frostschutzmittel. Und zwar zwischen 7 und 8,3 Prozent. Ein Stoff, der hoch toxisch ist, wie aus den Angaben einer Risikobewertung des globalen Safety-Statements der Firma Procter & Gamble hervorgeht. Hierin steht: „... kurzkettige Glycole wirken mäßig reizend an Haut und Schleimhäuten, so dass mit erhöhten Penetrationsraten bei verletzter Schleimhaut im Buccalbereich gerechnet werden muss ...“ Eine Gesundheitsgefahr besteht besonders für Kinder, Schwangere und Kranke. Es können Schwindel, Erbrechen sowie Nieren- und Leberschäden auftreten, wie die zuständigen EU-Behörden mitteilten.

Procter&Gamble produziert auch in China, aber nur für den dortigen und den übrigen asiatischen Markt. „... und das nach dem Sicherheitsstandard, wie er für alle unsere Produkte weltweit üblich ist“, geht es aus einem Interview mit der Firma hervor.

Nach Recherchen der Zahnärztlichen Mitteilungen ist der Deutsche Markt nicht betroffen. Auch die Verbraucherzentrale läutet noch nicht die Alarmglocken, sondern beobachtet und steht in ständigem Kontakt mit der Europäischen Kontrollbehörde. Die zm befragten deutsche Hersteller: Procter & Gamble konnten mit einer expliziten Presseerklärung aufwarten, laut der keines der Produkte des Hauses betroffen sei. Von Gaba kam trotz mehrmaliger Nachfrage keine Antwort, während Colgate, um deren Produkte es sich ja vorwiegend handelte, eine ganz klare Aussage macht: „Es sind keine Produkte, die im Namen unseres Hauses hergestellt wurden, sondern reine Fälschungen, denen unser Logo aufgedruckt wurde. Der deutsche Markt ist nicht betroffen!“, so Dr. Michael Warncke von der Colgate GmbH in Hamburg.

Vorsicht vor Einkauf auf dem Floh- oder Billigmarkt

Aber auch GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, Bühl, ist betroffen. Auf Flohmärkten und Billigketten in Großbritannien wurden 50-ml-Zahnpastatuben entdeckt, die einen Aufdruck in englischer und arabischer Sprache zeigten und als Sensodyne Original oder Sensodyne Mint Touthpaste, also als Marke des Hauses deklariert wurden. Auch hier handelte es sich um Fälschungen, die schnellstmöglich aus den Ladenregalen und den Verkaufstischen entfernt wurden. Die Anzahl der Tuben war wesentlich geringer als im Falle Colgate. Die Firma: „Wir verfolgen die Sache sehr genau, aber in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bislang keinerlei dieser Produkte aufgetaucht“, sagt Dr. Stephan Noé gegenüber den zm.

Der Tipp des Herstellers: „Achten Sie auf die Beschriftung der Packung. In den deutschsprachige Ländern wird Sensodyne ® Zahncreme ausschließlich mit deutscher Packungsbeschriftung und in der Schweiz mit deutsch/französischem Aufdruck verkauft.“

Die Plagiate aus China gelangen massenweise auch nach Panama, auf den US-Markt sowie in die Dominikanische Republik, nach Japan und Kanada. Vor allem in den USA hat der Zahnpasta-Skandal hohe Wellen geschlagen. Dort fordern die Bundesbehörden bereits seit Wochen dazu auf, die Zahncreme „Made in China“ in den Mülleimer zu befördern.

Professor Dr. Hannig, Homburg/Saar, bei der DGZ (Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung) zuständig für Prophylaxefragen im Gespräch mit den zm: „Ich empfehle dem Endverbraucher, genau auf die Zahnpastaverpackung und die Tube zu schauen. Diese müssen sowohl das Herstellungsland als auch die Ingredienzien sowie ein Verfallsdatum aufweisen. Mitgebrachte Tuben aus dem Urlaub bei Unsicherheit lieber entsorgen und zum einheimischen Produkt greifen. Der Zahnpastaeinkauf sollte im Fachgeschäft und nicht in Billigketten oder gar auf dem Flohmarkt erfolgen. Auf keinen Fall sollte aus Furcht vor „vergifteten“ Zahnpasten das regelmäßige Zähneputzen vernachlässigt werden. Dieses gilt auch für Kinder!“

Zahnpasten enthalten alle zu einem geringen Anteil Glycol, einen kurzkettigen Alkohol, der die Geschmeidigkeit als Feuchthaltemittel des Zahnpflegemittels gewährleistet. Dieser ist aber völlig unbedenklich und von den Behörden zugelassen. Technisches Glycol, das in der Großindustrie Verwendung findet, enthält in geringen Spuren Diäthylenglycol, das auch als Frostschutzmittel bekannt ist und aus dem großen Weinskandal Ende der 90er-Jahre noch in aller Gedächtnis ist. So vermuten nun die zuständigen Behörden, dass es sich bei den „vergifteten“ Zahnpasten nur um einen Irrtum bei der Produktion und nicht um eine vorsätzliche Verunreinigung der Pasten handelt. Dass allerdings gefälschte Produkte mit bekannten Herstellerfirmen-Logos verwendet wurden, bleibt unbestritten.

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