Arbeitsklima

Die Wohlfühlfaktoren

Vier entscheidende Faktoren wirken sich unterschwellig auf den Unternehmenserfolg aus. Praxischefs, die sie nicht nur kennen, sondern auch beachten, sind klar im Vorteil.

 

 

Stupide Tätigkeiten oder stetige Überforderung, schlechtes Betriebsklima oder (ungewolltes) Mobbing, mehr Stau als Fluss bei Informationen – es gibt viele Faktoren, die die Unternehmen Wirtschaftlichkeit kosten und den Geschäftserfolg mindern. Ebenso gibt es positive Impulsgeber: Vier Faktoren hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Hamburg, ausgemacht, die über das Wohlfühlen im Beruf entscheiden – und damit den Unternehmenserfolg ebenfalls voranbringen können. Wann sind wir zufrieden mit unserem Beruf, bringen hohen Einsatz und brennen dabei dennoch nicht aus? Die BGW hat in ihrer Funktion als gesetzliche Unfallversicherung vornehmlich im Gesundheits- und Sozialbereich Studien und Daten ausgewertet, um Antworten auf diese Frage zu finden. Die Ausgangsdaten kamen aus dem Bereich Altenpflege, doch ließen sich viele Erkenntnisse auf andere Branchen übertragen, erkärte Sabine Gregersen, Diplom-Psychologin der BGW: „Die Unternehmen haben es zum großen Teil selbst in der Hand, wie leistungsfähig ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind – indem sie ein entsprechend motivierendes Arbeitsumfeld schaffen.“ Nach der Studie entscheiden vier Faktoren über die Arbeitszufriedenheit:

1. Abwechslung versus Monotonie

2. Dispositionsspielräume contra enge Handlungsmuster

3. Infofluss statt Geheimnisse

4. Kollegialität vor Einzelkämpfertum

 

1. Der Wechsel zwischen „einfach“ und „anspruchsvoll“ spielt eine große Rolle für die Leistungsfähigkeit, belegte die Untersuchung. Monotonie und Unterforderung raubten ebenso die Lust an der Arbeit wie Dauerstress durch konstante Überforderung. Ideal sei ein Wechsel zwischen Routinetätigkeiten und komplexen Aufgaben. Hier sahen fast 70 Prozent der befragten Arbeitnehmer ein Defizit.

Eine Lösung in der Praxis wäre es, für jeden Mitarbeiter entsprechend simple Tätigkeiten zeitlich als „Pause“ zwischen komplexe Aufgaben zu timen. Etwa Assistenz am Stuhl und Aufräumen.

2. Handlungsspielräume: eigene Entscheidungen zu treffen, stärkt das Selbstwertgefühl. Es gilt als ein zentraler Faktor, um den täglichen Herausforderungen begegnen zu können.

Die Wirklichkeit sieht laut Untersuchung allerdings anders aus: Viele Beschäftigte fühlten sich von Vorschriften, Anweisungen und Kontrollen erdrückt. Fast 90 Prozent meinten, ihr Chef würde ihre Ideen und Vorschläge nicht berücksichtigen.

Das lässt sich ändern, etwa indem Anregungen grundsätzlich erst im Team besprochen und dann bewertet werden. Ist eine Idee noch ganz unausgegoren, hilft oft ein Brainstorming, bei dem jeder Beteiligteseine Gedanken zu dem Vorschlag unsortiert in die Runde gibt und notiert, so dass auf diese Art die Idee weiter entwickelt werden kann.

3. Gut informiert – stärker motiviert. Wer gut mit Informationen versorgt wird, ist zufriedener mit seiner Arbeitsstelle. Beim Thema Information und Kommunikation setzen Betriebe aber offenbar immer noch eher auf Herrschaftswissen: 84 Prozent der Arbeitnehmer fühlten sich über wichtige Vorgänge im Betrieb unzureichend informiert.

Dabei gelingt ein guter Infofluss über grundsätzliche Entscheidungen leicht: zeitnah ein kurzes Meeting ansetzen und die Entscheidung knapp und nachvollziehbar begründen genügt oft schon. Fehlen Mitarbeiter dabei, muss ein konkret benannter Anwesender diese auf dem Laufenden halten, sinnigerweise von schriftlichen Memos unterstützt. Schriftliche Notizen helfen auch bei plötzlichen Entscheidungen, die Info im Fluss zu halten.

4. Nette Kollegen, unterstützende Chefs – ein gutes Betriebsklima ist ein wichtiger Puffer gegen Stress. Denn wer gegen intrigante Kollegen und mobbende Vorgesetzte ankämpfen muss, hat keine Energie mehr für seinen eigentlichen Job. Hier vertrauen die meisten Kollegen aufeinander: 58 Prozent der Befragten meinten, dass sie sich auf gegenseitige Hilfe verlassen könnten; nur ein Viertel dagegen lobte die Unterstützung durch den Chef, 49 Prozent glaubten nicht oder nur bedingt an seine Solidarität mit ihnen.

Dem Team den Rücken freizuhalten lohnt sich unbedingt. Dazu gehört auch, bei eventuellen Disputen, etwa der Rezeptionistin mit Patienten – und sei’s über die leidige Praxisgebühr –, auf die grundsätzliche Kompetenz der Mitarbeiterin hinzuweisen, wenn der Patient seinem Ärger Luft gemacht hat. Muss der Chef einem erregten Patienten zumindest aus taktischen Gründen wider besseres Wissen doch Recht geben, sollte er dieses Verhalten gegenüber der betroffenen Kollegin zeitnah erklären, um den Beigeschmack der Willkür aus der Welt zu schaffen.  pit/pm


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