Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser, das Thema gesunde Ernährung haben nicht wir Zeitgenossen erfunden. Schon von Paracelsus ist überliefert, dass „der Mensch ist, was er isst“. Weitgehend übereinstimmend dürfte noch die Feststellung zu treffen sein, dass „Essen Leib und Seele zusammenhält“. Danach trennen sich die Geister – und damit leider auch die „Leiber“.

Die mit Mangelernährung und Hunger konfrontierte Kriegs- und Nachkriegsgesellschaft hatte sicherlich andere Sichtweisen zu einem Thema, das heute mehr und mehr zum zentralen Gedankengut der Gesundheitsprophylaxe in den Industriegesellschaften wird. Das früher gut gemeinte „Iss, Kind!“, das manchem noch im Ohr blieb, muss in unserem Umfeld heute dringend zu einem „Iss gesund, Kind!“ erweitert werden.

In einer Zeit, in der sich Mitmenschen quotenstarke Fernsehsendungen über das Kochen mit Genuss anschauen, Fernsehköche sogar zu Promis werden, mutiert der Umgang mit Ernährung im realen Leben für immer mehr Menschen zu einer Art „Last“, die durch Fastfood, durch Essen im Stehen und Gehen kurzfristig erleichtert wird.

Aber: Fresser werden nicht geboren, Fresser werden erzogen. Hier haben Eltern und Gesellschaft eine wichtige, über Jahre vernachlässigte Aufgabe. Wichtig zu wissen ist: Der falsche Umgang mit Kohlehydraten, Mineralien, Vitaminen und Co. ist nicht erst in dieser Generation entstanden. Erkennbar wird in der westlichen Welt, dass viele Eltern ihren Kindern schon keine vernünftige Erziehung in Sachen Ernährung mehr zukommen lassen können.

Für die Heilberufe, die um die Konsequenzen dieses Dilemmas wissen, dürfte insofern die Nachricht, dass sich in Deutschlands Schulen inzwischen etwas tut, aufhorchen lassen. Dass es, ähnlich wie im benachbarten Großbritannien, zu Widerständen kommt, ist hierzulande nicht zu befürchten, weil nicht „ordres de Mufti“ (oder Schuldirektionen) der Ansatz sind, sondern auf Aufklärung und gesunde Alternativen als Angebot gesetzt wird.

Sicher ist, dass in ihrer Bedeutung absehbar zunehmende Volkskrankheiten wie Diabetes, deren prospektierte Zahlen schon heute große Schatten vorauswerfen, deutlichen Handlungsbedarf signalisieren. Und das nicht nur in Schulen, sondern gerade auch im Dialog mit den Patienten und ihren Eltern. Ärzte und auch Zahnärzte haben in Sachen Gesundheit einen Vertrauensvorschuss, der das Argumentieren leichter macht. Wo, wenn nicht hier, kommt die Maxime, dass „an jedem Zahn auch ein Mensch hängt“ und systemische Interdependenzen über die Gesundheit eines Menschen entscheiden, besonders zum Tragen. Gesund beginnt im Mund. Gesundes Essen, biophysikalisch betrachtet, auch. Das mentale Rüstzeug, die Voraussetzung für einen gesunden Umgang mit unserem Körper, müssen viele aber erst wieder erlernen.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur