Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser

dem Kranken fehlt nur eins, dem Gesunden aber vieles. Hat der Volksmund damit Recht, kann man angesichts eines heute doch recht hohen gesellschaftlichen Anspruchsdenkens auf eine ziemlich gute Volksgesundheit schließen. Medizinische Leistungen und Erfolge der letzten Jahrzehnte wie auch soziodemografische Daten scheinen das ebenfalls zu bestätigen, auch wenn es genügend Befürchtungen für absehbare Fehlentwicklungen gibt. Dennoch: Hier hat unsere Gesellschaft ihre Hausaufgaben scheinbar gemacht.

Klar, dass auf dem bisher erreichten Niveau die Anforderungen nicht geringer werden. Medizinisch nicht, kostenbezogen aber auch nicht. Auf einer so erreichten Basis wachsen die Ansprüche an das Gesundheitswesen, wie auch immer es gestaltet sein mag. In der Politik ist die Bereitschaft zu entsprechenden Anschüben für den sogenannten Gesundheitsmarkt aktuell sehr gering. Bürokratie und Regulierungswut bringen den Wachstumsmotor Gesundheitswesen eher ins Stottern. Dennoch: Ausbremsen lassen sich die Anstrengungen für weitere Fortschritte trotzdem nicht.

Doch es sind nicht allein pekuniäre Aspekte, die diesen Bereich bestimmen sollten. Gesundheit ist und bleibt eines unserer höchsten Güter.

Und unübersehbar bleibt auch: Trotz aller Wirtschaftlichkeitsansätze schrauben sich Angebote und Nachfragen jenseits des regulierten Kern-Gesundheitssystems gerade in den Randbereichen weiter hoch. Mit rein ärztlicher Behandlung und Heilung von Krankheiten hat dieses Feld oft nur noch mittelbar zu tun. Wellness, gesunde Ernährung, präventive Ansätze, die über fast schon „altbacken“ wirkende Ideen wie den „Trimm“-Sport heute längst weit hinausreichen, haben eine Maschinerie in Gang gesetzt, die aber auch das Gefüge mancher Praxis tangieren.

Letztlich haben die Ansprüche und das Wissen der Bürger, das enge System gesetzlicher Regulierung und eine Vielfalt an nicht vom Gesetzgeber „abgesegneten“ Möglichkeiten das breite Feld geschaffen, das zur Definition des sogenannten zweiten Gesundheitsmarktes in Deutschland geführt hat.

Das Resultat: Wirtschaft, die der Markt schafft. Eben Markwirtschaft. Egal, wie der Einzelne zu dieser Entwicklung stehen mag: Hier wird auch der Dampf abgelassen, den das unter Druck stehende System so nicht mehr aushält.

Wichtig bleibt, dass in all diesen Fragen ärztliche Qualität oberstes Gebot bleibt und das Wohl des Patienten an oberster Stelle steht.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur