Leitartikel

Unser eigener Weg

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

obwohl die große Koalition in letzter Zeit immer wieder erkennen lässt, dass sie in ihrer zweiten Regierungshalbzeit nicht mit dynamischer Aufbruchstimmung glänzen will, das kommende Jahr zudem von Landtagswahlen – und damit auch der Einstimmung auf die nächsten Bundestagswahlen – geprägt sein wird:

Mit 2008 steht für Deutschlands Zahnärzteschaft erneut ein Jahr grundlegenden Herausforderungen von immenser Tragweite ins Haus.

Neben den noch der Umsetzung harrenden, für unser Gesundheitssystem in ihrer Tragweite schwerwiegenden Teilen des GKV-Wettbewerbstärkungsgesetzes – darunter vor allem der Gesundheitsfonds und der Basistarif – wird der Versuch des BMG, das angekündigte Präventionsgesetz auf den Weg zu bringen, sicherlich ein geringerer, aber doch zusätzlicher Versuch sein, den Weg in ein staatlich gesteuertes Einheitssystem zu ebnen. Das erfordert Widerstand.

Wir Zahnärzte werden weiterhin unseren geraden Weg einer deutlich nach außen getragenen, eigenständigen, freiberuflich und selbstverantwortlich geprägten Berufsauffassung gehen.

Alle an den derzeitigen politischen Weichenstellungen Beteiligten wissen, dass wir dabei nicht nur mit Kritik und Protest, sondern immer auch mit analytisch durchdachten, klar formulierten Positionen und Konzepten aufwarten. Das schafft in diesem von harten Konfrontationen getragenen Verhandlungsfeld selbst auf Seiten unserer Kontrahenten Respekt, getragen von dem Willen, den Standesvertretern der Zahnärzteschaft zuzuhören. Dass dieser in der Sache harte, in der Auseinandersetzung aber ehrlich betriebene Weg selbst in auf ersten Blick aussichtslosen Situationen Erfolge schafft, haben die zurückliegenden Jahre gezeigt. Deutschlands zahnärztliche Versorgung geht ihre eigenen Wege, setzt spezifisch auf ihr Fachgebiet gemünzte Modelle um. Die Ergebnisse sprechen letztlich für sich und überzeugen auch ehemalige Gegner.

Dass wir Zahnärzte bei der anstehenden GOZ-Novellierung diesen eigenen Weg beharrlich und im Schulterschluss von Wissenschaft, Kammern und Vertragszahnärzteschaft gehen, hat bereits in den bisherigen Verhandlungen eine Situation geschaffen, in der wir als formell nicht einmal Beteiligte mit unseren Vorstellungen, mit einer von der Bundeszahnärztekammer entwickelten eigenen, fachlich unangreifbaren Honorarordnung das Vorgehen doch beeinflussen konnten und mit unserem Wissen, mit Beharrlichkeit, Geschick und Fortune auch weiterhin beeinflussen werden.

Das wird in den kommenden Jahren mit entscheiden, ob das Überleben unserer Praxen, die Qualität der zahnmedizinischen Versorgung und das Wohlergehen der uns schutzbefohlenen Patienten gewährleistet werden können.

Die Parteien dieser Regierungskoalition werden ihren eingeschlagenen Weg der Zentralisierung und Verstaatlichung sicherlich nicht mehr widerrufen. Aber unser gemeinsames Vorgehen, argumentative Einigkeit und ein fachlicher Schulterschluss werden dazu beitragen, den eigenen Weg der Zahnärzteschaft im Gesundheitswesen zu erhalten.

Wir wünschen Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Team für das kommende Jahr Gesundheit, eine glückliche Hand und vor allem die Kraft, Ihren möglichst selbstbestimmten Weg weiterhin erfolgreich zu beschreiten.

Dr. Jürgen Fedderwitz,
Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung

Dr. Dr. Jürgen Weitkamp,
Präsident der Bundeszahnärztekammer

 

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