16. Zahnärztetag in Mecklenburg-Vorpommern

Vorstoß für eine bessere Pflege

Aktueller hätte der gesellschaftliche Bezug des Zahnärztetages in Mecklenburg- Vorpommern (31.8. bis 2.9.2007 in Warnemünde) nicht sein können: Das Thema „Stand und Entwicklung der zahnärztlichen Prothetik“ stützt, aufbauend auf den Erkenntnissen, Herausforderungen und Konsequenzen der DMS IV-Studie für den Praxisalltag, die breit diskutierte Forderung, Missständen in deutschen Pflegeheimen abzuhelfen – ganz gezielt aus zahnärztlicher Sicht.

Die Kritik des Medizinischen Dienstes an den Zuständen in Deutschlands Pflegeheimen, war direkt vor Beginn der Veranstaltung Topthema der Nachrichten, damit auch sinnvoller Aufhänger für das traditionelle Pressegespräch zum ausgebuchten Zahnärztetag: „Während mobile Senioren gut versorgt sind, werden Patienten in Alten- und Pflegeheimen sowie häuslich gepflegte Patienten unzureichend betreut“, beklagte Mecklenburg-Vorpommerns Zahnärztekammerpräsident und BZÄK-Vizepräsident Dr. Dietmar Oesterreich vor Journalisten. In der Pflege spiele die Mundgesundheit nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Obwohl die Versorgung in diesen Bereichen sehr aufwändig sei und „völlig unzureichend vergütet“ werde, will die Zahnärztekammer mit entsprechenden Pilotprojekten und „flächendeckender Intensivierung der zahnärztlichen Betreuung von Alten- und Pflegeheimen hier Abhilfe schaffen“. Bisher kümmern sich 184 Patenschaftszahnärzte um die Heimbewohner der 146 vollstationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen des Landes.

In seinem Vorstoß zur Verbesserung der Pflege forderte Oesterreich Kranken- und Pflegekassen, Pflegeeinrichtungen und Ministerien auf, diese freiwillige Initiative zu unterstützen. Die demografischen Veränderungen müssten endlich in den „Mittelpunkt des Solidarsystems“ gestellt werden. Erforderlich sei die Einrichtung von ärztlichen/ zahnärztlichen Behandlungszimmern in den Heimen oder auch die Anschaffung mobiler Dentaleinheiten. Die DMS IV zeige auf, dass „Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko haben. „Regelmäßige Untersuchung und Betreuung bei Senioren – auch zur Erkennung schwerwiegender Krankheiten, ist daher unabdingbar“.

Diskussion um Dogmen

Bedingt durch den auch im Alter zunehmenden Zahnerhalt nehme „hochwertige prothetische Versorgung auch zukünftig in der Zahnmedizin einen hohen Stellenwert ein“, betonte Prof. Dr. Heinrich von Schwanewede von der Universität Rostock als in diesem Jahr zum siebten Mal mit der wissenschaftlichen Leitung des Zahnärztetages betrauter Koordinator. Der im Rahmen der Tagung von der Vorsitzenden der Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Prof. Dr. Rosemarie Grabowski mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnete von Schwanewede präsentierte gemeinsam mit wissenschaftlichen Fachleuten aus allen Teilen Deutschlands und der Schweiz ein praxisnah zusammengestelltes Programm. Es befasste sich – neben aktuellen Fragen vom Stand der Werkstoffkunde über Endodontologie bis zu neuesten Erkenntnissen bei CAD-CAM-Lösungen – sowohl mit der aktuellen Bewertung von „Dogmen“ in Therapieplanung und -entscheidung, mit Komplikationen und unkonventionellen Lösungen aus allen Bereichen der Prothetik, aber auch mit dem Für- und Wider, den Risiken und dem Nutzen prothetischer Behandlungsmethoden und -technologien.

Feststellbar sei, so von Schwanewede, dass „die Behandlungsfälle zunehmend komplexer werden“, mit entsprechenden Folgen nicht nur therapeutischer, sondern vermehrt auch haftungsrechtlicher Art. Schon von daher habe „die Definition des aktuellen zahnmedizinischen Erkenntnisstandes eine besonders aktuelle Relevanz.“ Dabei relativierte von Schwanewede allerdings die Erwartungshaltungen heute meist gut informierter Patienten: „Garantien gibt es in der Medizin und Zahnmedizin prinzipiell nicht. Auch die Verpflichtung zu einem Heilerfolg besteht nicht. Wohl aber schuldet der Zahnarzt seinen Patienten eine Behandlung nach den aktuellen Standards der Zahnmedizin.“ Und die wurden auf dem Mecklenburg-Vorpommerschen Zahnärztetag ausführlich und qualifiziert diskutiert.


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