Neue Wege in der Qualitätsanalyse

Zehn Jahre Ceramic Success Analysis (CSA)

Der folgende Beitrag beschreibt den aktuellen Stand des großen Keramik-Nachuntersuchungsprojekts, das ab 1. 1. 2008 auch im Internet abrufbar ist und an dem sich jeder Zahnarzt, der mit Keramikmaterialien arbeitet, beteiligen kann. Alle Daten gehen dann in die große Feldstudie mit ein.

Das Qualitätssicherungsprojekt der Arbeitsgemeinschaft Keramik ist eine multizentrische Feldstudie mit niedergelassenen Zahnärzten: anonym, kompetent, individualisiert und kostenfrei – und in dieser Struktur einmalig in der Zahnmedizin. Jeder interessierte Zahnarzt kann mit wenig Aufwand daran teilnehmen.

Ablauf der Studie

Der Ablauf dieser Studie ist denkbar einfach: Die teilnehmenden Praxen übermitteln zunächst die klinischen Ausgangsbefunde wie Zahnvitalität, Papillenblutungsindex, Restaurationsgröße, Lage der Restauration und Zahntyp, unter Angabe Ihrer klinischen Vorgehensweisen, der verwendeten Materialien sowie Verarbeitungstechniken an die AG Keramik. Daraufhin erhält der Teilnehmer eine grafische Darstellung seiner individuellen Befunddaten und Vorgehensweisen im Vergleich zu den Mittelwerten aller Studienteilnehmer. Bei besonders auffälligen Unterschieden zwischen Individualdaten und Mittelwert erhält der Teilnehmer zusätzlich zur grafischen Aufbereitung einen Kommentar mit entsprechenden Hinweisen. Alle Praxen können ihre eigenen Behandlungsdaten mit den Werten der anderen Praxen vergleichen, wodurch die Hinterfragung eigener Vorgehensweisen sowie ein anonymer Vergleich mit dem Procedere anderer Zahnärzte ermöglicht werden (Abbildung 1).

In der darauf folgenden Phase untersuchen die CSA-Teilnehmer die von ihnen eingegliederten vollkeramischen Restaurationen in festen Intervallen und übermitteln ihreNachuntersuchungsbefunde sowie Ereignisse an die AG Keramik.

Analog wie bei den Einsatzbefunden erhält der Zahnarzt dann eine grafische Aufbereitung seiner Langzeitergebnisse im Vergleich zu den Mittelwerten aller CSA-Teilnehmer (Abbildung 2).

Dieses Procedere gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre eigene Behandlungsweise permanent zu prüfen, geeignete Indikationen für Keramikversorgungen zu erkennen und Risiken vorausschauend einzuschätzen. Damit erfüllen die Studie und ihr Informationswert alle Anforderungen eines klinischen Qualitätszirkels, der allerdings online abläuft.

Aus der Praxis für die Praxis

Die klinischen Erfahrungen mit vollkeramischen Restaurationen umfassen mittlerweile – zusammen mit Pilotstudien – mehr als 20 Jahre. Vor allem über CAD/CAM-gefertigte Restaurationen liegen umfangreiche Daten vor. Das von der Arbeitsgemeinschaft Keramik betriebene Programm „Ceramic Success Analysis“ ermöglicht nun dem einzelnen Zahnarzt seine individuelle Standortbestimmung: Der klinische Verlauf wird anhand seiner individuellen Daten ausgewertet und in Vergleich mit den Durchschnittswerten gestellt. Damit ist eine deutlich größere Praxisnähe gewährleistet als bei Fremdstudien, die häufig nicht das Procedere in der eigenen Praxis widerspiegeln. Bisher nehmen rund 200 Zahnärzte an der Studie teil. In der Pilotphase war das Projekt auf CAD/CAM-Restaurationen beschränkt. Mittlerweile können praktisch alle vollkeramischen Restaurationstechniken an Einzelzähnen erfasst werden. Derzeit bilden 4 516 Einsetzbefunde die Grundlage für die Analysen und mehr als 5 000 Nachuntersuchungen an 2 366 Zähnen fließen in die Auswertung ein.

Während in der Pilotphase noch schriftliche Aufzeichnungen vom teilnehmenden Zahnarzt notwendig waren, erfolgt seit geraumer Zeit die Dateneingabe mittels einer von der AG-Keramik entwickelten Software, die den Teilnehmern kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Die Dateneingabe kann somit auch an die Assistenz delegiert werden. Datenerfassung und -übermittlung werden hierdurch außerordentlich komfortabel und beanspruchen einen minimalen Zeitaufwand.

Online-Qualitätszirkel

Zur Startphase am 1. 1. 2008, ist es gelungen, einen weiteren Meilenstein zu setzen: die Dateneingabe ist nun auch direkt online im Internet möglich. Unter http://www.csa-online.net können in einem Passwort-geschützten Bereich die Daten eingegeben werden. Individualisierbare Voreinstellungen erleichtern dabei die Eingabe bei standardisierten Vorgehensweisen. Der Download der aktuellen, individuellen Auswertungen ist direkt nach der Eingabe der Daten möglich.

Neben der tabellarischen Darstellung der Ergebnisse erhält der Teilnehmer auch eine individuelle Kaplan-Maier-Auswertung (Abbildung 3).

Kaplan-Meier-Erfolgsanalysen ermöglichen nicht nur die übersichtliche Darstellung des Gesamtergebnisses der Einzelpraxis, sondern auch die Bewertung einzelner Parameter der Gesamtgruppe. Anhand dieser Analysen konnten Risikogruppen identifiziert und potenzielle Ursachen für die Häufung bestimmter Komplikationen erkannt werden. Hieraus ergeben sich direkte, praktische Konsequenzen für die fundierte Indikation, die optimale Therapie und die individuelle gesicherte Langzeitprognose bei keramischen Restaurationen.

Insgesamt sind die klinischen Ergebnisse der teilnehmenden Praxen ausgezeichnet: Komplikationen und Misserfolge sind nur sehr selten aufgetreten.

Ziel der CSA-Studie

Das CSA ermöglicht den Aufbau eines dynamischen Regelkreises, der geänderte Indikationsstellungen, modifizierte klinische Vorgehensweisen oder auch die Verwendung neuer Materialien gesichert analysiert und intern vergleichend bewertet.

Seit einigen Jahren unterstützt die AG Keramik kleine, regionale Zirkel, in denen unter anderem diese individuellen Ergebnisse aufgearbeitet werden.

Als Zukunftsperspektive ist auch eine Integration des CSA in eine allgemeine Verwaltungssoftware für die Zahnarztpraxis denkbar.

Dr. Bernd Reiss
Hauptstraße 26
76316 Malsch
BReiss@t-online.de
info@ag-keramik.de
http://www.csa-online.net

 

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