Fondsgebundene Lebensversicherung

Risiko mit Steuerbonus

Die für 2009 beschlossene Abgeltungssteuer birgt vor allem für Gutverdienende positive Nebeneffekte. Darüber freut sich besonders die Gilde der Assekuranzunternehmen. Denn die fondsgebundene Lebensversicherung gelangt dank der neuen Steuerbestimmungen zu unverhofften Ehren.

Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet die Verbraucherschützer sich doch einmal dazu hinreißen lassen, der fondsgebundenen Lebensversicherung etwas Gutes abzugewinnen? Der Grund für die Freude verbirgt sich in den Regeln der für Januar 2009 beschlossenen Abgeltungssteuer. Sie wird sich auf diese Variante der Lebensversicherung positiv auswirken. Denn die Erträge aus Dividenden und Kursgewinnen bleiben in der Ansparphase steuerfrei. Darüber freuen sich vor allem die Sparer, die ihren Freibetrag in Höhe von 750 Euro pro Person schon ausgenutzt haben. Doch allen Steuervorteilen zum Trotz: Die Qualität der Versicherung spielt nach wie vor eine entscheidende Rolle.

Eine fondsgebundene Lebensversicherung dient der Altersvorsorge. Über einen langen Zeitraum spart der Versicherte Kapital an, um das finanzielle Auskommen im Ruhestand zu sichern. Doch anders als bei der klassischen Schwester der Kapitallebensversicherung überweist der Kunde nicht einfach regelmäßig seinen Beitrag und die Gesellschaft investiert das Geld nach ihren eigenen Entscheidungen.

Die Fondspolice kombiniert die normale Lebensversicherung mit einem Fondsparplan. Das Geld, das nach Abzug der Kosten für Provision, Verwaltung sowie Versicherungsschutz übrig bleibt, legt der Manager in einen oder verschiedene Fonds an. Die meisten Fonds investieren in Aktien. Das ist sinnvoll, denn damit lassen sich die besten Renditen erzielen. Sie bergen aber auch die höchsten Risiken.

Für weniger Wagemutige eignen sich offene Immobilien und Rentenfonds. Der Kunde wählt die Fonds, die für ihn in Frage kommen, selbst aus. Je nach Versicherung trifft er seine Entscheidung unter einer mehr oder weniger großen Auswahl. Viele Versicherer bieten neben der direkten Wahl die Möglichkeit, sich zwischen verschiedenen Strategien zu entscheiden, so dass risikofreudige und konservativ anlegende Versicherte die für sie angemessene Art der Anlage finden. Die Kunden der Hannoverschen Leben zum Beispiel können sich für einen sogenannten Target Fonds – ein Zielsparfonds – entscheiden. Fonds dieser Art richten ihre Anlagestrategie nach dem Lebensalter des Kunden aus. Zu Beginn investieren sie in aussichtsreiche Aktien.

Sicher anlegen

Je näher sich der Sparplan dem Ende der Laufzeit nähert, desto stärker legt der Manager des jeweiligen Fonds das Kapital in sichere Werte wie Renten oder Geldmarktfonds an. Wer seine Investitionen selbst managen will, kann von risikoreichen Fonds in risikoärmere wechseln und das häufig ohne Aufgeld.

Einmal kostenlos im Jahr umschichten, das bietet die Europa für ihre Life-Invest-Police. Die Kunden der Hannoverschen Leben dürfen das sogar dreimal pro Jahr. Dabei verzichten beide Gesellschaften auf die Ausgabeaufschläge von bis zu 5,25 Prozent. Entscheidend für die Qualität einer Versicherung ist daher die Auswahl der Fonds und die Flexibilität, die das Unternehmen seinen Kunden gewährt.

Die Neue Leben erlaubt sechs kostenlose Wechsel pro Jahr. Reicht das nicht, geht es auch häufiger. Dann allerdings kostet es jedes Mal 25 Euro.

