Gesundheitskongress des Westens

Potenziale erschließen

„Auf dem Weg zur Sozialen Gesundheitswirtschaft“ – so lautete das Motto des zweiten Gesundheitskongresses des Westens in Essen. Ziel der Veranstaltung war es, eine umfassende Informationsplattform zu bieten, um politische und wirtschaftliche Perspektiven im Sektor Gesundheit aufzuzeigen.

Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr knüpften die Initiatoren des Kongresses an ihr Vorhaben an, der Gesundheitswirtschaft als Innovationssektor ein ständiges Forum zu bieten. Kongressleiter Ulf Fink, Wiso- Gruppe Berlin, sprach von einer „Ideenschmiede“ für eine „Boom-Wirtschaft.“

Nordrhein-Westfalen versteht sich – mit rund einer Million Beschäftigten in diesem Bereich, das sind 15 Prozent aller Beschäftigen im Land – als Vorreiter auf dem Feld der Gesundheitswirtschaft. Das machte auch Prof. Dr. Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, deutlich. Die Branche sei eine der größten und wachstumsstärksten und gelte als Jobmotor Nummer eins. Besonderes Potenzial sieht der Minister in der Medizintechnik. Wer dieses erschließen wolle, müsse in die Breite der wirtschaftlichen und in die Spitze der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung auf dem Feld Gesundheit investieren. „Nur wer das Zeug zu Spitzenleistung in Forschung und Entwicklung hat, wird auch die Praxis der Zukunft prägen können.“

Was das Gesundheitssystem in Deutschland angehe, so brauche dieses dringend mehr ökonomische Vernunft, mahnte Pinkwart. „Es geht darum, die Einrichtungen und Leistungen unseres Gesundheitssystems dauerhaft ökonomisch sattelfest zu machen, damit medizinischer Fortschritt bei den Patienten ankommt.“ Er sprach sich für tiefgreifende Reformen aus und betonte: „Politik muss Verantwortung übernehmen für die Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft.“

Als einen „Kongress des Querdenkens“ bezeichnete der wissenschaftliche Leiter, Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg, Universität Hannover, die Veranstaltung. In Form von neun Thesen zur Sozialen Gesundheitswirtschaft diskutierte er mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Daniel Bahr und dem DAKVorstandsvorsitzenden Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher. Einigkeit bestand bei den Diskutanten darin, dass die jetzige Gesundheitsreform einen Rückschritt darstelle, Instrumente wie der Fonds gäben falsche Signale, der gesundheitspolitische Ansatz sei insgesamt insuffizient. Es entstehe eine neue Form von Vereinheitlichung, bei der die Instrumentarien ordnungspolitisch nicht zusammenpassten.

Auf dem Kongress selbst kamen eine Fülle von Themen zu Sprache: Neben Diskussionen rund um die Gesundheitsreform ging es in einem weiteren Schwerpunkt um die Krankenhausversorgung. Bereiche wie Qualität und Transparenz, Rationalisierung oder Rationierung, Kosten-Nutzen-Bewertung, EHealth und Telemedizin sowie die Perspektiven regionaler Gesundheitsmärkte rundeten das Spektrum ab.


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