Liquidität bleibt Chefsac

Hart am Limit

Was, wenn Basel II zuschlägt? Dümpelt der Kontokorrentkredit um die schwarze Null herum, ist alles im grünen Bereich. Wehe, wenn er weit über das vereinbarte Limit hinausgezogen wird – dann sehen Banker rot. Auch wenn die Alarmglocken bereits klingeln sollten, kann der Praxischef noch verhandeln.

Die Zahlen, die ihm sein Kundenberater präsentiert, belegten es schwarz auf weiß: Karl M., Praxischef in Bonn, hatte im vergangenen halben Jahr mehr ausgegeben als eingenommen. Die Folge heute: Seine Kapitaldienstfähigkeit, also die Fähigkeit, seine Zins- und Tilgungsleistungen aus seinen Einnahmen zu finanzieren, befindet sich an einem kritischen Punkt.

Ohne strukturelle Verbesserungen in seinem Ausgabeverhalten, so lautete die eindeutige Botschaft des Bankmitarbeiters, sieht das Kreditinstitut keine Möglichkeit, der von M. beantragten Kreditverlängerung eines Praxisdarlehens zuzustimmen. Im Gegenteil: Sollte er keine Konsolidierung herbeiführen, müsste er vor dem Hintergrund von Basel II zusätzlich mit der Kürzung seines Kontokorrentkredites rechnen. M. hat bislang die allerdings eher dezenten Hinweise seines Kundenberaters nicht sehr ernst genommen. Sonst wäre ihm aufgefallen, dass er bereits während des vergangenen Jahres einen Teil seiner betrieblichen Ausgaben über den Kontokorrentkredit finanzierte und diesen im Jahresverlauf von den ursprünglich genehmigten 20 000 Euro auf nunmehr fast 40 000 Euro erhöht hatte. Da seine Bank dies trotz erwähnter Hinweise aber mitverantwortete, ging er stets davon aus, dass sich diese hoffentlich nur vorübergehende Liquiditätsschwäche nicht auf das Verhalten seines Kreditgebers auswirken würde. Darüber hinaus tröstete er sich mit dem Gedanken, dass die Bank an den Kontoüberziehungen ja kräftig verdiente, so dass er ein klärendes Gespräch mit seinem Kundenberater für überflüssig hielt.

Entsprechend war die Initiative zu diesem Gespräch von der Bank ausgegangen. In dessen Verlauf wurde M. mit dem – bei Bankinstituten üblichen Formular – konfrontiert, dass seine Ausgabe- und Einnahmeseite nicht nur während der beiden letzten Jahre festhielt, sondern auch die Bankprognose seiner Kapitaldienstfähigkeit des laufenden und des nächsten Jahres wiedergab. Diese Zahlen hatte die Bank auf Basis der von M. und seinem Steuerberater regelmäßig eingereichten Unterlagen wie den regelmäßigen betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) und den Einkommensteuerbescheiden ermittelt. Nicht eindeutig zuzuordnende Auszahlungen betrachtete die Bank als Privatentnahmen.

Genau an dieser Position scheiden sich die Geister: Während M. die Überzeugung vertritt, dass seine Privatentnahmen seinem adäquaten Lebensstil entsprechen, beurteilt seine Bank deren Höhe als „eindeutig überdurchschnittlich“ und sieht darin einen wesentlichen Grund für die verschlechterte Kapitaldienstfähigkeit des Zahnarztes.

Der Bankmitarbeiter muss allerdings ebenfalls Kritik einstecken. Immerhin, so argumentiert M., habe die Bank die schrittweise Erhöhung des Kontokorrentkredites zugelassen, ohne klar und deutlich auf die besorgniserregende Entwicklung hinzuweisen. Er sei vor diesem Hintergrund von einer nach wie vor akzeptablen Situation ausgegangen. Im Ergebnis kommen beide Seiten überein, dass M. gemeinsam mit seinem Steuerberater binnen zwei Wochen Sparpotenziale vor allem bei seinen Privatausgaben ermittelt und auch zeitnah realisiert.

