Indexfonds

Von der Rarität zum Renner

Die Profis unter den Anlegern haben die Indexfonds schon längst aus ihrem Nischendasein befreit. Jetzt entdecken auch die Privatiers die Vorzüge der kostengünstigen Anlage. Vor allem die börsengehandelten ETFs (Exchange Traded Funds) bereichern immer mehr Depots.

Wer Geld zum Anlegen auf seinem Konto hortet, kann sicher sein, dass ihn sein Bankberater bei der nächsten Gelegenheit darauf anspricht und ihm diverse Möglichkeiten unterbreitet, wie er sein Kapital Gewinn bringender anlegen kann. Eines werden die Vorschläge gemeinsam haben: Es sind alles Produkte der Hausbank – und sie bringen dem Haus ansehnliche Erträge in Form von Provisionen, Depot-, Management und Verwaltungsgebühren. Diese Einnahmequellen gilt es zu nutzen, darauf ist der Berater von seinem Dienstherrn eingeschworen worden. So steht für ihn an erster Stelle eher das Wohl seines Arbeitgebers als die Rendite des Kunden. ETFs (Exchange Traded Funds) werden sich auf der Angebotsliste kaum finden. Denn daran gibt es nur wenig zu verdienen – jedenfalls nicht für die Geldhandelshäuser.

Der Clou liegt im System

Anleger profitieren umso mehr von den Indexfonds, besonders wenn sie wie die ETFs an der Börse gehandelt werden. Der Clou liegt im System: Sie orientieren sich bei der Auswahl der Anlageprodukte einfach an einem Index. Entsprechend der Vorgaben dieser Messzahl investieren die Fondsmanager das Kapital der Anleger in Aktien, Anleihen oder Rohstoffe. Denn Indexfonds bilden den jeweiligen Wertpapier-Index wie zum Beispiel den Dax oder den M-Dax so genau wie möglich ab. Für einen Fonds, der sich nach dem DAX richtet, bedeutet das, das eingezahlte Kapital wandert in die Aktien der 30 wichtigsten deutschen börsennotierten Unternehmen. Der M-Dax setzt sich aus 50 mittelgroßen Aktiengesellschaften zusammen.

Die Indizes zeigen zu jeder Sekunde während der Handelszeit der Börse, wie sich die Gesellschaften im Durchschnitt entwickeln. Zwar gilt der Dax als der wichtigste Index auf deutschem Börsenparkett. Doch daneben gibt es noch den TecDax, den SDax, den VDax und noch rund 2 100 andere Indizes, die alle an der Frankfurter Börse gelistet sind. Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley berechnet etwa 80 000 Indizes. Für Fondsgesellschaften, die sich wie iShares auf Indexfonds kaprizieren, ein weites Feld.

Anlegern bieten sie die Möglichkeit, sich auf Felder vorzuwagen, auf die sie sich sonst nicht trauen werden. Denn wer Anteile eines Indexfonds kauft, der investiert sein Kapital indirekt in Aktien der Unternehmen, die in dem jeweiligen Index vertreten sind. So bekommt der Anleger zum Beispiel die Möglichkeit, sich in Rohstoffen zu engagieren ohne das Risiko einzugehen, sich eine bestimmte Aktie eines Produzenten heraus picken zu müssen. Investoren, die an die Zukunft Europas glauben, entscheiden sich für einen Fonds, der in den Euro-Stoxx-50- Index investiert. Er gehört zur Dow Jones Stoxx-Familie und legt in die 50 wichtigsten Aktien aus dem Raum der Europäischen Währungsunion an. Nicht nur in Aktienindizes investieren diese Fonds. Es können auch Indizes auf Anleihen oder Futures sein. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Zwar verteilen sich die Risiken bei der Investition in einen Index auf alle darin enthaltenen Werte, doch der Schutz vor Abstürzen ist nicht inklusive. Indexfonds machen wie der Index selbst alle Bewegungen nach oben und nach unten mit. Der Fondsmanager kann nicht gegensteuern. Das ist auch nicht seine Aufgabe.

Und läuft, und läuft …

Indexfonds laufen in der Regel endlos. Wie bei jedem anderen Investmentfonds braucht der Anleger auch hierbei keine Angst um sein Geld zu haben. Denn das Kapital des Fonds gilt als Sondervermögen. Es bleibt geschützt, auch wenn die Fondsgesellschaft in Konkurs gehen würde.

Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz der Indexfonds. Denn besonders über die wichtigsten Indizes wie den Dax oder Dow Jones wird ständig berichtet. Der Anleger braucht nur die Zeitung aufzuschlagen, im Fernsehen oder Radio die Nachrichten zu hören – die Information über das Auf und Ab der wichtigsten Indizes ist obligatorisch. Damit bekommt er zumindest eine ungefähre Vorstellung von der aktuellen Entwicklung seiner Geldanlage. Eins zu eins lassen sich die Daten aber nicht auf den Fonds übertragen. Die Kosten und die Gewichtung der einzelnen Aktien im Fonds verzerren das Bild. So sind in einem Index wie zum Beispiel im Dax die verschiedenen Aktien zu unterschiedlichen Anteilen enthalten. Zu den Schwergewichten zählen E.ON mit 10,10 Prozent, Siemens 9,84, Allianz 9,14 und die Telekom mit 4,88 Prozent. Da verwundert es nicht, dass ein Kurssturz der Siemens-Aktie am 17. März den Dax gleich mit in die Tiefe gerissen hat. Der Chef eines aktiv gemanagten Fonds hätte aufgrund der Gewinn- Warnung, die Siemens-Chef Peter Löscher Mitte März ausgegeben hat, die Papiere vielleicht so schnell wie möglich verkauft – der Index macht die Bewegung automatisch mit. Dann hätte der der Fondsmanager aber wahrscheinlich die schnelle Erholung der Aktie am nächsten Tag verpasst. Das ist ein Beispiel dafür, warum der Index häufig besser abschneidet als aktiv gemanagte Fonds.

Wer herausfinden möchte, ob sich der gewählte Fonds und der dazu gehörige Index möglichst parallel entwickeln, schaut auf den so genanten Tracking Error – eine Messzahl, die die Fondsgesellschaften veröffentlichen. Die Fondsmanager fühlen sich herausgefordert und zeigen den großen Ehrgeiz, wenn es darum geht, den Index zu schlagen. Wie häufig sie dabei scheitern, zeigt eine Untersuchung des Vermögensverwalters Gecam in Berlin, bei der 7 600 in Europa zugelassene Fonds unter die Lupe genommen worden sind. Danach schneidet nur jeder dritte Aktienfonds besser ab als der Vergleichsindex.

Breit aufgestellt, gut aufgehoben

Nicht jeder Indexfonds erweist sich unbedingt als Treffer. Auch bei dieser Anlage muss der Investor genau hinschauen, für welches Produkt er sich entscheidet. Kein leichtes Unterfangen bei rund 280 Indexfonds, die allein an der Frankfurter Börse gelistet sind. Zu den Hauptemittenten zählen iShares (früher Indexchange), die Deutsche- Bank-Tochter dbxtrackers und Lyxor. Die Experten von Finanztest beispielsweise empfehlen, sich nicht auf Abwege zu begeben. Auf Nummer sicher gehen Anleger, die in einen breit aufgestellten Aktienfonds investieren. Das kann zum Beispiel der Dax oder aber der MSCI-Deutschland oder -Europa sein. Sich in die vielen Spezialindizes zu vertiefen, um bestimmte Strategien zu verfolgen, dürfte die Meisten überfordern. Interessant aber ist die Unterscheidung zwischen Indizes, bei denen die Dividenden ausgeschüttet beziehungsweise automatisch wieder investiert werden (thesaurierend). Von einigen Indizes wie zum Beispiel der Europa-Index Euro- Stoxx 50 oder auch vom Dax gibt es beide Versionen. Wer sein Fonds-Engagement als langfristige Anlage plant, entscheidet sich besser für die thesaurierende Version. Denn würden die ausgeschütteten Dividenden wieder angelegt, fielen wieder Kosten an.

Wichtig für die Kaufentscheidung ist auch das Volumen des Fonds. Je größer die in den Fonds investierte Summe ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er am Markt bleibt. Anleger können dann sicher sein, dass der Fonds liquide und gut handelbar ist.

