Fortbildung: Endodontie

Wurzelspitzenresektion

Retrograde Füllung erforderlich

Diagnostik und Therapie werden deutlich optimiert und gleichzeitig vereinfacht [von Arx et al., 2003b; Filippi et al., 2006]. Eine retrograde Füllung ist heute bei jeder Wurzelspitzenresektion erforderlich [Arens, 1998; Gutmann & Harrison, 1998]. Ihr Ziel ist ein bakterien- und toxindichter retrograder Verschluss des Wurzelkanals. Die Präparation der retrograden Kavität erfolgt mit speziell abgewinkelten und abrasiv beschichteten Schall- oder Ultraschallinstrumenten [Übersicht bei von Arx & Walker, 2000]. Die Kavität sollte eine Tiefe von drei Millimetern haben, die dem Wurzelkanalverlauf exakt folgen muss, um Perforationen zu verhindern. Bei zu kurzer Distanz zu einem vorhandenen Wurzelkanalstift wird eine schmale Kavität zirkulär um den Stift präpariert.

Nach der Präparation wird die retrograde Kavität gespült (sterile isotone Kochsalzlösung) und getrocknet (etwa drei bis vier Millimeter lange Papierspitzen) (Abbildungen 10 und 11). Schließlich erfolgt die Entfernung des Smear Layers [Wuchenich et al., 1994; Zuolo et al., 1999]. Bewährt hat sich pH-neutrales EDTA (PrefGel, Straumann, Basel, Schweiz) [Blomlöf et al., 1997]. Dessen Applikation erfolgt mit kurzen Papierspitzen; die Einwirkzeit beträgt ein bis zwei Minuten. Nach erneutem gründlichen Spülen und Trocknen der Kavität wird das retrograde Füllmaterial portionsweise eingebracht und in der Kavität mit Zementstopfern verdichtet. Ist die Kavität vollständig gefüllt, erfolgt die Kondensation der Füllungsoberfläche mit einem Kugelstopfer.

Die Erfolgsraten nach WSR werden weniger durch die Wahl des retrograden Füllmaterials als vielmehr durch falsche Indikationsstellung, ungenügende Vorbereitung des Zahnes durch den Zahnarzt und intraoperative Fehler (Übersehen von zusätzlichen Kanälen, Längsfrakturen und insuffizienten Wurzelkanalfüllungen)bestimmt [Haas et al., 1995]. Die heutigen Anforderungen an ein retrogrades Wurzelkanalfüllmaterial wurden mehrfach definiert [wie Gartner & Dorn, 1992; Baumann & Gerhards 1996; Hickel, 1990]. Sie beinhalten biologische (Biokompatibilität, experimentelle und klinische (Langzeit)-Dokumentation)), physikalische (wandständig, porenfrei, hohes Abdichtungsvermögen, Formkonstanz, Unlöslichkeit und Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit) und praktische Anforderungen (einfache klinische Anwendung, Radioopazität). Aufgrund dieser Anforderungen werden heute vorwiegend modifizierte Zinkoxid-Eugenol-Zemente (zum Beispiel Super EBA, Harry J. Bosworth, USA oder IRM, Caulk Dentsply, USA) empfohlen und eingesetzt [Johnson, 1999]. Die Entwicklung von Mineral Trioxid Aggregate (MTA, Pro Root, Dentsply, USA) eröffnet unter biologischen Gesichtspunkten neue Möglichkeiten [Torabinejad et al., 1995; Torabinejad & Pitt Ford, 1996]: Tierexperimentell lagern sich auf der Füllungsoberfläche zementähnliche Strukturen an, die zu einer Regeneration des Parodonts ohne Ersatzgewebsbildung führen können. Die klinische Applikation von MTA ist etwas schwieriger; klinische (Langzeit-) Dokumentationen fehlen bisher. Ob die postoperativen Erfolgsraten unter Einsatz von MTA besser werden und ob dies in vernünftigem Verhältnis zu den hohen Kosten des Füllungsmaterials steht, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

Nach dem Aushärten des Füllungsmaterials werden Überschüsse vollständig entfernt. Auch dies ist nur unter optischer Vergrößerung zuverlässig möglich (Abbildung 12). Schließlich wird die Qualität der Füllung (Randständigkeit) nochmals überprüft (gegebenenfalls nach erneutem Anfärben). Die Operationskavität wird ausgiebig gespült und auf verbliebene Fremdmaterialien (Reste des retrograden Füllungsmaterials) untersucht. Durch die Inspektion mit dem Endoskop oder OP-Mikroskop kann auf die intraoperative Anfertigung einer Röntgenkontrollaufnahme verzichtet werden. Ein Auffüllen der Knochenkavität ist meist nicht indiziert. Bei sogenannten tunnellierenden Defekten, bei denen eine knöcherne Begrenzung nach lingual beziehungsweise palatinal nicht mehr vorhanden ist, sowie bei Endo-Paro-Läsionen empfiehlt sich der Einsatz von resorbierbaren Membranen, um eine knöcherne Regeneration und keine narbige Ausheilung zu gewährleisten. Letztere würde bei den röntgenologischen Nachkontrollen eine apikale Parodontitis im Sinne einer nicht heilenden Läsion vortäuschen. Der Nahtverschluss erfolgt mit Einzelknopfnähten. Vor allem im ästhetischen Bereich sollte heute (pseudo-)monofiles Nahtmaterial der Stärken 5-0 und 6-0, bei Papilla-Base-Schnittführung sogar 7-0, eingesetzt werden (Abbildungen 13 und 14). Nach Zahnfleischrandschnitt werden die Papillen mit vertikalen Rückstichnähten wiedervereinigt. Nach Abschluss des Eingriffs wird eine intraorale Röntgenkontrollaufnahme (Zahnfilm) zur Dokumentation angefertigt. Diese dient als Vergleich für die Beurteilung des Therapieerfolgs.

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