Das Sparguthaben aus den Beiträgen, das in Investmentfonds investiert ist, wird von konzerneigenen oder externen Fondsgesellschaften verwaltet. Es gehört zum Sondervermögen und wird in einem separaten Anlagestock der Versicherung geführt. Gerät das Unternehmen in Schwierigkeiten, bleiben diese Gelder außen vor. Sie sind also sicher. Am Ende der Laufzeit kann der Sparer dann wählen, ob er den angesparten Betrag in einer Summe ausgezahlt haben will oder ob er lieber jeden Monat bis zum Lebensende einen festen Betrag zur Aufbesserung seiner Alterseinkünfte bekommt.

Entwickeln sich die Fonds gut, fällt die Rente umso höher aus. Umgekehrt, bricht die Börse ein, drohen Verluste, die sich dämpfend auf die Zahlung am Ende auswirken. Deshalb lautet auch einer der Hauptkritikpunkte, die die Verbraucherschützer der Fondspolice entgegenhalten, dass die Versicherer das gesamte Risiko auf die Kunden übertragen.

Ein weiterer Nachteil kann sich je nach Börsenlage schmerzhaft für die Anleger auswirken: Anders als bei der herkömmlichen Kapitallebensversicherung sichert kein Garantiezins die Erträge aus der Geldanlage nach unten ab. Zwar beträgt der Garantiezins für die klassische Lebenspolice derzeit nur 2,25 Prozent. Doch die sind zumindest sicher, denn wird diese Marge aus den laufenden Erträgen nicht erreicht, müssen die Versicherer aus den stillen Reserven nachlegen, um die Vorgabe zu erfüllen. Inzwischen bieten einige Gesellschaften auch Garantien für Fondspolicen an. Doch die drücken naturgemäß die Rendite. Den Teil der Beiträge, der Mindesterträge sichern soll, legen die Manager in sichere Papiere wie Renten an, deren Renditen entsprechend niedrig ausfallen.

Für die Entwicklung der Fonds zeichnen die Gesellschaften nicht verantwortlich. Weder sie noch sonst irgendjemand kann über einen Zeitraum von 20 oder 30 Jahren voraussehen, wie sich die Börse oder die Zinsen entwickeln werden. Aus diesem Grund eignet sich die Fondspolice auf keinen Fall als Grundstock für die Altersvorsorge. Dafür gibt es zu viele Unwägbarkeiten. Vielmehr taugt sie eher als Aufgeld für eine bereits solide abgesicherte Rente, die sich bei Selbstständigen, wie etwa Zahnärzten, aus den Zahlungen des Versorgungswerks und vielleicht anderweitigen Einnahmen, zum Beispiel aus Vermietung und Verpachtung, zusammensetzen kann.

In trockenen Tüchern

Ist das Altersruhegeld in trockenen Tüchern, brauchen sie sich nicht zu scheuen, die Beiträge für die Fondspolice in überdurchschnittliche aber risikobehaftete Fonds zu investieren, höhere Renditen mitzunehmen und gegen Ende der Laufzeit steuerfrei in Rentenfonds zu wechseln. Bei den meisten Gesellschaften sind auch Sonderzahlungen möglich.

Wer also am Ende des Jahres noch ein Plus auf seinem Konto findet, kann zum Beispiel bei der Europa Versicherung zweimal jährlich Beträge von mindestens 500 und maximal 50 000 Euro auf sein Konto bei der Versicherung überweisen und damit weitere Fondsanteile erwerben. Die Neue Leben akzeptiert bei Verträgen mit laufender Beitragszahlung einmal pro Vierteljahr mindestens 500 Euro. Flexibler gibt sich die Hannoversche Leben. Ihre Kunden können mit Beträgen ab mindestens 200 Euro in beliebiger Höhe jederzeit ihr Guthaben aufstocken. Der Fiskus belohnt den Spareifer. Denn von der 25-prozentigen Abgeltungssteuer ist der Fondspolicen-Sparer nicht betroffen. Kursgewinne und Dividenden bleiben in der Ansparphase frei.

