Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

Problem erkannt, Problem gebannt? Diese verkürzte, weil rein erkenntnisorientierte Sichtweise der Dinge taugt nur für eine sehr geraffte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Geht es um die Überalterung unserer Gesellschaft, ist mit dieser platten Rezeptur aus heutiger Sicht noch nicht allzuviel zu meistern.

Dennoch: Mit zunehmender Gewöhnung an die allgegenwärtige Perspektive der Greisengesellschaft ist augenscheinlich die erste Schocklähmung überwunden. Man widmet sich dem Thema mit Sachverstand. Die Erkenntnis, dass der ältere Teil dieser Gesellschaft mangels versorgendem Nachwuchs wohl in den sauren Apfel der Selbsthilfe beißen muss, reift in den Köpfen unserer Zivilisation. Die Ansätze für mildernde Maßnahmen sind mannigfaltig.

Mit zunehmender Akzeptanz der anstehenden Aufgaben sehen Bevölkerung und Fachwelt die Dinge auch weit pragmatischer. Der anfänglich aufbrausende Protest gegen die Erkenntnis, die Rentenproblematik erfordere längere Lebensarbeitszeiten als früher, weicht differenzierteren Betrachtungen. Zum Beispiel der, dass höhere Lebenszeit und rüstiger Altenstand nicht nur den Traum der überalternden Spaßgesellschaft aufdrängt, sondern auch andere Möglichkeiten aktiver Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen schafft. Hier gibt es noch vieles zu tun.

Dass der präventive Aspekt des gesunden Alterns immer wichtiger wird, liegt auf der Hand. Nicht umsonst befasst sich die Europäische Gemeinschaft mit Forschungsprogrammen, die mit Fördergeldern bestückt nach intelligenten Lösungen suchen, damit ältere oder behinderte Menschen möglichst lange selbständig leben können. Und das ist nur eines von vielen Projekten, die auf die Gesellschaft der Alten vorbereiten sollen.

Detailliertes Wissen, wie sich der Alterungsprozess auf das Verhalten im Alltag auswirkt, wird so zum Werkzeug für eine humane Zukunft. Die Gesunderhaltung der Menschen bis ins hohe Alter ist ein entscheidender Schlüssel für ein lebenswertes Miteinander der Menschen hier in Europa. Profunde Kenntnisse über das typische Ernährungsverhalten älterer Menschen und die Interdependenz von Morbidität und Malnutrition erhalten vor diesem Hintergrund auch für die zahnärztliche Praxis andere Bedeutung. Und die Befassung mit den auf den individuellen Bedarf älterer Menschen ausgerichteten Möglichkeiten der Zahnmedizin ist ein Feld, das mit zunehmendem Lebensalter dieser Gesellschaft zwangsläufig ins Zentrum des Versorgungsgeschehens rücken wird.

Hier hat auch die bildende persönliche Vorsorge großen Stellenwert. Problem erkannt?

Spaß beim Lesen wünscht

Ihr

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur