Initiative Berufspolitische Bildung

Selbstbewusstsein ist gefordert

GOZ-Stagnation, Bürokratie und zunehmender staatlicher Einfluss – diese Rahmenbedingungen kritisierten Zahnärzte auf einer Veranstaltung der Initiative Berufspolitische Bildung (IBB) der Zahnärztekammer Schleswig- Holstein Mitte April in Neumünster.

Resignieren wollen die Zahnärzte im Norden  dennoch genauso wenig wie ihr Gastreferent  Dr. Peter Engel aus Köln. Der Vorsitzende  des Senats für privates Leistungsund  Gebührenrecht der Bundeszahnärztekammer  sieht sogar allen Grund für ein  selbstbewusstes Auftreten der Zahnärzte.  „Was sollen wir tun, was empfehlen  Sie?“ Die Frage aus den Reihen der  Zahnärzte in Neumünster hätte von vielen  ihrer deutschen Kollegen gestellt  werden können. Schließlich sind die gesundheitspolitischenRahmenbedingungen  alles andere als ermutigend,  wie Engel zuvor dargelegt hatte.

Der Kammerpräsident der Zahnärztekammer  Nordrhein hatte besonders die  Auswirkungen der GOZ-Öffnungsklausel  schonungslos analysiert. Engel sieht  die Klausel als entscheidenden, aber  kaum zu verhindernden Umbruch an:  „Das wird die Strukturen in der  Zahnärzteschaft verändern.“ Die Öffnungsklausel  soll es privaten Krankenversicherungen  ermöglichen, mit einzelnen  Zahnärztegruppen Verträge abzuschließen.  Dabei geht Engel davon aus, dass die Bedingungen  für die Zahnärzte – abgesehen  von einigen Ködern zum Start – unter dem  heutigen Vergütungsniveau liegen werden.  „Das führt in ein Hamsterrad“, prophezeite  der Gast aus Köln. Weitere Folge: Patientenströmewerden in die Vertragspraxen gelenkt– wer nicht dabei ist, verliert Patienten.  Als Folgen erwartet Engel ferner, dass  den Zahnärzten jede Menge Vorschriften,  etwa zum Qualitätsmanagement, zur Fortbildung  oder über Behandlungsgarantien,  auferlegt werden, wohingegen sie aber  gebührenrechtliche Zusagen vergeblich  erwarten. Und weil nur ausgewählte  Praxen diese Verträge schließen,  prognostiziert Engel eine kaum zu  stemmende Belastungsprobe für die  Einheit der deutschen Zahnärzteschaft:  „Es wird ein Riss durch die Kollegenschaft  gehen.“ Die aus der Öffnung resultierenden  Folgen und die allgemeine  Entwicklung im Gesundheitswesen mit  der Tendenz zur staatlichen Einmischung  sind nach Ansicht Engels weder  für die Zahnärzte noch für den Patienten  vorteilhaft – das Arzt-Patientenverhältnis  wird zunehmend kontrolliert:  „Orwell war dagegen eine Märchenstunde.“

Herausforderung

Trotz des düsteren Szenarios besteht weder  für Engel noch für die Zahnärzte Grund zur  Schwarzmalerei. Schleswig-Holsteins Kammerpräsident  Hans-Peter Küchenmeister,  der die IBB-Veranstaltungsreihe für berufspolitischengagierte Zahnärzte ins Leben  gerufen hat, sieht die Aussichten als Heraus-  forderung an, der die Zahnärzte mit neuen  Strategien begegnen müssen. Er kündigte  an, die Voraussetzungen für ein starkes Auftreten  der Praxen zu verbessern. „Damit  sich zahnärztliche Praxen in einem dynamischen  Markt behaupten können, müssen  wir das betriebswirtschaftliche Wissen weiter  erhöhen“, sagte Küchenmeister. Entsprechende  Angebote für Berufsanfänger  werden im Norden bereits gut angenommen.

Auch Vizepräsident Dr. Michael Brandt verwiesauf die Stärken des Berufsstandes. DerKieler Zahnarzt riet seinen Kollegen, auf das  über Jahrzehnte gewachsene Verhältnis  zum Patienten zu setzen und die Servicequalität  gegenüber möglichen Konkurrenten  in anonymen, von Konzernen gelenkten  Versorgungszentren herauszustellen.  Dabei ist für Brandt klar, dass Patienten  auch in diese Zentren abwandern werden:  „Natürlich gibt es die Schnäppchenjäger,  aber wollen wir die in den Praxen halten?“  Eine Aufgabe der Kammer wird es nach Ansicht  des Vizepräsidenten sein, den Patienten  die Vorteile der freien Praxen klar zu  machen.

Rolle als Freiberufler

Dr. K. Ulrich Rubehn, Vorstand für Gebührenrechtin der schleswig-holsteinischen  Kammer, appellierte an die Kollegen,  sich ihre Rolle als Freiberufler in einem  Markt bewusst zu machen und entsprechende  Initiative auch in Verhandlungen  um die Vergütung der eigenen Leistungen  zu zeigen. Da sich aber nicht jeder allein gegen  Erstattungsstellen durchsetzen kann,  sieht Rubehn die Zeit reif für ein gemeinschaftliches  Vorgehen durch die bestehenden  Strukturen in der Zahnärzteschaft. Er  ermunterte seine Kollegen zum verstärkten  Dialog mit den Patienten über den drohenden  Qualitätsverlust, sollte das von Engel  beschriebene Szenario eintreten.

Auch Engel hatte zwar nicht das erhoffte  „Kochbuch“ mit berufspolitischen Rezepten,  aber den Rat, selbstbewusster als in der  Vergangenheit die eigenen Leistungen zu  bewerten und gegenüber Patienten und  Beihilfestellen zu vertreten. Grund dazu haben  seine Kollegen nach Ansicht Engels,  denn: „Ob es in 15 Jahren noch eine private  Krankenversicherung gibt, weiß ich nicht.  Ob es dann noch eine gesetzliche Krankenversicherung  gibt, weiß ich auch nicht.  Aber Zahnärzte und Patienten, die zahnärztliche  Leistungen nachfragen, wird es  noch geben.“

Dirk Schnack
Dorfstr. 14 a
24589 Schülp

 

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