Fazit der 50. Westerland-Fortbildung

Die zahnmedizinische Zukunft hat bereits begonnen

Ganz im Zeichen des Jubiläums stand die diesjährige Fortbildungsveranstaltung der Zahnärztekammer Schleswig- Holstein, denn sie feierte ihr 50. Jubiläum. Rund 1 300 Zahnärztinnen, Zahnärzte und ihre Teams waren auf die Insel gereist, um sich zu Themen rund um die Zukunft der Zahnmedizin in der Praxis fortzubilden, neue Perspektiven zu diskutieren und Fachkontakte zu pflegen.

Fotos: zm/MEV

Morgens um 7 Uhr ist die Welt noch in Ordnung

Was wäre die Westerländer Fortbildungstagung ohne ihre Lauftreffs. Morgens um sieben Uhr kommen sie aus allen Ecken, teils verschlafene, manchmal schon erschreckend frische Gesichter, und treffen sich vor dem Hotel Miramar am Strand treffen. Anorak, Laufschuhe, kurze oder lange Hose ... Kurzum: motiviert, um Körper und Geist in Schwung zu bringen und sich für die Fortbildung fit zu laufen. Immer mit dabei der Vorsitzende des Freien Verbandes Schleswig-Holstein Dr. Ulrich Rubehn (5. v. re.) sowie Dr. Michael Brand, Vizepräsident und Vorstand für Fortbildung der Kammer, der sich trotz aller Kongressaktivitäten diesen frühen Termin auch in diesem Jahr nicht nehmen ließ (7. v. re.). Weitere Teilnehmer waren auch einige Immereifrige und der eine oder andere Referent, wie Prof. Matthias Kern (2. v. li.)

Knochenanzucht ist aufwendig aber durchaus möglich

„Knochenersatz“ ist das Zauberwort der letzten Jahre. Immer wieder wird es von Firmenvertretern und Forschern präsentiert und hoch gelobt. Professor Dr. Dr. Hendrik Terheyden, Kassel, stellte nun seine eigenen Forschungsergebnisse des stimulierten Knochenwachstums mit BMPs vor und diskutierte die Praxisfähigkeit. Sein Fazit: Das System funktioniert, wenn eine Angiogenese möglich ist. Euphorie ist nicht angebracht, denn es gibt bislang nur klinische Daten. Eine Kontraindikation besteht für Schwangere und Frauen in gebärfähigem Alter sowie für Patienten mit malignen Vorerkrankungen. Der Wissenschaftler sieht den Einsatz in der Orthopädie durchaus für berechtigt an, erwähnt aber den hohen Kostenfaktor, was den Einsatz in der Zahnmedizin sicherlich (derzeit noch) bremsen wird.

Troubleshooting: Wenn beim Implantieren etwas schief geht

Die Implantatinsertion ist heute für viele Zahnärzte ein Routineeingriff. Trotz allem kann immer etwas Unvorhergesehenes eintreten. Genau diesen Fällen widmete sich Prof. Dr. Dr. Franz Härle und ging mit den Teilnehmern alle möglichen Situationen durch und wusste für jede eine Sofortlösung: Bei der plötzlichen, sehr starken Blutung soll nach neuesten Erkenntnissen die Arteria facialis unterbunden werden, Tamponieren und den Notarzt verständigen, wenn nötig intubieren. Eine Verletzung des Nervus mandibularis kann vermieden werden, wenn im Vorfeld eine Röntgenaufnahme mit Kugelschablone oder eine 3DAufname erfolge. Er rät: Sicherheitsabstand von mindestens einem Millimeter zu allen Seiten einhalten!

Sein Tipp bei Senioren: „Hände weg vom stark atrophierten Kiefer! Frakturgefahr!“

Keine Chance für Versicherungsbetrüger

Patienten, die über eine dauerhafte Sensibilitätsstörung in der Wange klagen und mit Anwalt und Schadensersatz drohen kann schnell auf die Schliche gekommen werden: Härle rät hier, die Sensibilitätsstörung genau extern anzuzeichnen und die Sensibilität im Mundwinkeldreieck zu prüfen. Denn nerval gibt es eine genaue Trennung zwischen Lippenrot und dem Areal des Nervus buccalis.

Kindern intensiver aufs Zahnfleisch schauen

„Jedes zweite Kind mit zwölf Jahren hat heute Zahnfleischprobleme“, diese These stellte Professor Dr. Andrej Kielbassa auf. Er riet daher in seinem Vortrag, die Kinder nicht nur auf Karies zu untersuchen, sondern auch genau das Parodont zu betrachten. Hier seinen auch die diese Altersgruppe behandelnden Kieferorthopäden gefragt. In vielen Fällen reiche schon die regelmäßige Verwendung einer elektrischen Zahnbürste der neuen Generation, um die Zahnhygiene effizienter zu betreiben und damit eine Gingivitis zu therapieren beziehungsweise weiteren parodontalen Schäden entgegenzuwirken.

Von der Bohrinsel zur Kundenorientiertheit

Betriebswirtschaftliche Aspekte für die Zahnarztpraxis seien durchaus eine Halitosissprechstunde sowie das Angebot der Raucherentwöhnung, führte Professor Dr. Michael Noack, Köln, aus. Da 87 Prozent der Patienten, die einen schlechten Mundgeruch beklagen, orale Ursachen haben, wies er darauf hin, dass in den meisten Fällen bereits die richtige Anleitung für eine Reinigung der Zunge Erfolg brächte. Tägliches Zungenputzen mit Chorhexidingel, das dann nach einer Woche nur noch im siebentägigen Abstand erfolgt, liefere große Erfolge und Patientenzufriedenheit. Cave: Auf mögliche Verfärbungen bei Dauergebrauch hinweisen!

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