Fortbildungsteil 2/2007

Mundgesundheit als Spiegelbild der allgemeinen Gesundheit

Die Bedeutung der Zusammenhänge zwischen Mundgesundheit und anderen Krankheiten hat in den letzten Jahren für den Zahnarzt zunehmend an Bedeutung gewonnen. Fünf namhafte Referenten beleuchten das Thema aus verschiedener Sichtweise und liefern dem niedergelassenen Zahnarzt nicht nur „diagnostischen Stoff“ für die direkte Umsetzung in seiner Praxis

Gesunde orale Strukturen besitzen für die Bevölkerung aus den verschiedensten Gründen einen sehr hohen Stellenwert. Sie sind nicht nur ein wichtiger Baustein eines guten Aussehens und erfolgreichen Auftretens sowie einer guten Kaufunktion. Die Mundhöhle mit ihren verschiedenen Hart- und Weichgeweben spielt im Gesamtorganismus auch heute noch eine oftmals unterschätzte Rolle. Aufgabe dieses Fortbildungsteils ist es, dem Leser erneut einige interessante Themen aus dem Gebiet der oralen Medizin mit anschaulichen Bildern zu präsentieren.

Die orale Medizin umfasst die verschiedenen Erkrankungen der Hart- und Weichgewebe der Mundhöhle und schließt Erkrankungen ein, die orale Manifestation einer Systemerkrankung sein können und von Erkrankungen, die Auswirkungen auf den Gesamtorganismus haben können.

Der Diagnostik von bösartigen Tumoren der Mundhöhle und ihren Vorstadien kommt unverändert eine zentrale Rolle zu. Die geschätzte Zahl der jährlichen Neuerkrankungen in der Mundhöhle/Rachen in Deutschland liegt bei Männern mit fast 7 800 dreimal so hoch wie bei Frauen (etwa 2 600) [RKI: Krebs in Deutschland, 5. Ausgabe, 2006]. Damit stehen Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens für Männer hinsichtlich der Erkrankungshäufigkeit unter allen bösartigen Tumoren an siebter Stelle, ihr Anteil an den durch Krebs insgesamt bedingten Sterbefällen beträgt rund 3,4 Prozent. Der Identifikation von Risikofaktoren (vor allem einem Alkohol- und Tabakkonsum) im Rahmen der Anamneseerhebung und einer entsprechenden Aufklärung der Patienten über die damit verbunden Risiken kommt deshalb unverändert eine große Bedeutung zu (nähere Informationen siehe: Krebs in Deutschland, http//:ww.rki.de).

Die Einführung moderner zytologischer Diagnoseverfahren hat die diagnostischen Möglichkeiten in unserem Fachgebiet erweitert und stellt eine wichtige Ergänzung zur klassischen Gewebeprobe dar. Dieser Stellenwert ist unverändert, auch wenn durch die erschütternden Ereignisse um den norwegischen Zahnarzt Jan Sudbo zwischenzeitlich ein dunkler Schatten auf dieses Untersuchungsverfahren geworfen wurde. Die Arbeiten von J. Sudbo im New England Journal of Medicine [Sudbo et al., 2001 und Sudbo et al., 2004] waren ein wichtiger wissenschaftlicher Baustein, die Zytologie mit DNA-Zytometrie der Zahnärzteschaft zu empfehlen. Zwischenzeitlich konnte durch eine internationale Untersuchungskommission aufgedeckt werden, dass mehrere zentrale Publikationen von Sudbo und Mitarbeitern einschließlich seiner Dissertation auf Fälschungen beruhten, so dass mehrere hoch angesehene Zeitschriften seine Publikationen widerrufen haben [siehe N Engl J Med 2006, 2, 355: 1927].

Im Gegensatz hierzu konnten mehrere deutsche Arbeitsgruppen in ihren Publikationen zeigen, welche Möglichkeiten die Zytologie ergänzend zur klassischen Gewebeprobe eröffnet und wo dieses Verfahren seinen wichtigen Stellenwert in der Zahnmedizin hat.

Aufgrund der unverändert hohen Zahl von oralen bösartigen Tumoren sind Therapiekonzepte zur zahnärztlichen Behandlung vor, während und nach einer Tumorbehandlung für jeden Zahnarzt von Bedeutung.

PD Dr. Matthias Folwaczny beleuchtet in seinem Beitrag die mit einer Tumortherapie verbunden Auswirkungen auf die orale Gesundheit und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die zahnärztliche Behandlung.

Eine Vielzahl von Infektionserkrankungen zeigt orale Manifestationen, so dass damit eine Diagnosestellung möglich ist. Da diese oftmals bei Kindern auftreten, ergibt sich eine wichtige Abstimmung bei Diagnostik und Therapie mit dem betreuenden Kinderarzt. Prof. Dr. Andrea Schmidt-Westhausen, Berlin, und Dr. Frank Kolwalzik, Msc., Mainz, beleuchten diese Thematik in ihren Beiträgen aus zahnärztlicher und pädiatrischer Sicht.

Aphthen sind für viele Menschen ein wiederkehrendes lästiges Übel, so dass eine aktuelle Standortbestimmung durch Prof. Dr. Manfred Hagedorn, Darmstadt, zur Ätiologie und zu aktuellen Therapiekonzepten viele Leser interessieren wird, wobei der M. Behçet auch eine Beteiligung anderer Organe zeigt.

Da ein großer Teil der Bevölkerung parodontale Erkrankungen zeigt, sind die Zusammenhänge zwischen parodontalen Erkrankungen und Allgemeinerkrankungen immer wieder ein aktuelles Thema in der Praxis. Prof. Dr. Christof Dörfer, Kiel, beleuchtet hier den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Die zm können in ihren Fortbildungsreihen immer nur kleine Teilbereiche der oralen Medizin behandeln. Auf den gemeinsamen wissenschaftlichen Jahrestagungen der Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie und des Arbeitskreises Oralpathologie und Oralmedizin werden diese Themen traditionell am Himmelfahrtwochenende in Wiesbaden ausführlich behandelt.

Nähere Informationen: www.agki.de oder www.akopom.de.

Univ. Prof. Dr. Jürgen Becker
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
und Aufnahme
Westdeutsche Kieferklinik
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf

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Die Fragen finden Sie bei
www.zm-online.de unter @-Fortbildung

Verantwortlich für den
Fortbildungsteil:

Prof. Dr. Elmar Hellwig
Prof. Dr. Detlef Heidemann
Susanne Priehn-Küpper

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