Zahnmobil im hohen Norden

Der Zahnarzt macht in Hamburg Hausbesuche auf der Straße

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Colgate-Palmolive GmbH in Hamburg sammeln einmal im Jahr für einen guten Zweck. Die Geschäftsleitung legt die gleiche Summe noch mal oben darauf. Das Ziel der Spende rollte Anfang März erstmals über die Hamburger Straßen.

Das Zahnmobil der Caritas, gesponsert von Colgate. Diese Kooperation gab es noch nicht. So ein Mobil mit (fast) kompletter Zahnarztpraxis an Bord gab es auch noch nicht in Deutschland, wie es die Caritas betonte. So musste das ausführende Dentaldepot Henry Schein einiges Neuland betreten. Hamburg ein Dritte-Welt-Gebiet? Der Gedanke kommt fast auf, denn schon verschiedene rollende Zahnarztpraxen wurden in Notgebiete verschifft. Das Zahnmobil wurde jedenfalls durch Peter Laschinski, Caritasdirektor und Diakon, in Dienst gestellt. Der Hamburger Weihbischof war leider kurzfristig nach Berlin gerufen worden. So fiel dieser Akt weniger farbenfroh aus, wie es Laschinski selbst sagte.

Die Caritas hat in Hamburg reichlich Erfahrungen mit einer rollenden Praxis. Denn schon über 13 Jahre rollt eine Arztpraxis zu den Treffpunkten der Obdachlosen. Alle vier Wochen etwa fuhr auch schon ein Zahnarzt beziehungsweise eine Zahnärztin mit. Katholisch zu sein, war keine Voraussetzung, was ja auch im evangelischen Norden selten anzutreffen wäre.

Allein der Wunsch, zu helfen, trieb die Ärzte und Zahnärzte auf die Straße. Nun also mit einem nagelneuen Wagen. Die Caritas stellte Fahrer und Assistentinnen an. Die ehrenamtlich tätigen Zahnärzte wurden mithilfe der Kammer gesucht und auch gefunden. Bisher teilen sich sieben Zahnärztinnen und Zahnärzte diese Aufgabe. Weitere dürfen sich gern melden.

Für drei Jahre unter Firmenobhut

Per Vertrag stellt sich Colgate diesem Projekt für erst einmal drei Jahre zur Verfügung. Einen nicht unbeträchtlichen Teil der 150 000 Euro der laufenden Kosten trägt das Unternehmen. Dafür steht der Namenszug der Firma groß auf dem Fahrzeug. Den Bau des Wagens und die Einrichtung der Praxis übernahmen das Hamburger Spendenparlament und die ARD-Fernsehlotterie. Das kostete rund 160 000 Euro. Für die Behandlung kommen im Übrigen weder Sozialbehörde noch die gesetzlichen Krankenkassen auf. Es sei noch nicht angefragt worden, hieß es auf der gemeinsamen Caritas-Colgate- Pressekonferenz.

Jetzt kann der Zahnarzt die Obdachlosen zu Hause besuchen, auch wenn das die Straße ist. Erste Probefahrten in Hamburger Bezirken hat das Mobil bereits absolviert. Die Technik funktioniert. Die Obdachlosen werden informiert. Nun darf gebohrt werden. Dies allerdings auch nur in Maßen, denn viel mehr als eine Notbehandlung dürfte nicht möglich sein – und möglicherweise von den Patienten auch nicht nachgefragt werden. Schon das fehlende Röntgengerät setzt Grenzen. Niedergelassene Zahnärzte rund um die Haltestellen des Zahnmobils sollen diese Lücken schließen und weitergehende Leistungen erbringen.

Auch sozial Schwache sind willkommen

Als bereits lange mitfahrende Zahnärztin äußerte sich Dr. Karin Heimer in der Pressekonferenz. Sie wünschte sich, den grundsätzlichen Bedarf an zahnärztlicher Behandlung auf der Straße mithilfe des Zahnmobils besser decken zu können. Zu den „Kunden“ des Fahrzeuges zählt sie nicht nur Obdachlose. Sie schätzt, dass auch andere Bürgerinnen und Bürger mit wenig Einkommen, aber Furcht vor der Praxisgebühr, diesen kostenlosen Service nutzen werden.

Mit der Behandlung der Obdachlosen ist das Zahnmobil offenbar nicht ausgelastet. Denn die Caritas will darüber hinaus auf Nachfrage noch Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen ansteuern. Dort soll nicht gebohrt werden. Hier will die Caritas Präventionsarbeit leisten. Eng will sie auch mit dem Schulzahnärztlichen Dienst kooperieren. Parallel zu den Reihenuntersuchungen soll das Zahnmobil auf dem Schulhof zur spielerischen Eroberung einer Zahnarztpraxis einladen und so Ängste abbauen. Mit den Hamburger Schulzahnärzten war dieses Projekt bis Anfang März allerdings nur in Ansätzen abgestimmt.

 

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