Virtuelle Trips ins Weltall

Beam me up, Google

Warum Koffer packen, wenn Google uns mit einem Klick überall hinbringt? Zumindest virtuell. Nachbarschaft und fremde Kontinente können User dank Google Earth bekanntlich schon länger erkunden. Die Programmerweiterung Google Sky ebnet Fernwehgeplagten jetzt den Weg ins Universum.

Die Mondoberfläche unter die Lupe nehmen, den Orionnebel inspizieren und sich ganz ungefährdet schwarzen Löchern nähern. All das kann man heute bequem vom Computer aus erledigen. Spezielle Software dafür gibt es im Internet. Als Reisevehikel hat Google im vergangenen Sommer das Programm Google Sky online gestellt und dessen Funktionen vor Kurzem mit einem Update aktualisiert.

Sternenstaub schnuppern

Es gehöre zur Philosophie des Unternehmens, alles Wissen dieser Welt allgemein zugänglich zu machen, sagte Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland, zum Start des neuen Tools im August 2007. Dazu gehöre auch das zunehmende Wissen über den Kosmos. Gesagt, getan: Hundert Millionen Sterne sind in den Datenbanken von Google Sky gespeichert – theoretisch kann man jeden einzelnen von ihnen anschauen.

Das nötige Bildmaterial hat der IT-Riese in Kooperation mit Fachgrößen wie dem Space Telescope Science Institute (STScI), dem Sloan Digital Sky Survey (SDSS), dem Digital Sky Survey Consortium (DSSC), dem CalTech's Palomar Observatory, dem United Kingdom Astronomy Technology Centre (UK ATC) und dem Anglo-Australian Observatory (AAO) zusammengetragen. Außerdem arbeitet die Suchmaschine mit Aufnahmen, die das Weltraumteleskop Hubble geschossen hat. Die Datenbank von Google Sky lässt sich nach nicht fachlichen Begriffen, wie „Milchstraße“, und auch nach astronomischen Profiangaben, wie „NGC 3628“, durchforsten. Gibt man diesen Namen ein, fliegt Google den Suchenden postwendend zu einer Spiralgalaxie im Sternbild Löwe. Könner können auch Längen- und Breitengrade eingeben, für den Laien ist das jedoch schwierig. Wer die fachlichen Feinheiten nicht beherrscht, kann von Google Sky deshalb durchaus enttäuscht sein. Denn auch wenn man den gesuchten Himmelskörper findet, fehlen häufig Zusatzinfos oder interessante Nahaufnahmen. Zum Start 2007 bot die Software so nur eine Handvoll hochaufgelöster Bilder spektakulärer Galaxien und Nebel.

Das Geschehen im All

Eine Galerie inklusive Analyse jedes Sterns im Universum zu liefern, wäre allerdings auch ein sehr ambitioniertes Unterfangen. Google schafft es nicht. Langweilig ist die Sternengucker-Software der Kalifornier deswegen aber nicht.

Das Programm hilft einem zum Beispiel dabei, die Konstellationen einzelner Sternbilder am Nachthimmel zu finden, man kann sich an einen besonders interessanten Platz entführen lassen oder alles über den Lebenszyklus eines Sterns lernen.

Um sich Planeten & Co. genauer anzuschauen, steht – wie bei Google Earth – eine Zoomfunktion zur Verfügung. Beim Modus der Betrachtung können Nutzer zwischen Mikrowellenund Infrarotaufnahmen, bei manchen Objekten auch zwischen Röntgen- oder Ultraviolettbildern wählen. Auf Wunsch werden sogar historische Sternenkarten aus dem 18. Jahrhundert eingeblendet. Besonders detailreiche Aufnahmen bietet Google von Mond- und Marsoberflächen. Dafür klickt man einfach einen der beiden Buttons GoogleMoon oder GoogleMars an.

Dank des Updates zeigt die Software nun auch Kometen, Asteroide und liefert Podcasts über Sterne, Galaxien, Planeten und bevorstehende astronomische Ereignisse wie eine Sonnen- oder Mondfinsternis. Die aktualisierte Version integriert außerdem mehr Bildmaterial von Beobachtungssatelliten und Observatorien.

Um mit Google Sky in den Himmel zu starten, benötigt man die aktuelle Version Google Earth (Google Earth 4.3), die im Internet kostenlos zum Download bereitsteht. Doch das ist nicht die einzige Option, die User haben. Google erobert das Universum nämlich nicht alleine – auch mit dem Programm Celestia lässt sich der Himmel erkunden.

Andere Shuttles

Die Freeware Celestia kennt die Daten von mehr als 120 000 Himmelskörpern und beeindruckt mit hochwertigen 3D-Grafiken, die auch NASA und ESA überzeugt haben: Die beiden Raumfahrtorganisationen nutzen die Software für Demonstrationszwecke.

Celestia arbeitet in Echtzeit: Wer lange genug zuschaut, kann erkennen, wie die Erde sich um die eigene Achse dreht. Wie Google Sky bietet auch Celestia Touren zu Galaxien, in eigene oder fremde Sonnensysteme sowie zu Planeten, Monden, Sternen, Nebeln und Schwarzen Löchern an. Das Programm kann für alle Planeten den Zeitpunkt einer Sonnen- oder Mondfinsternis berechnen. Bis zum Jahr 9999. Besonders spannend ist der integrierte Zeitraffermodus, der die Bewegung der Himmelskörper zueinander sichtbar werden lässt. Mithilfe von Zusatzprogrammen können User sich über die aktuelle Position der Raumfähre Atlantis informieren und sich zeigen lassen, wie das Space Shuttle über der Erde kreist.

Einblicke ins Weltall ermöglichen außerdem die Plattformen Stellarium und Sky Map. Letztere verzeichnet eine halbe Milliarde Sterne und verfügt über eine aktive Community von Sternenguckern, die der Webseite Infos zu allen Objekten hinzufügen. Auch Microsoft setzt zur Eroberung des Himmels an. In diesem Frühjahr will der ITRiese sein WorldWide Telescope an den Start bringen.

Susanne Theisen
Freie Journalistin in Köln
SusanneTheisen@gmx.ne

zm-Surftipps

Von diesen Websites aus kann man zu Ausflügen ins Universum starten oder sich mit nützlichen Infos zum Thema Astronomie versorgen:
 
• Google Sky
http://earth.google.com
 
• Celestia
www.shatters.net/celestia
 
• Sky Map
www.sky-map.org
 
• Stellarium
www.stellarium.org/de
 
• Hubble Teleskop
http://hubblesite.org
 
• Max Planck Institut für Astronomie
www.mpia.de
 
• Europäische Weltraumorganisation (ESA)
www.esa.de
 
• National Aeronautics and Space Administration (NASA)
www.nasa.gov

 

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