Alte Regeln, neue Regeln

Was die steuerliche Seite angeht, so gilt für Indexfonds: Für alle Anteile, die noch in diesem Jahr gekauft werden, gelten die alten Regeln: Dividenden unterliegen dem Halbeinkünfteverfahren, der Kursgewinn der Einkommenssteuer. Verkauft der Anleger seine Anteile nach einem Jahr, bleibt der Ertrag steuerfrei. Ab dem 1. Januar 2009 beginnt jedoch die Zeitrechnung der Abgeltungssteuer. Auf Gewinne aus Fondsanteilen, die nach diesem Tag gekauft werden, fallen 25 Prozent Abgeltungssteuer an. Da kann es sich gleich doppelt lohnen, direkt in einen Index zu investieren. Das Ergebnis sieht dann umso besser aus, weil für den Kauf eines Indexfonds sehr viel weniger Gebühren anfallen als für einen aktiv gemanagten Fonds. Das gilt besonders für die Exchange Traded Funds (ETF). Sie werden an der Börse gehandelt. Für sie fällt kein Ausgabeaufschlag an sondern nur der so genannte Spread – die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis – in Höhe von 0,2 bis zwei Prozent.

Wer sich einen Indexfonds ins Depot legen möchte, braucht eine Bank, die für ihn den Kauf durchführt. Diesen Service lassen sich natürlich alle an der Handlung Beteiligten bezahlen. So fordert die Börse zwischen 0,95 und zwei Euro, wenn die Abwicklung über das Handelssystem Xetra erfolgt. Die beauftragte Bank reicht diese Kosten an ihren Kunden weiter und hält auch selbst die Hand auf. Die meisten Institute verlangen für den Kauf von Indexfonds den gleichen Satz wie für Aktien. Die Kaufgebühr beträgt zwischen 0,25 und ein Prozent der investierten Summe. Unabhängig davon fordern alle Institute eine Mindestgebühr beim Fondskauf. Unterschiede gibt es zwischen den klassischen Banken und den Discountbrokern, die ihre Geschäfte über das Internet abwickeln.

Kleinere Kosten für reichere Rendite

Rund 260 ETFs stehen den Anlegern zur Auswahl. Innerhalb von nur einem Jahr hat sich das Angebot verdoppelt. Dennoch kennen nur wenige Anleger diese Möglichkeit, ihr Geld anzulegen. Dabei eignen sich die unkomplizierten Wertpapiere durchaus für die Altersvorsorge. Die Gründe liegen auf der Hand: die geringen Kosten und die häufig besseren Renditen. Auf lange Sicht kann es daher durchaus möglich sein, dass ein Indexfonds bessere Chancen hat als ein aktiv gemanagter Fonds. Denn die Manager wechseln genauso wie ihre Strategien. Diese Methoden sind aber bei weitem nicht immer von Erfolgen gekrönt. Anleger können ETFs jederzeit über die Bank, oder einen Online-Broker kaufen und verkaufen.

Nachdem sich die Indexfonds unter den Profianlegern durchgesetzt haben, locken immer mehr Institute die Kleinanleger mit Sparplänen. Eigentlich – so möchte man denken, eine sinnvolle Sache. Über einen langen Zeitraum kleine Beträge – bei manchen Banken reichen 25 Euro im Monat – zu sparen, tut nicht weh. Die niedrigsten Gebühren verlangen die Discount-Broker und die Online- Banken. Doch auch hier lohnt es sich mal wieder, genauer hinzugucken: Die Gebührenordnungen der Anbieter machen die geldwerten Vorteile der Indexfonds beinahe zunichte. So kann es sein, dass der Kunde für eine Einmalanlage von 3 000 Euro 4,90 Euro Grundgebühr plus 0,25 Prozent des Anlagebetrages berappen muss. Verteilt er die Anlage aber auf 60 Monatsraten à 50 Euro, zieht die Bank insgesamt 162 Euro Gebühren ein, vergleichbar der Summe, die bei einem aktiv gemanagten Fonds mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag anfällt. Eine Rechnung, die nicht aufgeht. Da macht es mitunter mehr Sinn, die nötige Summe auf dem Tagesgeldkonto anzusparen und dann erst in einen Indexfonds zu stecken.

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de

INDEX

Stichwort: Tracking Error

Die Idee der ETFs ist es, den jeweiligen Index so genau wie möglich abzubilden. Allerdings gelingt das nicht immer. Der Anleger, der sich für einen bestimmten Fonds interessiert, kann sich aber anhand des Tracking Errors über das Maß der Abweichung der Wertentwicklung seines gewählten Index informieren. Dabei fällt die Abweichung umso geringer aus, je niedriger der Tracking Error ist. Fällt der hoch aus, investiert der Fonds in Positionen, die außerhalb des Index liegen. Damit steigt auch das Risiko, dass sich der Fonds und der zugrunde liegende Index unterschiedlich entwickeln.

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