17. Brandenburgischer Zahnärztetag in Cottbus

Interdisziplinäre Funktionsdiagnostik

Einen Glücksgriff tätigten die Organisatoren des jüngsten brandenburgischen Zahnärztetages mit der Wahl ihres wissenschaftlichen Leiters: Prof. Dr. Georg Meyer, Greifswald. Er verwirklichte am Ende seiner Amtszeit als Präsident der DGZMK seine Vision einer fachübergreifenden Funktionsdiagnostik und Therapie.

„Diese Tagung entspricht meinem Ziel, welches ich mir für meine Präsidentschaft vorgenommen hatte: die Zahnmedizin viel mehr interdisziplinär zu betrachten und zu fordern, dass wir medizinische Verantwortung übernehmen müssen für die Segmente, für die wir Kraft unserer Qualifizierung zuständig sind“, umschrieb Prof. Meyer in Cottbus seine Intention für die Gestaltung des Zahnärztetages. Auch Jürgen Herbert, Präsident der Landeszahnärztekammer Brandenburg, freute sich auf die namhaften Referenten aus allen Teilen der Bundesrepublik. Die über 1 400 Zahnärzte, Zahnmedizinischen Fachangestellten, Zahntechniker, Studenten und Gäste des Zahnärztetages kamen in den Genuss, zahlreiche Spitzenvertreter verschiedener Fachgesellschaften mit ihren Vorträgen zu erleben. Die Veranstaltung wird von der Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlichen Vereinigung Land Brandenburg sowie dem Quintessenz Verlag Berlin alljährlich gemeinsam veranstaltet.

Wichtig für die Einheit des Berufsstandes sei insbesondere der Zusammenhalt zwischen Wissenschaft und Standespolitik, unterstrich der Vizepräsident der BZÄK und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Dietmar Oesterreich in seinem Grußwort. Dass sämtliche zahnärztliche Fachgesellschaften die bis dato bekannten Pläne zur Novellierung der GOZ abgelehnt hatten, zeige Wirkung gegenüber der Politik. Am brandenburgischen Zahnärztetag erfreute ihn die Beständigkeit hoher Teilnehmerzahlen.

Interessante Einblicke in die so ganz eigene Welt der Lippenpflockindianer gewährte Dr. Roland Garve aus Geesthacht als Festredner. Selbst Zahnarzt, beteiligt er sich seit Jahrzehnten an Expeditionen und Forschungsreisen nach Afrika, Asien, Südamerika und erzählte von seinem jüngsten Projekt, innerhalb eines von der EU unterstützten Regenwald- Programmes die Sozialstruktur, Kultur und den Gesundheitszustand der Zoé zu erforschen.

Thematisch aufbauend erhielten die Zahnärzte zur „Zahnärztlichen Funktionsdiagnostik und Therapie interdisziplinär“ umfassende Einblicke, den aktuellen Stand der Wissenschaft und praxisnahe Tipps. Beginnend mit dem anatomischen Grundlagenwissen ging es über den ersten Schritt der Diagnostik, dem CMD-Screening, zur Funktionalität von Artikulatoren und deren korrekten Einsatz hin zu den Prinzipien der Schienentherapie, insbesondere mit Okklusionsschienen. Welche Auswirkungen Kaufunktionsstörungen überhaupt haben, offerierte die Auswertung der „Study of Health in Pomerania (SHIP)“ – beispielsweise mit der Erkenntnis, dass CMD-Patienten nicht nur häufiger, sondern auch unter stärkeren Kopfschmerzen leiden. Ein gewichtiger Grund dafür, der Funktionsdiagnostik entsprechendes Augenmerk zu widmen.

Beleuchtet wurde darüber hinaus das junge Gebiet der Zahnmedizin CADCAM, mit dessen Hilfe im Zuge von Restaurationen sehr gut Kauflächen so gestaltet werden können, dass eine optimale Okklusion wiederhergestellt ist. Mit einem Abstecher zu einem Randgebiet der Zahnmedizin, dem Behandeln von Schlafapnoe, führte das Programm wieder zurück zur Biomechanik, sprich den Wechselwirkungen zwischen Kiefergelenksund Kauflächenfunktionen. Den Abschluss der zweitägigen Vortragsreihe für die Zahnärzte bildeten der Zahnmediziner Prof. Kopp und der Mediziner Dr. Plato. Sie beschlossen das Thema interdisziplinär aus orthopädischer Sicht, legten den Schwerpunkt auf praxisrelevante Screeningtechniken und demonstrierten vor Ort, wie leicht diese Techniken im täglichen Praxisalltag anzuwenden seien.

Der nächste brandenburgische Zahnärztetag am 14. und 15. November steht unter dem Thema: „Vollkeramische Restaurationen“ mit Prof. Dr. Peter Pospiech als wissenschaftlichem Leiter.

Jana Zadow
Landeszahnärztekammer Brandenburg
Postfach 10 07 22, 03007 Cottbus



 

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