Medizinische Fachberufe

Aufmerksamkeit dem Alter

Alle zwei Jahre treffen sich die Mitarbeiterinnen aus Arzt-, Zahnarzt- und Tierarztpraxen beim Bundeskongress ihres Berufsverbandes zu Diskussion, Erfahrungsaustausch und Fortbildung. In Weimar fokussierten sie dieses Mal den demografischen Wandel.

„Die älter werdende Bevölkerung ist eine Herausforderung für alle Teams in Arzt-, Zahnarzt- und Tierarztpraxen“, betonte Sabine Rothe, Präsidentin des Verbandes der medizinischen Fachberufe, beim Bundeskongress des Verbandes im November in Weimar. Die damit verbundenen Anforderungen könnten nur über eine interdisziplinäre Zusammenarbeit gemeistert werden. Auf dem Podium diskutierten daher auch Vertreter der Ärzte- und Zahnärzteschaft über die Rolle der Praxismitarbeiterinnen bei der Betreuung älterer Patienten. Wie Rothe betonte, wollen die Fachangestellten dabei künftig mehr Aufgaben übernehmen – und auch Hausbesuche machen.

„Wir brauchen unsere Mitarbeiterinnen und entsprechende Kompetenzangebote“, sagte Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). „Als Zahnärzte allein können wir die demografischen Herausforderungen nicht bewältigen.“ Für durchaus vorstellbar hält er, dass die Zahnmedizinischen Fachangestellten auch bei Patienten zu Hause Maßnahmen umsetzen, die der Zahnarzt zuvor gemäß Zahnheilkundegesetz angeordnet hat. „Das Potential ist da”, bestätigte Oesterreich. „Wir haben bereits strukturierte Fortbildungen – beispielsweise in der Prophylaxe.“

Über ein Projekt mit speziell ausgebildeten Medizinischen Fachangestellten, die Routinebesuche übernehmen und damit den Arzt entlasten, berichtete Dipl.-Med. Ingrid Pawlick, Fachärztin für Allgemeinmedizin und erste Vorsitzende des Hausärzteverbandes in Sachsen. „Die Patienten nehmen dieses Projekt sehr gut an”, unterstrich Pawlick. „Sie kennen die Helferinnen und wissen, dass sie damit stets Kontakt zu ihrer Hausarztpraxis haben.“

Bei der Betreuung älterer Patienten spiele Fehlermanagement eine besondere Rolle, bekräftigte Dr. med. Barbara Hoffmann vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt am Main: „Mit steigendem Alter der Patienten nimmt oft auch die Zahl der Erkrankungen und der einzunehmenden Medikamente zu.“ Die gesundheitliche Versorgung werde komplexer und die Risiken für Fehler und Schäden stiegen. „Um so wichtiger ist es, die Patientensicherheit zu stärken”, appellierte Hoffmann an die Helferinnen und stellte ihnen das Fehlerberichts- und Lernsystem www.jeder-fehler- zaehlt.de vor. Unterstützt werde das Frankfurter Projekt vom Aktionsbündnis Patientensicherheit.

Von Demenz bis Hygiene

Rund 40 Seminare standen für die 370 teilnehmenden Praxisangestellten und Azubis auf dem Programm des zweitägigen Kongresses. Passend zum Motto „Demografischer Wandel – Chance für unsere Berufe“ ging es vor allem um Themen wie Alterszahnheilkunde, Demenz, Schutzimpfungen im Alter, Patientenverfügung, Palliativarbeit und moderne Wundversorgung.

Der demografische Wandel sei auch für Tierarztpraxen ein Thema, sagte Verbandspräsidentin Rothe: „Auch das Tier wird älter, nicht nur der Besitzer.“ Ebenso wie beim Menschen seien beim Tier gesunde Zähne zur Vorbeugung von Krankheiten wichtig, erklärte Dagmar Drobetz, stellvertretende Referatsleiterin der Tiermedizinischen Fachangestellten im Bund. Für die Fortbildung in praktische Maulhygiene hatte sie die irische Terrierdame Sophie mitgebracht. „Die Zähne sind die Beißerchen”, machte Drobertz augenzwinkernd auf den kleinen Unterschied zum menschlichen Patienten aufmerksam.

Meistgebucht waren, wie die Kongressleiterin Claudia Magyar herausstellte, die beiden Seminare zum Thema Qualitätsmanagement. Denn: Spätestens ab Januar 2011 müssten Zahnarztpraxen ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement umsetzen, Arztpraxen bereits ab 2009. Qualitätsziele zu definieren sei Chefsache, erläuterte Auditorin Susanne Haiber in ihrem Grundlagen- Seminar das Prozedere. Sie umzusetzen sei aber vor allem die Aufgabe der Mitarbeiterinnen.

Der Verband der medizinischen Fachberufe wurde 1963 als Berufsverband der Arzthelferinnen gegründet. Seit 1981 vertritt er auch die Interessen der zahnmedizinischen Fachangestellten. Für den nächsten Bundeskongress im Jahr 2009 will der Verband, wie die Vorstandsvorsitzende Hannelore König sagte, auch andere Fachberufe im Gesundheitswesen ins Boot holen.