Gesundheitsleistungen

Kosten und Nutzen auf dem Prüfstand

Was kostet Medizin heute und morgen? Wer kann sich künftig seine Gesundheit noch leisten? Und wie wirtschaftlich ist unser Gesundheitswesen überhaupt? Eine Fachtagung des Helmholtz Zentrums München am 26. Februar in der Hauptstadt gab vielschichtige Antworten auf aktuelle Fragen.

Nicht zuletzt seit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz ist die Gesundheitsökonomie in Deutschland verstärkt in den Fokus des Gesundheitswesen gerückt. Während das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) am 26. Februar in Berlin sein Symposium zur Kosten- Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln abhielt, um seinen Methodenvorschlag vorzustellen, fand parallel dazu eine Fachtagung des Helmholtz-Zentrums München statt. Geladen waren rund 80 Vertreter aus Forschung, Ministerien, Pharma und Gesundheitswesen. Auf der Agenda standen „Kosten und Nutzen von Gesundheitsdienstleistungen auf dem Prüfstand“, geboten wurde ein fachlich gut fundiertes und breit angelegtes Forum für Akteure im Gesundheitswesen.

Worum es geht, umriss der Wissenschaftlich- Technische Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums München, Prof. Dr. Günther Weiss: Den Patienten könnten Innovationen nicht dauerhaft vorenthalten werden, auch die Wissenschaft sei gefordert, kostengünstige Verfahren zu entwickeln und Lösungen zu erarbeiten, um allen den Zugang zu neuen Leistungen zu ermöglichen. Prognosen für das Jahr 2020 skizzierte Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender, Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie der Universität Bayreuth. Seiner Auffassung zufolge liege im Gesundheitswesen ein großer Wachstums- und Beschäftigungsmarkt. Rationalisierung und Rationierung gewännen an Bedeutung, es werde eine Zweiteilung des Gesundheitswesens geben. Regelleistungen garantierten per Umlageverfahren eine Grundversorgung, Wahlleistungen würden durch Prämien und Kapitaldeckungselemente finanziert. Innovationen würden über standardisierte Evaluationsverfahren bewertet werden. Auf der Leistungsebene müssten mehr Qualitätskriterien eingeführt werden. Er prognostizierte mehr selektive Verträge mit den Kassen, eine Steuerfinanzierung sowie mehr Selbstbeteiligung der Patienten.

„Wenn die Effizienz verbessert wird, ist mehr Gesundheit für das gleiche Geld erreichbar“, so die Meinung von Prof. Dr. Reiner Leidl, Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen am Helmholtz Zentrum München. Er stellte Instrumente der ökonomischen Evaluation vor, um die Wirtschaftlichkeit von medizinischen Leistungen zu quantifizieren: basierend auf der Größe „Quality-adjusted life years (QALYs)“ könne Gesundheit gemessen werden. Das Ausland habe mit solchen Vorgehensweisen bereits gute Erfolge erzielt, in Deutschland herrsche Nachholbedarf.

Ethik nicht vergessen

Bei aller Ökonomie dürfe die Ethik nicht in Vergessenheit geraten, mahnte Pfarrer Dr. Heiner Aldebert vom Institut Technik, Theologie und Naturwissenschaften der Universität München. Er forderte eine gerechte Verteilung der vorhandenen Ressourcen und die Aufrechterhaltung der Menschenwürde als hohes Gut.

Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittel, plädierte für neue und bessere Steuerungsinstrumente durch den Wettbewerb sowie Gesundheitsökonomie als Entscheidungsgrundlage. Eine Kosten-Nutzen-Bewertung nach internationalen Standards, wie sie das GKV-WSG vorsehe, könne ein taugliches Instrument sein, leider klafften aber Gesetz und Praxis weit auseinander.

Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, erklärte, dass das GKV-WSG auf ein „plumpes Preisdumping“ ausgerichtet sei: „Wir brauchen eine Kosten- Nutzen-Analyse im Alltag der Versorgung. Das kann im Wettbewerb organisiert werden.“ 20 Prozent der Menschen benötigten 80 Prozent der Leistungen, erläuterte er. Rebscher sprach sich für eine Kultur im Gesundheitssystem aus, bei der „Messen am Schluss nicht alles ist.“  

INFO

Arm – krank – sozial?

Der Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit einerseits und dem Gesundheitszustand andererseits steht in Deutschland immer mehr in der Diskussion, so auch auf der Tagung in Berlin. Inzwischen häufen sich Untersuchungen, die die Verbindung von Armut, Krankheit und Sozialstatus mit Zahlen belegen. Es gelte, das Ausmaß zu sammeln, zu evaluieren und gezielte Präventionsprogramme zu entwickeln, bei der alle Akteure, auch die Politik, an einem Strang ziehen, so Dr. Andreas Mielck vom Helmholtz Zentrum München. Im Ausland sei man damit bereits weiter als hierzulande.


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