Die Geldentwertung steigt

Vermögen vor Verlusten schützen

Die Inflationsrate steigt in Deutschland so schnell wie seit Jahren nicht mehr. Das Realeinkommen sinkt. Damit das gesparte Vermögen nicht seinen Wert verliert, können Anleger jetzt umschichten. Es bieten sich verschiedene Produkte an, die das Geld vor der Entwertung schützen.

So mancher Kunde reibt sich an der Kasse des Supermarkts die Augen. Denn die Summe, die ihm der Kassenzettel offenbart, kann er nicht glauben. Die Preise für Nahrungsmittel sind während des vergangenen Jahres geradezu explodiert. So legte allein der Preis für Butter bis September um 43,1 Prozent zu, Vollmilch und Gouda um etwa 13 Prozent sowie Brötchen um sechs Prozent, von den Energiepreisen ganz zu schweigen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer vor einem Jahr dezimierte die Kaufkraft der Verbraucher nachhaltiger als sich so mancher Politiker vorgemacht hatte.

Wolfgang Nierhaus vom Ifo-Institut wirft gegenüber der Financial Times der Regierung vor, dass sie für einen Prozentpunkt Inflation verantwortlich ist. Das Ergebnis: Im November des Jahres 2007 lag die Inflationsrate bei drei Prozent – so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Die gefühlte Inflation

Die Menschen an der Supermarktkasse empfinden die Geldentwertung sehr viel stärker als die gemessene Größe aussagt. Umfragen ergaben, dass der Index der wahrgenommenen Inflation deutlich höher liegt als der offiziell gemessene Index, nämlich bei rund fünf Prozent. Das liegt daran, dass vor allem die Dinge des täglichen Bedarfs das Portemonnaie immer stärker strapazieren. Sie machen bei der Berechnung der offiziellen Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes nur einen Anteil von zwölf Prozent aus. Optimisten glauben zwar, dass die Teuerungswelle vor allem bei Lebensmitteln wieder abgeebbt ist und einer höheren Inflation keine neue Nahrung mehr bieten wird. Doch steigende Inflationsraten sind kein typisch deutsches Problem.

Wegen der hohen Energiekosten steigen die Preise weltweit. Und mit einem Absinken des Ölpreises ist kaum zu rechnen. Auch wenn einige unter den Chefökonomen in den Bankhäusern vorgeben, das Problem nicht so dramatisch zu sehen, andere Kollegen befürchten eine stärkere Geldentwertung für die nahe Zukunft. Bundesbankpräsident Axel Weber warnte im Oktober die Verbraucher, dass sie dauerhaft mit einer höheren Inflation rechnen müssten. Wenn er Recht behält, sollten sich Zahnärzte und natürlich alle anderen Anleger Gedanken um ihre langfristigen Geldanlagen machen. Denn die Rechnung mit einer unterstellten Inflationsrate von drei Prozent zeigt, wie schnell das Vermögen angeknabbert wird: Hält sich die Inflation zehn Jahre lang auf dem derzeitigen Niveau, sind 1 000 Euro nur noch 744 Euro wert, nach 30 Jahren 411 Euro. Gerade im Hinblick auf die Altersvorsorge spielt die Entwicklung der Geldentwertung eine große Rolle. Einerseits sollten die Risiken verteilt werden und nicht das ganze Vermögen zum Beispiel in Aktien oder Immobilien angelegt werden. Andererseits sorgt die Investition in inflationssichere Substanzwerte für Ruhe.

Münzen mit Wert

Ganz oben auf der Liste der krisensicheren Anlagen steht nach wie vor Gold. In dieses Medium haben sich während der vergangenen Monate weltweit die Investoren geflüchtet. Der Preis für das gelbe Metall erreichte schwindelnde Höhen. Zuletzt notiert der Preis je Feinunze bei 801 Dollar (Stand: 29. 11. 07). Mit einem weiteren Anstieg in Richtung des Allzeithochs von 850 Dollar ist zu rechnen. Alle Prognosen deuten darauf hin, dass der Preis weiter anziehen wird, vielleicht sogar bis auf 1 000 Dollar. Ein Grund dafür liegt sicher in der Schwäche der amerikanischen Währung, ein weiterer sind die abnehmenden Reserven und die gleichzeitig steigende Nachfrage vor allem aus Asien.

Wer sich für das glänzende Metall entscheidet, investiert am günstigsten in möglichst große Barren (Ein Kilo kostet derzeit 17 739 Euro.) Dabei hält sich das Aufgeld mit drei Prozent noch in Grenzen. Ein Ein-Unzen- Barren (31,10 Gramm) kostet 566 Euro. Als Alternative bieten sich Ein-Unzen-Münzen wie der südafrikanische Krügerrand (568 Euro) oder der kanadische Maple Leaf (573,50 Euro). Die Münzen gibt es ebenfalls in verschiedenen Größen. Die kleinste wiegt nur eine zehntel Unze. Ein Trost für Investoren: Beim Goldkauf verzichtet der Staat auf die Mehrwertsteuer.

Immobilien bleiben als reale Werte für die Inflation unangreifbar. Ihr Preis steigt entsprechend der Geldentwertung – vorausgesetzt, Angebot und Nachfrage verändern sich nicht und auch andere Einflüsse bleiben auf diesem Markt außen vor.

Der Wert der Trutzburg

Es muss ja nicht gleich eine ganze Immobilie sein. Als Alternative bieten sich offene Immobilienfonds an. Mit der Inflation steigen die Mieten, von denen der Anleger dann profitiert.

Einen guten Weg in die Sachwerte öffnen auch Aktien. Als realer Vermögenswert bieten die Anteilsscheine die Möglichkeit, eine Inflation einfach auszusitzen. Aktienbesitzer sind ja so zu sagen Miteigentümer des Unternehmens, dessen Maschinen und Immobilien sich im Wert der Inflation anpassen.

Das Know-how der Mitarbeiter zählt ebenfalls zu den unanfechtbaren Ressourcen eines Unternehmens. Mit steigender Geldentwertung ziehen die Preise der Produkte an, die das jeweilige Unternehmen produziert und verkauft. Legt die Inflationsrate allerdings stark zu, wirkt sie sich auf Aktien negativ aus, weil sich Kredite zur Finanzierung neuer Investitionen verteuern und die produzierten Güter im Preis so steigen, dass sie für die Konsumenten unerschwinglich werden. Denn die leiden unter der Geldentwertung besonders; es kann passieren, dass sich Lohnerhöhungen in Nichts auflösen und am Ende sogar das Gehalt geschrumpft wurde.

Wie alle Anlagen, deren Geldwert nur auf dem Papier beziehungsweise auf der Festplatte verbucht ist und keinen Sachwert als Basis hat, besteht auch bei Zinsanlagen die Gefahr des Bestandsverlustes. So lässt sich zum Beispiel eine Anleihe, die mit einem Kupon von vier Prozent ausgestattet ist, kaum noch verkaufen, wenn inzwischen die Inflationsrate gestiegen ist und neue Anleihen einen deutlich erhöhten Zins aufweisen.

Linker, der Newcomer

Um genau dieses Problem in den Griff zu bekommen, setzen derzeit viele Anleger auf inflationsgeschützte Anleihen. Diese ILB (Inflation Linked Bonds) – auch einfach Linker genannt – sind nicht wie sonst üblich mit einem nominalen Zins ausgestattet, der über die gesamte Laufzeit gleich bleibt. Der nominale Zins liegt bei der Ausgabe der Anleihe unter dem marktüblichen Zins. Der Schuldner sorgt für Ausgleich, indem er den Nennwert und den Zins an die Entwicklung der Inflationsrate knüpft. Einmal im Jahr gleicht er den Wertverlust aus. Zeichnet ein Anleger zum Beispiel eine Anleihe mit einem Nennwert von 1 000 Euro, die mit einem Zins von drei Prozent ausgestattet ist und beträgt die Inflationsrate auch drei Prozent, multipliziert der Schuldner den Nennwert mit dem Faktor 1,03. Das ergibt dann einen Wert von 1 030 Euro. Darauf zahlt der Emittent drei Prozent Zinsen. Das macht dann 30,90 Euro – also 90 Cent Inflationsausgleich.

