Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

für kaum jemanden liegen die sprichwörtlichen Kombattanten „Spott“ und „Schaden“ so dicht beieinander wie für die Gruppe der Übergewichtigen.

Sie haben es schwer. Nicht zuletzt dank des in unserer Gesellschaft mit ihren Idealen und Ideologien ständig suggerierten Zwangs zur Perfektion: Jeder kann alles werden, das hässliche Entlein dank Bruce Darnell ebenso zum stolzen Schwan wie der dem Kinderlieder- Geträller just entkommene Jugendliche zum Idol in „Deutschland sucht den Superstar“.

Dass die Realität jenseits des Bildschirmflimmerns ganz anders ist, beweist meist schon das abendliche Gesinge unter der Dusche mit anschließendem Blick in den Spiegel. Wohl dem, der sich dabei das Selbstbewusstsein eines Lindgrenschen „Karlson vom Dach“ („Ich bin ein gerade richtig dicker Mann in meinen besten Jahren“) bewahrt und das Leben trotzdem lieben kann. Dennoch: Auch unter Heilberuflern kommt mancher gerade in dieser Jahreszeit schnell auf dem Trichter des „Zuviel ist zuviel!“ und sucht trotz langen und schweren Praxisalltags nach der in Kilos messbaren Methode zur körperlichen „Entlastung“. Dass das geht, und vor allem auch Vorschläge, wie es unter Berücksichtigung der eigenen Gesundheit geht, kann der Interessierte diesem Heft entnehmen.

Sinnvoll ist es immer, auch in dieser Frage, maßvoll zu bleiben. Selbst für Körperfette gilt, dass die Dosis das Gift macht. Das Feld zwischen Anorexie und Adipositas ist nämlich groß.

Nachdenklich muss es dennoch machen, dass trotz des Hangs zur gesundheitlichen Perfektion die Deutschen immer dicker werden. Nicht selten wird kolportiert, dass die Übergewichtigen bald so an die gesellschaftliche Kandare geraten, wie es hartgesottene Raucher gegenwärtig hinter vorgehaltener Hand beklagen.

Welche Auswüchse das haben kann, dafür gibt es im Ausland schon genügend Beispiele: Die Einwanderungsbehörden Neuseelands lassen beispielsweise keine Frau ins Land, deren Taille mehr als 88 Zentimeter Umfang misst. Oder in Mexiko: Dort erhalten Polizisten für jedes erwiesenermaßen abgespeckte Kilo 100 Pesos zusätzlich auf ihrem Lohnzettel. Vorboten dafür, dass es immer dicker kommt?  

Die Gesellschaft will Prävention betreiben, um gesund zu erhalten und Kosten im Gesundheitswesen zu sparen. Es gilt Krankheit, wo es geht, zu verhindern. So weit, so gut. Aber auch hier muss gelten, dass das richtige Maß gehalten wird. Mit Blick auf „Spott und Schaden“: Aufklärung tut gut, Häme hilft nicht.  

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteu