50.Westerländer Fortbildungstagung ZÄK-SH

Goldene Hochzeit bei Kaiserwetter

Nicht nur die Themenwahl – einmal quer durch die aktuelle Zahnheilkunde mit dem Motto „Die Zukunft hat schon begonnen“ – war wieder einzigartig für die Organisatoren, sondern auch der direkte Draht zu Petrus, der der Jubiläumsveranstaltung der Schleswig-Holsteiner Fortbildungswoche kein besseres Wetter hätte bescheren können. Anlass genug, für über 1 300 Zahnärztinnen und Zahnärzte aus ganz Deutschland, viele mit Praxisteam und/oder Kindern, Omas oder Babysittern, auf die nördlichste deutsche Nordsee-Insel zu reisen, um noch „fitter“ am Stuhl zu werden.

Was wäre eine feierliche Eröffnung ohne politische Worte des Gastgebers Kammerpräsident Hans-Peter Küchenmeister, die allerdings in Anbetracht der derzeitigen politischen Situation nicht ganz so euphorisch ausfielen: „Nach dem Etikettenschwindel des Gesetzes zur Stärkung des Wettbewerbs in der GKV steht den Zahnärzten mit der BMG-GOZ nun neues Ungemach ins Haus“, prophezeite er. „Denn statt die Ausarbeitung der Bundeszahnärztekammer für eine zukunftsfähige prophylaxeorientierte Zahnmedizin zu übernehmen, soll sich die Behandlung der Patienten an der Versorgung der Kassenpatienten orientieren!“

Das verhindere die Entscheidungsfreiheit von Zahnarzt und Patient, so der Kammerpräsident der Schleswig-Holsteiner, unterstützt von den Worten des BZÄK-Vizepräsidenten Prof. Dr. Wolfgang Sprekels, der eigens zur Eröffnung aus Hamburg angereist war.

Mit 97 Muskeln zum Lachen

„Worüber lachen wir eigentlich?“ fragte Professor Dr. Winfried Ulrich aus Kiel in seinem Festvortrag und beleuchtete den Wirz aus der Sicht des Linguistikers und Didaktikers. Das Lächeln und Lachen sei ein bereits angeborenes Sozialverhalten, das ganz besonders deutlich werde, wenn ein mehrere Wochen alter Säugling bei der Wiedererkennung und zur Sympathiebekundung lächele. Für den Zahnarzt interessant sei, dass beim Lachen 97 Muskeln des gesamten Körpers, vorwiegend jedoch aus dem Schädel- und Gesichtsbereich an dieser „Freudensbekundung“ beteiligt sind.Gleichzeitig steige der Puls auf bis zu 120 Schläge pro Minute und die Lunge nehme drei- bis viermal so viel Sauerstoff auf wie im Normalzustand.

Festabend mit Kongressgeschichte

Anlässlich der gesonderten Feierstunde zum 50sten Jubiläum präsentierte der Vizepräsident Dr. Michael Brandt eine Powerpoint- Replik über die letzten 50 Jahre Inselfortbildung.Als im Jahre 1958 erstmals von Mittwoch bis Samstag Zahnmedizin „erlernt” wurde, waren bereits 260 Teilnehmer dabei. In den Jahren danach erklärte der damalige Kammerpräsident und spätere BDZPräsident Dr. Werner Eggers, Kiel, die Fortbildung zur stetigen Einrichtung, und viele Kollegen und Kolleginnen nutzen diese Zeit, mit der Familie gleichzeitig Ferien zu machen, denn in den Jahren des „Wiederaufbaus” war an ein Schließen der Praxen oder eine Vertretung aus finanziellen Gründen nicht zu denken. Ab 1990 kamen dann auch noch die Helferinnentage hinzu, und stetig wuchs die Teilnehmerzahl. „Sie sind unsere besten Kunden”, bestätigte die Bürgermeisterin Petra Reiber in ihrer Festrede.

Der Präsident der Bundeszahnärztekammer Dr. Dr. Jürgen Weitkamp verwies auf das für den Berufsstand gegebene, unglaublich positive Alleinstellungsmerkmal, das der Zahnärzteschaft durch das Zahnheilkundegesetz in der deutschen Versorgung gegeben sei. Daraus resultiere aber für jeden Einzelnen auch die Verpflichtung „zum Kompetenzerhalt des Berufstandes durch Fortbildung“. Dass das gelinge, zeige sich, so der BZÄK-Präsident, auch an den hohen Teilnehmerzahlen dieser Veranstaltung.

Die KZV blickt auf den Gesundheitsfonds

Stetige Einrichtung und in diesem Jahr wohl aus aktuellem Anlass sehr stark besucht war die KZV-Veranstaltung, zu der der KZVSH-Vorsitzende Dr. Peter Kriett diesmal den langjährigen Insider und Ministerialdirektor a.D., Vorstandsvorsitzenden der BBK-Bayern, Gerhard Schulte, gebeten hatte., Kriett beleuchtete die aktuellen Entwicklungen und möglichen Folgen der Gesundheitspolitik aus dem Blickwinkel seines Erfahrungsschatzes.

Rosige Streifen konnte er nicht an den Horizont malen, und sein sachlich vorgetragener, möglicher Ausweg aus dem bevorstehenden Dilemma hatte das Attribut Wettbewerbsbelebung durch Vertragsalternativen unter qualitätsgesicherten und wirtschaftlichen Aspekten (Mehr zur Tagung auch auf Seite 48).

zm-Info

Henriettenweg erinnert an erste deutsche Zahnärztin

Aus Dankbarkeit für die 50-jährige Treue zum Tagungsort benannte die Bürgermeisterin von Westerland, Petra Reiber, den „Henriettenweg“, im Norden des Stadtgebietes in einer gesonderten Feierstunde. Bei der Namenspatin handelt es sich um die gebürtige Sylterin Henriette Hirschfeld-Tiburtius, die 1869 zu Deutschlands erster Zahnärztin avancierte. Weil ihr ein Studium in Deutschland als Frau verwehrt wurde, absolvierte sie das Studium der Zahnheilkunde in den USA und eröffnete danach in Berlin eine Praxis, um die übrigens von Männern ein „großer Bogen gemacht wurde“ (siehe auch zm 1992, Nr. 3, Seiten 58 bis 61).


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