Zu Stellungnahmen der DGZMK in zm 16/2007

BVAZ-Kritik und DGZMK-Antwort

In einem offenen Brief hat der Bundesverband der Allgemeinzahnärzte (BVAZ) sich kritisch zu Stellungnahmen der DGZMK (veröffentlicht in zm 16/2007) geäußert. Nachfolgend dokumentieren die zm sowohl die BVAZKritik als auch die öffentliche Antwort des Präsidenten und des Gesamtvorstandes der DGZMK

Offener Brief des BVAZ an die DGZMK:

Die Selbstdarstellung der endodontischen Spezialisten in der Regenbogenpresse erfüllt die Allgemeinzahnärzte mit Sorge und Abscheu. ... Beispiele ... belegen, dass die niedergelassen Endodontologen beginnen, das umzusetzen, was sie in der nahen Vergangenheit in ihren geschlossenen Internetlisten diskutiert haben: Durch direkte Ansprache von Patienten über die Regenbogenpresse Nachfrage nach den Leistungen zertifizierter Endodontisten zu schaffen. ...

Darüber hinaus kritisieren wir die Offensive der DGZMK mit ihren inflationär veröffentlichten, als wissenschaftlich bezeichneten Stellungnahmen zur Endodontie aufs Allerschärfste. So wird die Forderung, Kofferdam sei bei jedem endodontischen Behandlungsschritt zu verwenden, nicht etwa wie ... versprochen, zurückgenommen, sondern vielmehr in der neuen Stellungnahme „Behandlung endodontischer Schmerzfälle“ (s. zm 16/2007) durch die Verwendung des Ausdrucks „Standard“ bekräftigt. Der Einsatz von in Deutschland vom Bundesamt für Arzneimittel zugelassenen Desinfektionsmitteln wird gleichzeitig als „sind zu vermeiden“ diffamiert.

Darüber hinaus wird explizit dazu aufgefordert, Patienten nach Instrumentenfraktur an einen Spezialisten für Endodontie zur Entfernung des frakturierten Instrumentes zu überweisen, weil dieser über ein OP-Mikroskop verfüge. Dies, obwohl in derselben Stellungnahme eingeräumt wird, dass es keinerlei Unterschied in der Prognose macht, ob nun das Instrument belassen oder entfernt wird.

All das kann auch bei weitester Auslegung nicht mehr als „wissenschaftlich“ und schon gar nicht als „wissenschaftlich belegt“ bezeichnet werden. Zumal sich die einzigen Literaturstellen, die nicht selbstreferentiell sind, mit dem Gebrauch der Schmerzmittel beschäftigen.

Dazu kommt, dass ... in einem aktuellen Aufsatz im Zusammenhang mit der endodontischen Infektionskrankheit das Unwort „Fokalinfektion“ [1] verwendet (wird). Dieser Umstand erweckt bei den Allgemeinzahnärzten zusätzlich den fatalen Eindruck, als sei die AGET als vorgeblich wissenschaftliche Fachgesellschaft bemüht, die fachlich unhaltbaren und die Patienten irreführenden Werbeaussagen einzelner Endodontologen in der Regenbogenpresse unter Missbrauch ihrer Stellung innerhalb der DGZMK mit dem Prädikat „wissenschaftlich belegt“ zu versehen.

Der BVAZ fordert die DGZMK hiermit ultimativ auf, die beiden Stellungnahmen „Die Fraktur von Wurzelkanalinstrumenten“ (siehe zm16/2007) und „Behandlung endodontischer Schmerzfälle“ sofort zurückzuziehen und betreffend der Beschreibung der endodontischen Behandlung nunmehr endlich zu der alten Formulierung „kann die Verwendung von Kofferdam hilfreich sein“ zurückzukehren.

Dr. Günter Kau, M.Sc.
Waldmohr – Vorsitzender – Berufsverband der Allgemeinzahnärzte in Deutschland BVAZ, Geschäftsstelle Fritz-Hommel-Weg 4 80805 München

[1] David Sonntag: Infektionen im Kanalsystem, mehr als nur ein lokales Problem? ZMK (6/2007) 23: 391 ff

Die Antwort der DGZMK: Konfrontation auf falscher Ebene

Der Berufsverband der Allgemeinzahnärzte (BVAZ) hat in einem „Offenen Brief“ von Ende August 2007 eine Kritik von Stellungnahmen der DGZMK mit Zeitungspublikationen vermengt, die in keinem Zusammenhang mit der DGZMK stehen. Der Aufruf von BVAZ-Mitgliedern zu einer „ZMKLeitlinienerstellung an alle Interessierten“ via Internet ist ebenfalls kaum geeignet, eine sachorientierte Arbeit an den Stellungnahmen und Leitlinien zu leisten.

Die „Wissenschaftlichen Stellungnahmen“ der DGZMK sind bisher keine „Leitlinien auf niedrigstem Evidenzniveau“, wie die Unterzeichner des Aufrufs behaupten, sondern aktualisierte Handlungsempfehlungen mit fachlich abgesichertem, wissenschaftlichem Hintergrund. Sie repräsentieren nicht einfach die „Meinung einzelner Spezialisten“, sondern unterliegen einem interdisziplinären Konsentierungsprozess. Darüber hinaus empfiehlt die DGZMK den Blick auf ihre tatsächlichen, in Abstimmung mit der ZZQ und Moderation innerhalb der AWMF erstellten „Leitlinien“, und sei es nur, damit sie künftig nicht mehr mit „Wissenschaftlichen Stellungnahmen“ verwechselt werden. Aus demselben Grund erübrigt sich auch eine Stellungnahme (sic!) zur angeblich fehlenden Berücksichtigung der AWMF-Anforderungen an DGZMK-Leitlinien, wie sie im Prolog zum jüngsten Aufruf bemängelt und als Begründung für das eigene Tun herangezogen wird.

Insgesamt scheint sich der BVAZ gegen alles, was nach Spezialistentum aussieht, zu wenden. Dabei handelt es sich um den letztendlich aussichtslosen Versuch, die Fortentwicklung einzelner Fachgebiete zu blockieren.

Gerade die Bearbeitung von Stellungnahmen in der interdisziplinär aufgestellten DGZMK reduziert das Risiko oder verhindert an Einzelinteressen orientierte Empfehlungen einzelner Fachgesellschaften. Was aber mit emotionaler Kritik wirklich verhindert wird, ist die zeitgemäße Weiterentwicklung unseres Berufsstandes auch unter internationalen Kriterien. Wer etwas weniger voreingenommen an die Sache herangeht, wird unschwer erkennen, dass die wahre Option von Generalisten und Spezialisten im Bereich der ZMK in deren Symbiose zum Wohl des Patienten liegen sollte. Dieses Wohl des Patienten und die Hilfestellung für die Kollegen steht im Fokus der Wissenschaftlichen Stellungnahmen der DGZMK.

Präsident und Gesamtvorstand der DGZMK

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