Im Ausland, zum Beispiel in Großbritannien, Japan, den USA und vor allem in Frankreich, gibt es die Linker schon lange. In Deutschland können Anleger die ILB der Deutschen Finanzagentur seit dem letzten Jahr zeichnen. Ausländische Linker sind hier kaum zu bekommen. Doch auch wer sich für die sicheren Bundespapiere entscheidet, als bequemes Ruhekissen versteht sich diese Anlageform nicht.

Ob sich der Einstieg in die inflationsgeschützten Papiere lohnt oder nicht, hängt von den herrschenden Bedingungen am Markt ab. Sinkt die Inflation unter die Marke von zwei bis 2,5 Prozent im Jahresdurchschnitt, lohnt sich der Einstieg nicht und der Anleger ist mit herkömmlichen Papieren besser bedient. Für den Staat rechnet sich diese Entwicklung. Fällt die Inflationsrate, muss er weniger zahlen.

Zum Trost für die Anleger: Die Regierung wird sich bemühen, die Inflationsrate niedrig zu halten. Profis nutzen die Linker zum Beispiel für Pensionsfonds. Für die private Altersvorsorge eignen sich die Anleihen ebenso. Sie bieten Sicherheit für den Werterhalt der Anlage.

Steuern fallen an

Was die steuerliche Seite angeht, so fallen nach der Auszahlung dann wenig Abgaben an, wenn der Anleger das Papier bis zur Pensionsgrenze halten kann. Grundsätzlich aber gilt für die Finanzinnovationen: Der Fiskus kassiert sowohl beim Zinskupon als auch von der Inflationsprämie. Bei normalen Anleihen nimmt er sich seinen Anteil von den Zinsen, Kursgewinne sind nach einem Jahr steuerfrei.

Wer nicht auf eine einzelne Anleihe setzen will, kann auch in mit ILB gefüllte Fonds investieren. Sie suchen weltweit nach geeigneten Anlagen und streuen so das Risiko. Allerdings hat kaum ein Anleger einen Überblick darüber, wie sich in den betroffenen Ländern gerade die Inflationsrate entwickelt. Zudem existieren die Linker erst seit ein paar Jahren. Über eine lange Performance verfügen die in Frage kommenden Fonds, wie der Schroders ISF Global Inflation Linked Bond Fund, der Invesco Euro Inflation- Linked Bond Fund oder DWS Inflation Protect, daher nicht. Der Sparer kann sich also kaum ein Bild von der Qualität dieser Fonds machen.

Sowohl einzelne Anleihen als auch die Anlage in einen Fonds eignen sich nur als Beimischung in einem Depot. Das Risiko, dass die Inflationsrate dramatisch steigen wird, ist dank der strengen Aufsicht der Währungshüter ziemlich gering. Neben allen, die mit den Anstrengungen, die Geldentwertung im Zaum zu halten, sehr einverstanden sind, gibt es einige Menschen, die sich mit dem Gedanken an eine Geldentwertung zumindest vorübergehend anfreunden können: die Schuldner. Ihnen kommt die Inflation zugute. Denn wenn die Preise steigen, verlieren die Schulden relativ an Wert.

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de

zm-Index

Stichwort: Inflation

Bei einer Inflation wächst die Geldmenge stärker als das Waren- und Dienstleistungsangebot. Dank des knapperen Angebots steigen die Preise. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht sich. Halten sich die Geldentwertungen in engen Grenzen, spricht man von einer schleichenden Inflation. Steigen die Preise rasant, ist von einer galoppierenden Inflation die Rede.