In Studie belegt

Assoziation zwischen rheumatoider Arthritis, Mundhygiene und Parodontitis

In einer kürzlich im Journal of Periodontology publizierten Studie zeigten zahnmedizinische Forscher der Charité in Kooperation mit der Rheumatologie, dem Institut für Biostatistik sowie der Abteilung für Epidemiologie des Deutschen Institut für Ernährungsforschung, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis im Vergleich zu gesunden Kontrollprobanden häufiger unter Parodontitis leiden

Rheumatoide Arthritis ist eine systemisch entzündliche Erkrankung der Gelenke mit einer Prävalenz von rund 0,5 bis 1,0 Prozent in den Industrienationen. Die rheumatoide Arthritis ist durch die Akkumulation eines pro-inflammatorischen Zellinfiltrates in der Synovialmembran charakterisiert, das zur Synovitis und letztendlich zur Zerstörung des Knorpel- und Knochengewebes in den betroffenen Gelenken führt. Patienten leiden unter chronischen Schmerzen und Funktionsverlust. Die eingeschränkte manuelle Geschicklichkeit beeinträchtigt die Mundhygiene und somit möglicherweise die Entstehung von entzündlichen Parodontalerkrankungen.

Risikofaktoren berücksichtigt

In der Querschnittsuntersuchung wurde der Zahn- und Parodontalstatus von 57 rheumatoiden Arthritispatienten und 52 gesunden Kontrollpatienten untersucht. Bei jedem Patienten wurde der Plaque- und Gingivalindex (PI, GI), Taschentiefe (TT) und klinischer Attachmentverlust (CAL) gemessen. Zusätzlich wurden potenzielle Risikofaktoren der Parodontitis, wie Rauchstatus, Bildungsgrad, Alkoholkonsum, Body Mass Index (BMI), sowie chronische Erkrankungen erfasst.

Ergebnisse

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass rheumatoide Arthritispatienten ein rund 8,05-fach erhöhtes geschätztes Risiko für Parodontitis im Vergleich zu gesunden Probanden vorweisen. Diese Daten berücksichtigen erhobene demografische sowie Lebensstilfaktoren. Anschließend wurde untersucht, in welchem Ausmaß die Mundhygiene diese Assoziation bedingt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mundhygiene ein wichtiger Faktor ist, jedoch nur in 13,4 Prozent die Assoziation erklären kann. Andere Parameter, wie der pro-inflammatorische Immunstatus und das signifikant häufigere Vorliegen einer sekundären Osteoporose bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, begünstigen möglicherweise den parodontalen Attachmentverlust.

In einer Pressemitteilung der American Association of Periodontology (AAP) zu dem vorliegenden Artikel wird Dr. Kenneth Kornman, Editor des Journals of Periodontology, zitiert: „Sowohl rheumatoide Arthritis als auch Parodontitis sind systemische inflammatorische Erkrankungen. Die Entzündung wird bereits als Bindeglied zwischen Parodontitis und anderen Konditionen, zum Beispiel kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes, angesehen.“ Die vorliegenden Daten zeigen, dass zur oralen Gesundheit von rheumatoiden Arthritispatienten eine enge Zusammenarbeit zwischen Medizinern, Parodontologen und Dentalhygienikern erforderlich ist. Dr. Susan Karabin, Präsidentin der AAP of the AAP, ist der Meinung, dass „die Kollaboration zwischen Zahnmedizinern und Ärzten nicht nur zur oralen, sondern vor allem auch zur allgemeinen Gesunderhaltung dieser Patientengruppe beiträgt“.

Dr. Nicole Pischon
(Leiterin der Arbeitsgruppe)
Abteilung für Parodontologie
Universitätsmedizin Charité
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
nicole.pischon@charite.de

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