Die Bundeszahnärztekammer stellt auf Ihrer Homepage allen Zahnärzten ein Kalkulationsraster zur Verfügung, mit dem sie die für die HOZ ermittelten, auf einem bundesweiten Durchschnitt beruhenden Werte mit der eigenen betriebswirtschaftlichen Situation abgleichen können. Und eine solide Argumentationsgrundlage erhalten. Denn das Kalkulationstool wertet auch individuell Informationen über die betriebswirtschaftliche Situation der Praxis aus, errechnet den angemessenen Unternehmerlohn und entwickelt Alternativszenarien. (Details unter: www.bzaek.de/service/oav10/artikel. asp?lnr=844 )

Auf der anderen Seite wird die Bank prüfen, ob sie die sehr ehrgeizigen Tilgungsraten der von M. ebenfalls aufgenommenen weiteren Praxisdarlehen auf ein vertretbares Maß kürzt , das brächte M. einen jährlichen Liquiditätszuwachs von rund 7 000 Euro. Darüber hinaus ist die Bank bei entsprechender Umsetzung des vorzulegenden Konzeptes von M. bereit, das in wenigen Monaten zu verlängernde Darlehen bereits heute zu besseren Konditionen zu verlängern, was seine Kapitaldienstfähigkeit weiter verbessern würde.

Fazit: Meldet die Bank ad hoc eine Korrektur in Sachen Kredit an, ist das Ergebnis durchaus noch offen. Informieren und verhandeln heißt dann die Devise.

Michael Vetter
Franz-Lehar-Str. 18
44319 Dortmund

zm-Checkliste

Konditionen für Kredite

Zahnärzte, deren Kredite auf Praxis oder Haus noch laufen, sollten aus Selbstschutz

• je nach persönlicher Einschätzung, mehrmals pro Jahr selbst ihre Kapitaldienstfähigkeit ermitteln. Bank und Steuerberater können die dazu erforderlichen Daten mitteilen;

• prompt reagieren, wenn sich Liquiditätsprobleme andeuten. Dazu gehört auch gegebenenfalls ein kurzfristiges Gespräch mit der Bank zu führen;

• möglichst erhöhte Inanspruchnahmen des Kontokorrentkredites vermeiden und

• stattdessen die Möglichkeit eines preiswerteren Darlehens prüfen.

So testen Sie Ihre Bankverbindung: ☞ SERVICELEISTUNGEN: ja/nein

● Bietet Ihnen Ihre Bank ohne ausdrückliche Anfrage Ihrerseits die für Sie günstigste Kontoführungskostenvariante?

● Werden Sie von Ihrer Bank zwecks Höherverzinsung angesprochen, wenn Sie ein ungewöhnlich hohes Kontoguthaben auf Ihrem Geschäftskonto unterhalten?

● Gibt es einen konkreten Ansprechpartner für Sie?

● Steht im Bankgebäude ein Raum für individuelle Beratungen zur Verfügung?

● Haben Sie das Gefühl, dass sich die Beratung im Wesentlichen an Ihren persönlichen beziehungsweise geschäftlichen Bedürfnissen und weniger an bankinternen Verkaufsvorgaben orientiert?

● Sind Sie mit dem Produktangebot Ihrer Bank insgesamt zufrieden?

GELDANLAGEN:

● Ermittelt Ihr Bankberater vor einer Anlageberatung Ihre persönliche beziehungsweise geschäftliche Situation (dazu gehören finanzielle und steuerliche Aspekte ebenso wie die Frage nach Ihrer Spekulationsbereitschaft)?

● Bietet Ihnen Ihre Bank neben eigenen Produkten auch Geldanlagen anderer Finanzinstitute (beispielsweise Investmentfonds)?

● Informiert Sie Ihr Anlageberater regelmäßig über die Wertentwicklung Ihrer Geldanlagen?

● Werden Ihnen hin und wieder „Schnäppchen“, wie besonders günstig verzinste Wertpapiere, ohne ausdrückliche Nachfrage Ihrerseits angeboten?

● Bietet Ihnen Ihre Bank neben Standardprodukten, beispielsweise Sparbriefen, auch individuell zu Ihrem Anlageverhalten passende
Alternativen, wie Investmentfonds oder festverzinsliche Wertpapiere?

● Erhalten Sie ausreichendes Informationsmaterial über Geldanlagen?

KREDITGESCHÄFT:

● Ist Ihre Bank bei Zinsen und Bearbeitungsgebühren zu Verhandlungen bereit, wenn Sie günstigere Konkurrenzangebote nachweisen können?

● Senkt Ihre Bank den Zinssatz Ihres Überziehungskredites und anderer Kredite mit variablem Zinssatz, wenn sich das allgemeine Zinsniveau verringert hat (beispielsweise nach einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank)?

● Fühlen Sie sich von Ihrer Bank bei der Bereitstellung von Kreditsicherheiten fair behandelt?

● Ist Ihre Bank bei kurzfristig erforderlichen Kontoüberziehungen des Geschäftskontos großzügig?

● Werden Ihre Kreditanträge innerhalb eines vertretbaren Zeitraumes (etwa in zwei Wochen) bearbeitet?

● Erhalten Sie von Ihrer Bank regelmäßige Informationen über zinsgünstige Sonderkreditprogramme?

Auswertung Seite 78 oder interaktiv unter www.zm-online.de/aktion/banktest.htm

INDEX

Stichwort: Basel II

Basel II gilt als Synonym für die geänderten Kreditvergaberichtlinien der Bankinstitute. Da die Finanzexperten, die Basel II entwickelt haben, in Basel zusammenkommen, hat sich die Schweizer Stadt im diebezüglichen Sprachgebrauch etabliert.

Im Wesentlichen geht es bei Basel II um die Zinskosten für Bankkredite, die sich nun mehr an der tatsächlichen Kreditwürdigkeit oder Bonität des jeweiligen Zahnarztes orientieren als dies bisher der Fall war. Zahnärzte mit einer unterdurchschnittlichen Bonität müssen daher mit höheren Zinssätzen rechnen, während Zahnärzte mit einer überdurchschnittlichen Bonität mit niedrigeren Zinssätzen kalkulieren können. In der bankbetrieblichen Praxis zeigt sich aber immer wieder, dass es für Zahnärzte oft schwierig ist, niedrigere Kreditzinsen auch tatsächlich durchzusetzen. Daher ist es wichtig, dass der Zahnarzt die Kreditbeurteilung durch seine Bank („Rating“) kennt, um entsprechend hartnäckig zu verhandeln.

Auswertung Banktest:

• Null bis sechs Mal „Ja“

Wenn Sie bis zu sechs Mal mit „Ja“ geantwortet haben, sollten Sie über einen Bankwechsel nachdenken. Geben Sie Ihrer Hausbank in einem Gespräch aber vorher noch die Möglichkeit, ihr Verhalten Ihnen gegenüber zu verbessern.

Sieben bis zwölf Mal „Ja“

Bei sieben- bis zu zwölfmaligem „Ja“ sollte ebenfalls kurzfristig das Gespräch mit der Bank über die verbesserungsfähigen Kritikpunkte gesucht werden. Hier besitzt die Hausbank aber nach wie vor einen Vertrauensvorschuss gegenüber anderen Bankinstituten.

13 bis 18 Mal „Ja“

Offensichtlich haben Sie sich für die richtige Bank entschieden. Betrachten Sie die Dienstleistungsqualität Ihrer Hausbank als Grundlage auch zukünftiger, vertrauensvoller Zusammenarbeit, die selbstverständlich immer verbessert werden kann.

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