Gefahr droht an einer anderen Seite: Wie bei jeder Lebensversicherung steckt auch hier der Teufel in den Kosten. Sie fallen bei den meisten Unternehmen in den ersten Jahren an, so dass der größte Teil der Beiträge für Provisionen und andere Aufwendungen verloren geht. Wer also vorzeitig aus seiner Versicherung aussteigt, hat viel Geld verloren und dazu kassiert der Fiskus dann auch noch seinen Anteil von der ausgezahlten Summe. Hier zeigen sich die Vorteile eines Fondssparplans. Gebühren fallen auch hierbei an: Aufgeld beim Kauf, Managementgebühren und mehr. Aus dieser Anlage kann der Sparer aber jederzeit ohne Verlust aussteigen. Allerdings schlägt bei dieser Methode die Abgeltungssteuer zu. Inzwischen verteilen einige Assekuranz-Gesellschaften die Provisionen auf einen längeren Zeitraum. Sie werden gerne Auskunft auf die Fragen ihrer Kunden zu diesem Thema geben.

Wer die Laufzeit seiner Fondspolice durchhält, kann sich am Ende entscheiden, ob er das angesparte Kapital in einer Summe ausgezahlt haben will oder ob er sich für eine lebenslange Rentenzahlung aus der Police entscheidet. Die Rente schneidet steuerlich betrachtet am besten ab. Denn wie bei der klassischen Rentenversicherung ist dann nur der Ertragsanteil der Rente steuerpflichtig. Seine Höhe hängt vom Alter des Empfängers ab. So beläuft er sich bei einem 65- Jährigen auf 18 Prozent der Rente. Das bedeutet, dass 82 Prozent der Rente steuerfrei ausgezahlt werden. Da bleiben zum Beispiel bei einer Rente von 500 Euro im Monat 410 Euro übrig, von denen der Fiskus die Finger lässt.

Wer sich hingegen für einen Fondssparplan entschieden hat, der bislang im Vergleich mit der Versicherung immer die Nase vorn hatte, macht ab 2009 schmerzliche Erfahrungen. Eigentlich sah die Planung für die Rente des Fondssparers so aus, dass er regelmäßig Anteile seiner Fonds verkauft, um so seine Einkünfte aufzubessern. Um das Kapital mit ruhigem Gewissen bis zur Auszahlung liegen zu lassen, schichtet er von Aktienfonds in Rentenfonds um. Ab 2009 zahlt er pro Verkauf 25 Prozent Abgeltungssteuer auf die Kursgewinne und das bleibt so bis er seinen letzten Anteil verkauft hat.

Für Policensparer sieht die Rechnung am Ende der Vertragslaufzeit ganz anders aus. Sie können, wenn sie auf die Rentenzahlung verzichten, ihre Fondsanteile auf einmal verkaufen. Dann bleibt die Hälfte der Summe abgabenfrei. Voraussetzung ist allerdings, dass der Versicherte mindestens 60 Jahre alt ist und der Vertrag seit zwölf Jahren besteht. Über die lange Laufzeit rentiert sich die Fondspolice mehr als der Fondssparplan.

Unterschied deutlich

Eine Vergleichsrechnung der Verbraucherzentrale Bremen mit den Daten der auf Versicherungen spezialisierten Rating-Agentur Morgen & Morgen aus Hofheim im Taunus macht den Unterschied deutlich. Danach summiert sich ein Fondssparplan mit einer Laufzeit von 30 Jahren, monatlicher Einzahlung von 100 Euro, einer Rendite von drei Prozent und einer Wertsteigerung von vier Prozent am Ende auf 112 000 Euro. Bei einer Fondspolice, die ein Mann ebenfalls über 30 Jahre mit monatlich 100 Euro bedient, und eine Wertsteigerung der Fonds von sieben Prozent unterstellt, bleiben am Ende nach Steuern von der Ablaufleistung inklusive Überschüsse 99 189 Euro übrig. Von der Endsumme des Fondssparplans hingegen zieht der Fiskus 25 Prozent ab. Auf dem Konto stehen nur 81 700 Euro, ein Minus von 17 489 Euro.

Wer sich für die Auszahlung des Kapitals entscheidet, sollte auf den richtigen Zeitpunkt achten. Stehen die Kurse zum vereinbarten Zeitpunkt gerade im Keller, dürfte es kein Problem sein, den Vertrag um bis zu fünf Jahre zu verlängern und beitragsfrei zu stellen. Steigen während dieser Frist die Kurse wieder, verkauft der Kunde seine Anteile einfach nach und nach. Manche Versicherungen bieten in solchen Fällen auch die Möglichkeit, die Anteile auf ein anderes Depot zu übertragen, wo das angelegte Geld dann in Ruhe weiterarbeiten kann. Umgekehrt vereinbaren vorausschauende Kunden schon bei Vertragsabschluss die Möglichkeit, auch vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen zu können, wenn beispielsweise die Börsenlage besonders günstig ist.

Ein weiterer Tipp für die Gestaltung des Vertrages ist die Überlegung, ob es sich für junge Kunden nicht lohnt, das Angebot für eine kleine Berufsunfähigkeitsversicherung anzunehmen, wie sie einige Versicherer im Programm führen. Fällt der Kunde aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen irgendwann einmal als Beitragszahler aus, springt die Gesellschaft ein und zahlt die Beiträge bis zum Ende der Laufzeit weiter.

Ist der Vertrag erfüllt und beginnt die Rentenzahlung, sorgen sich viele Ruheständler um ihr Kapital, dass sie vielleicht nicht bis zum Ende ausschöpfen können. Um der Gesellschaft aber im Todesfall möglichst wenig zu schenken, bietet sich eine Garantiezeit von vielleicht zehn Jahren an. Dann bekommen die in den Vertrag als Erben eingesetzten Angehörigen wenigstens über diesen Zeitraum die monatliche Rente überwiesen. Zwar drückt auch diese Vorsichtsmaßnahme auf die Rendite, doch im Ernstfall lohnt sich dieser Verzicht.

Unter den Anbietern fondsgebundener Rentenversicherungen schnitten bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest Gesellschaften wie Europa, Hannoversche Leben und Neue Leben besonders gut ab. Die Fondsauswahl ist bei allen drei gut bis sehr gut, ebenso bekommen Kunden einen guten Einblick in die Kostenstruktur. Sie können so besser nachvollziehen, was mit ihrem Geld geschieht.

Gute Angebote

So erlaubt die Hamburger Neue Leben die Wahl unter zirka 70 verschiedenen Fonds, darunter überdurchschnittlich gute, wie der Aktienfonds JPM Euroland Equity A Dist. Ebenfalls ein sehr gutes Angebot, in Euroland zu investieren, hat die Europa Versicherung in Köln. Ihre Kunden können unter 19 verschiedenen Fonds wählen. Dazu gehören die Aktienfonds JPM Europe Equity A Dist und der Fidelity Funds South East Asia. Ein Spektrum von 40 Fonds bietet die Hannoversche Leben, darunter ebenfalls zwei starke Aktienfonds: der JPM Europe Strategic Value A (investiert in Europa) und der international ausgerichtete M&G Global Basics A.

Die Verbraucherschützer jedenfalls sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Fondspolice eigentlich das schlechtere Produkt ist. Die oben aufgeführte Vergleichsrechnung gehe nur dann auf, wenn der Kunde seinen Vertrag bis zum Ende durchhielte, und das schafft – so die Statistik – beinahe nur jeder zweite.

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de

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