Vollversammlung des Council of European Dentists

Patientensicherheit hat Priorität

Die halbjährliche Vollversammlung des Council of European Dentists fand am 16. und 17. Mai 2008 – der EU-Ratspräsidentschaft folgend – im slowenischen Portoroz statt. Die politischen Debatten standen ganz im Zeichen der Patientensicherheit.

Das Thema Patientensicherheit steht derzeit auf der politischen Prioritätenliste der europäischen Zahnärzteschaft ganz oben. Das zeigte sich auf der Vollversammlung des Council of European Dentists (CED), der Vertretung von zahnärztlichen Spitzenorganisationen aus 30 europäischen Ländern in Brüssel. Einstimmig nahmen die Delegierten eine entsprechende Resolution an. Klare Aussage ist der Wille der Mitgliedstaaten, das Thema Patientensicherheit gemäß des Subsidiaritätsgrundsatzes des EG-Vertrages eigenverantwortlich zu gestalten (siehe Kasten).

Zum Hintergrund: Die auf der CED-Vollversammlung im Mai 2007 in Brüssel beschlossene Gründung einer Arbeitsgruppe „Patientensicherheit“ lag nahe und folgte ganz den Zeichen der Zeit. Insbesondere die noch zu verabschiedende europäische Richtlinie über grenzüberschreitende Gesundheitsdienstleistungen (Veröffentlichung des Entwurfs voraussichtlich vor der Sommerpause) zeigt, dass die EU-Kommission dieser Thematik ihr Hauptaugenmerk schenkt. Laut Berichten aus den Mitgliedstaaten erfährt die Patientensicherheit jedoch auch auf nationaler Ebene große Bedeutung, unter anderem derzeit auch in Deutschland.

Auch in der Arbeitsgruppe Patientensicherheit des CED ist die BZÄK maßgebend. Die Arbeitsgruppe entwickelte unter anderem einen Fragebogen, der dezidiert Auskunft über die bestehenden Maßnahmen, Regelungen und die Umsetzung zum Thema in den einzelnen Mitgliedsländern einholen soll. Die in Portoroz verabschiedete Resolution wurde unter anderem mithilfe des EUAusschusses der BZÄK erarbeitet, der Inputs aus deutscher Sicht lieferte. Die Resolution ist jedoch nicht nur an die Kommission adressiert, sondern ebenso an die eigenen Mitgliedstaaten. Sie empfiehlt unter anderem die Etablierung von Qualitätszirkeln, um einen Austausch zwischen den Zahnärzten zu fördern. Diese Empfehlung beruhe auf den Berichten aus Deutschland über die eingeführten Mechanismen durch die Selbstverwaltung (Landeszahnärztekammern) zur Förderung der Patientensicherheit, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Sprekels, CED-Vizepräsident und Vizepräsident der BZÄK. Überhaupt seien die Erfahrungen über Patienteninformationen und -sicherheit aus Deutschland in die europäischen Diskussionen mit eingeflossen und hätten im CED zu großer Resonanz geführt.

Erfolgreiche Arbeit

Weitere inhaltliche Themen der Tagung in Portoroz waren unter anderem die im letzten Jahr verabschiedete Resolution Zukunft des Zahnarztes sowie die Entwicklungen im Bereich des Medizinproduktegesetzes. Darüber hinaus wurde insbesondere der Erfolg des CED im Bereich Amalgam hervorgehoben (siehe zm 12/2008, Seite 100 bis 106).

• Amalgam: Die Gutachten der zwei wissenschaftlichen, durch die Kommission beauftragten Ausschüsse kommen zu dem Ergebnis, dass Amalgam mit Ausnahme von möglichen allergischen Reaktionen keine Gesundheitsrisiken birgt, ebenso liegen die Umweltrisiken weit unterhalb der erlaubten Grenzwerte. Der CED, wie auch die BZÄK, hatten zu den Entwürfen der beiden Gutachten Stellungnahmen abgegeben. Besonders hervorzuheben ist die Pressemitteilung der Kommission, worin ausdrücklich die weitere Zusammenarbeit mit dem CED befürwortet und gewünscht wird.

• Medizinproduktegesetz: Der Bericht des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Medizinprodukte hob die intensiven und guten Kontakte des CED zu der EU-Medizinprodukte-Expertengruppe hervor und führte aus, dass durch diese Zusammenarbeit auch in Zukunft weiter Einfluss ausgeübt werden könne. Er wies darauf hin, dass die Kommission zudem eine neue Konsultation plane um die Gesamtheit der Regelungen für Medizinprodukte zu ändern.

• Resolution Zukunft des Zahnarztes: Im Nachgang zu der verabschiedeten Resolution im November letzten Jahres arbeitet die Arbeitsgruppe „Education“ des CED derzeit an einem Papier, das in Bezug auf die Resolution die Hauptkompetenzen des Zahnarztes definiert. Das Papier soll möglicherweise schon im November 2008 der Vollversammlung vorgestellt werden.

Berufsstand wächst zusammen

„Der CED wächst als europäischer Berufsstand mehr und mehr zusammen“, analysierte Sprekels. Die Delegierten zeigten Einigkeit in ihrer Auffassung, dass Europa die Zahnärzteschaft vor Herausforderungen stelle, die gemeinsam zu lösen seien, wodurch jedoch die Eigenverantwortung der einzelnen Mitgliedstaaten nicht aufgehoben werde. Die Länderreports der einzelnen Mitglieder belegten, so Sprekels, eindrucksvoll die Unterschiede, jedoch auch die Gemeinsamkeiten im Bereich der Zahnmedizin. Durch einen regen Austausch auch abseits der Vollversammlung konnten viele neue Erkenntnisse untereinander über die bestehenden Probleme wie auch über die positiven Entwicklungen in den einzelnen Mitgliedstaaten gewonnen werden.

Mit viel Lob wurde der Jurist des CED, Mark Beamish, verabschiedet, der als Jurist-Linguist beim Europäischen Parlament seine Karriere fortsetzen wird. Eine besondere Freude für die Delegierten war der kurze Besuch des slowenischen Direktors für Gesundheit, Janis Renska, der die Gesundheitsministerin vertrat. Er gab einen kurzen Ausblick über die Ziele der slowenischen EU-Ratspräsidentschaft im Bereich Gesundheit. Als Fazit betonte er seine Auffassung, dass die Zahngesundheit Teil der Allgemeinmedizin sei.

Jessica Beyer
Bundeszahnärztekammer
Chausseestr. 13
10115 Berlin

INFO

CED-Resolution Patientensicherheit

Die politischen Kernaussagen sind hier gestrafft zusammengefasst:

• Dem zahnärztlichen Berufstand ist es ein wichtiges Anliegen, eine sichere Behandlung zu gewährleisten. Dazu gehören Risikominimierung, eine offene Fehlermanagementkultur und die Bereitschaft, aus eigener Erfahrung sowie aus der von anderen Kollegen zu lernen.

• Die jeweiligen nationalen zahnärztlichen Versorgungsstrukturen sind zu berücksichtigen (überwiegend Praxen in freier Niederlassung).

• Patientensicherheit wird größtenteils durch Prävention gewährleistet, gekoppelt mit einer qualitativ hochwertigen Versorgung und Qualitätssicherung. Qualität kann nicht durch externe Sanktionen forciert werden, sondern muss aus dem Berufstand heraus erfolgen.

• Vor allem bei grenzüberschreitender Versorgung ist der Patientensicherheit größte Aufmerksamkeit zu widmen. CED

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