KZBV-Frühjahrsfest

Aktiver Austausch

Sommerhimmel über Berlin – beste Voraussetzungen für das Frühjahrsfest der KZBV: Abgeordnete, Zahnärzte, Freiberufler und Unternehmer kamen am 6. Mai auf dem Reichstag zusammen, um sich auszutauschen. Top-Themen: natürlich die GOZ und der Gesundheitsfonds.

Jeder redet zurzeit über den Gesundheitsfonds. Landauf, landab wird spekuliert: Kommt er, kommt er nicht. Fakt ist: Der Fonds inklusive Starttermin sind Gesetz.

Buch mit sieben Siegeln

Dass bis dahin noch eine Reihe von Hausaufgaben zu erledigen sind, verdeutlichte der Vorsitzende der KZBV, Dr. Jürgen Fedderwitz.

Noch sei der Fonds ein Buch mit sieben Siegeln. Ob Morbi-RSA, Konvergenzklausel, Insolvenzregelung oder Beitragssatz – erst wenn diese Parameter konkret ausgestaltet seien, könne man die Folgen für den Berufsstand absehen und bewerten. Denn am Ende zählt für Fedderwitz nur eins: „Was kommt unterm Strich für die Zahnärzte dabei heraus, welche Auswirkungen haben Pool, Einheitssatz und Zusatzbeitrag auf die vertragszahnärztliche Versorgung?“

Bislang seien die geplanten gesetzlichen Regelungen jedoch nicht zufriedenstellend, sagte Federwitz und verwies auf die Professoren Wasem, Wille und Buchner. Die drei warnten in ihrem Gutachten vor der derzeitigen Konvergenzklausel – sie sei untauglich und überflüssig, am besten weg damit.

„Die wachsende Gesundheitsbranche, der medizinisch-technische Fortschritt und die Demografie – das sind die Herausforderungen, an denen wir unser Gesundheitssystem messen müssen“, betonte der KZBVChef. Die Frage sei, ob der Fonds diesen Kriterien genügt. Letztlich liege auf jedem Geldtopf – Einheitssatz, Zusatzbeitrag, Steuertopf – ein Deckel. Und das Finanzierungssystem stehe nach wie vor auf der Kippe. Fedderwitz „Der Gesundheitsfonds ist quasi ein Globalbudget.“ Damit sei zu befürchten, dass die Kassen die Leistungsmengen restriktiver steuern wollen – möglicherweise durch eine geänderte Genehmi- gungspraxis bei den Heil- und Kostenplänen. Auch in der zahnmedizinischen Versorgung. Zudem drohe den Zahnärzten ein erhöhter Preisdruck – sowohl bei den Punktwerten als auch bei den Gesamtvergütungen. Betroffen seien, Stichwort Konvergenzklausel, auch die Kollegen im Süden der Republik – wie auch in Thüringen und Sachsen.

Im schwarzen Loch verschwunden

Schon heute sei zu beobachten, dass dem System unterhalb der Budgets Mittel in Höhe von 100 bis 150 Millionen Euro entzogen werden – allein dadurch, dass Mitglieder munter von Kassen mit höheren Vergütungen zu Kassen mit niedrigeren Vergütungen wechseln. Fedderwitz: „Alles in allem verschwinden 100 bis 150 Millionen Euro in einem schwarzen Loch.“

Die KZBV habe deshalb an den Gesetzgeber appelliert, nicht nur an die Mitgliederzahlen zu denken, sondern auch an die Strukturen. Hier sei die Politik gefordert, dies entsprechend im SGB V zu berücksichtigen. „Insgesamt trifft die weitergeltende strikte Budgetierung in der vertragszahnärztlichen Versorgung auf einen Kassenwettbewerb mit zunehmender Mitgliederbewegung. Diese Steuerungsinstrumente müssen in sich konsistent sein – viele dieser aus vielen Reformen zusammengebastelten Bausteine passen allerdings nicht mehr zusammen!“ Nicht mehr up to date ist auch die Altersgrenze für Mediziner. Darauf hatte der zahnärztliche Berufsstand bereits verstärkt aufmerksam gemacht. Marion Caspers-Merk, Parlamentarische Staatssekretärin im BMG, sagte denn auch zu, die Regelung zu prüfen. Einen „Schnellschuss“ lehnte sie freilich ab, „weil jede Lösung auch Weiterungen für andere Berufsgruppen bedeutet.“

Trendumkehr in Sachen Karies

Die Politikerin bedankte sich ausdrücklich bei den Zahnärzten für ihr unermüdliches Engagement und die damit verbundenen Erfolge in der Gruppenprophylaxe. Caspers-Merk: „Die Zahnärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst und die Niedergelassen haben in Sachen Karies bei den Kindern und Jugendlichen eine Trendumkehr bewirkt.“ Davon unberührt bliebe ein Problem allerdings weiterhin bestehen: Kinder mit Migrationshintergrund und aus Familien im unteren Einkommensdrittel. „Um auch hier eine systematische Implementierung der Gruppenprophylaxe zu erreichen, sind wir auf Ihre Fachkenntnisse angewiesen“, betonte Caspers-Merk.

Diese Polarisierung sei den Zahnärzten bewusst, entgegnete Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, Präsident der Bundeszahnärztekammer. Schließlich habe die Zahnärzteschaft selbst mit der DMS IV darauf aufmerksam gemacht, dass die Karieshauptlast die unterprivilegierten Gruppen tragen, und sei sehr aktiv in ihren Bemühungen, die betroffenen Kinder und Familien zu erreichen. „Der Berufsstand tut alles, um sich ganz auf diese Gruppe zu konzentrieren“, versicherte der BZÄK-Präsident .

Was die GOZ betrifft, habe man laut Caspers-Merk trotz unglücklicher Dialogstruktur eine Einigung erzielt, mit der beide Seiten leben könnten: „Ich gehe fest davon aus, dass wir gemeinsam eine Lösung finden und die GOZ-Novelle ans Laufen kriegen.“

GOZ: modern und präventionsorientiert

Der Zahnärzteschaft ging es bei der GOZ-Novelle nicht darum, aus den Verhandlungen auszusteigen, konterte Weitkamp. Im Gegenteil: Ziel der zahnärztlichen Standespolitik müsse eine GOZ sein, die den State of the Art abbildet – und zwar zum Wohle der Patienten. Solange dieser Grundsatz jedoch durch die vorgelegte Leistungsbeschreibung in Frage gestellt worden sei, habe man die Teilnahme an den GOZVerhandlungen bewusst und aus Überzeugung ausgesetzt. „Nur was wir wirklich glauben, glaubt man uns“, stellte Weitkamp klar. „Und wir glauben an die präventionsorientierte Zahn-, Mundund Kieferheilkunde.“ Weitkamp weiter: „Sobald sicher ist, dass die neue GOZ eine präventionsorientierte Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde beschreibt, die die einzelnen Behandlungen leistungsgerecht bewertet, werden wir wieder in einen fruchtbaren Dialog treten.“

Schluss mit der 68er-Grenze

Den Wegfall der Altersregelung hält der BZÄK-Präsident indes für folgerichtig und nur konsequent: „Das Ende seiner beruflichen Laufbahn sollte jeder selbst bestimmen können!“

Die Bedarfszulassung sei gefallen – jetzt sei es nur logisch, dass auch die 68er- Grenze kippt. Weitkamp: „Gerade im ländlichen Bereich kann es sich zudem sehr erleichternd für junge Niedergelassene auswirken, wenn sich der Generationsübergang fließend gestaltet und der „68er“ dem Berufseinsteiger dabei hilft, sich in den Praxisalltag einzuarbeiten.“

 

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